19. Oktober 2026

Mit viel Selbstbewusstsein zurück aus Malta

IHK-Programm „Ab ins Ausland“ mit über 100 Azubis

Ahaus/Gronau/Kreis Borken. – In diesem Jahr haben bereits mehr als 100 Auszubildende aus dem Münsterland und der Emscher-Lippe-Region mit dem Programm „Ab ins Ausland“ der IHK Nord Westfalen ein Praktikum außerhalb Deutschlands absolviert. Die 100. Auszubildende kommt von der Volksbank Gronau-Ahaus, heißt Katharina Wittland und war vier Wochen lang auf Malta.
Begleitet wurde sie von zwei Azubi-Kolleginnen: Alexandra Rulle und Hannah Dinkelborg sind ebenfalls angehende Bankkauffrauen bei der Volksbank. Sie waren die Teilnehmerinnen 99 und 101. Das Geldinstitut bot erstmals ein Auslandspraktikum an, auch weil es ein Wunsch der Azubis selbst war, berichtete Ausbilderin Sevgi Akbulut. Das Trio sei mit neuen Erfahrungen und gestärktem Selbstbewusstsein zurückgekehrt. „Der Mehrwert bleibt ein Leben lang“, zeigte sie sich überzeugt.
Ein Mehrwert, den auch Unternehmen haben, ergänzte IHK-Mobilitätsberaterin Sarah Timmer. „Auslandsaufenthalte sind kein Zusatzangebot, sondern ein wichtiger Baustein moderner Berufsbildung“, unterstrich Timmer. Sie sprach jetzt mit Akbulut und den drei Auszubildenden über ihre Erlebnisse und weitere Pläne. Für Akbulut steht fest, dass das Auslandsprogramm fortgesetzt wird. „Das Auswahlverfahren für die nächste Runde ist schon gestartet“, erklärte sie. Auch dabei wird ihr Timmer zur Seite stehen. Die Mobilitätsberaterin informiert zum Beispiel über Förderprogramme und unterstützt dabei, einen Auslandsaufenthalt zu planen sowie einen Praktikumsplatz in Europa zu finden. Die IHK hilft aber auch bei Fragen zu Formalitäten und Fördermitteln, wenn es auf andere Kontinente geht. Bereits drei Azubis waren in diesem Jahr in den USA, je zwei in Südafrika und Kanada sowie je einer in China, Indien, Singapur und Australien. In Europa sind Portugal mit acht und Schweden mit sechs Azubis vorne dabei. Unangefochtener Spitzenreiter ist aber Malta mit bereits 40 Praktikantinnen und Praktikanten.
Eine Reise in ein für sie nahezu unbekanntes Land mit ganz eigener Arbeitskultur, das reizte die drei Volksbank-Auszubildenden besonders an dem Inselstaat im Mittelmeer. Katharina Wittland arbeitete in einer Wirtschaftsauskunftei, Alexandra Rulle und Hannah Dinkelborg prüften in der Buchhaltung eines Hotels zum Beispiel Zahlungseingänge und Kreditkartenbuchungen. Ausdrucken und Ordner schleppen gehörten zum Alltag, „bei der Digitalisierung ist Deutschland weiter“, stellte Wittland fest. „Einfacher und unbürokratischer“ gehe es dafür in Malta zu, ergänzte Dinkelborg. „Die Menschen haben ein ganz entspanntes Mindset“, nicht alles werde so ernst genommen. Die neuen Erfahrungen beschränkten sich nicht auf die Arbeit. Ein wenig lernten sie die maltesische Sprache mit ihren arabischen, englischen und italienischen Einflüssen. Und sie staunten über aus deutscher Sicht eher ungewöhnliche Bräuche: Der Feiertag Mariä Himmelfahrt bot tagelang immer wieder Anlass für Feuerwerke, sowohl morgens, mittags als auch abends.
Allein in einem fremden Land und in einem unbekannten Unternehmen zu arbeiten, war für die drei ein „Schritt raus aus der Komfortzone“, so Wittland. Ein Schritt, der gut tut, wie nicht nur die Volksbank feststellte. „Die Unternehmen merken im Arbeitsalltag, dass ihre Azubis viel selbstständiger geworden sind“, das hört IHK-Beraterin Timmer häufig aus den Betrieben. „Unsere Unternehmen stehen im internationalen Wettbewerb und brauchen Fachkräfte, die eigenverantwortlich handeln, flexibel auf neue Situationen reagieren und sich in unterschiedlichen Kulturen sicher bewegen können. Genau diese Kompetenzen erwerben Auszubildende im Ausland ganz unmittelbar.“ Wer Auslandsaufenthalte anbietet, positioniert sich zudem im Wettbewerb um die besten Nachwuchskräfte als attraktiver Ausbildungsbetrieb.
Die IHK Nord Westfalen und die Handwerkskammer Münster bieten am Dienstag, 8. Dezember, um 10 Uhr eine Onlineveranstaltung zum Thema „Mit Auslandsaufenthalten Azubis gewinnen“ an.
Mehr Informationen unter Auslandspraktikum während der Ausbildung.