28. Mai 2026

Mehr Sicherheit in Bussen und Bahnen

Landesweites Pilotprojekt bereitet Bahnmitarbeitende auf Konfliktsituationen vor

Gelsenkirchen. - Nordrhein-Westfalen stärkt die Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr: Eine neue IHK-zertifizierte Weiterbildung bereitet Sicherheitskräfte gezielt auf Konfliktsituationen im ÖPNV vor. Das durch das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes NRW geförderte Pilotprojekt „Sicherheitskraft im ÖPV“ wurde gemeinsam von den Aufgabenträgern im Schienenpersonennahverkehr, dem Kompetenzcenter Sicherheit NRW und der IHK Nord Westfalen entwickelt. Verbindliche Standards für Sicherheits- und Servicekräfte bestehen in NRW seit vielen Jahren. Die Anforderungen im Alltag haben jedoch deutlich zugenommen: Konflikte häufen sich, Einsatzlagen werden komplexer, und Mitarbeitende müssen schnell reagieren sowie zugleich professionell mit Fahrgästen kommunizieren, erklärt das NRW-Verkehrsministerium in einer Pressemitteilung.
Die neue Qualifizierung trägt diesen Entwicklungen Rechnung. Sie knüpft an die Zielsetzung der Landesregierung an, die Sicherheit im Bahnverkehr durch besser ausgebildetes Personal und praxisnahe Trainings zu erhöhen. NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer besuchte heute den ersten Pilotlehrgang in Gelsenkirchen und betonte: „Beschäftigte im Bahnverkehr sind schwierigen und auch aggressiven Situationen ausgesetzt. Sie brauchen eine gute Vorbereitung und klare Unterstützung. Genau deshalb schaffen wir mit der neuen Qualifizierung deutschlandweit erstmals einen einheitlichen, praxisnahen Standard, der ihren Eigenschutz stärkt und die Sicherheit der Fahrgäste verbessert.“
Die Teilnehmenden lernen dabei nicht nur klassische Sicherheitsaufgaben. Auf dem Lehrplan stehen unter anderem Konfliktmanagement, Deeskalationstechniken, Kommunikation, Körperspracheanalyse sowie praktisches Englisch. Die Ausbildung kombiniert theoretische Inhalte mit realitätsnahen Trainingssituationen, in denen typische Einsatzlagen aus dem Bahnalltag unter kontrollierten Bedingungen geübt werden.
„Sicherheit im ÖPV ist wesentlich, sie ist die Eintrittskarte dafür, dass Menschen Bus und Bahn überhaupt nutzen. Der große Vorteil dieses Lehrgangs ist dabei die Praxisnähe: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen genau die Situationen, die ihnen später im Alltag in Bus und Bahn begegnen – und wie sie souverän damit umgehen.“, erklärt Sven Wolf, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Nord und Standortleiter in Gelsenkirchen.
Neben dem ersten Pilotlehrgang in Gelsenkirchen wird im Juni ein weiterer in Dortmund beginnen. Insgesamt absolvieren dann rund 30 Teilnehmende die neue Qualifizierung. Das Land Nordrhein-Westfalen fördert das Pilotprojekt mit rund 230.000 Euro für Entwicklung, Durchführung und wissenschaftliche Begleitung.
Nach erfolgreichem Abschluss sollen die Absolventinnen und Absolventen mindestens ein Jahr bei den beteiligten Eisenbahnverkehrsunternehmen VIAS Rail, Regiobahn und WestfalenBahn eingesetzt werden.
Bereits vor dem offiziellen Start wurde die Qualifizierung national ausgezeichnet: Bei den Outstanding Security Performance Awards 2025 erhielt das Projekt den Preis für die beste Initiative im Bereich der Sicherheitsschulungen. Dies zeigt: „Das Projekt stößt bereits jetzt auch über Nordrhein-Westfalen hinaus auf Interesse. Die Projektpartner planen, ihre Erfahrungen künftig mit anderen Bundesländern und Verkehrsunternehmen zu teilen“, erklärt Kilian Schäfer, Leiter des Kompetenzcenter Sicherheit NRW.
Langfristig soll die „Sicherheitskraft im ÖPV (SiK ÖPV)“ nach der Pilotphase landesweit oder bei Interesse sogar bundesweit angeboten und in NRW ab 2028 schrittweise als Standard in neuen SPNV-Verträgen verankert werden. Nach Vorstellung der Landesregierung sollen so Mitarbeitende mit Sicherheitsaufgaben im Schienenpersonennahverkehr in Nordrhein-Westfalen entsprechend qualifiziert werden.
Mehr Informationen zu den Lehrgängen: nina.heisterkamp@ihk-nw.de.