22. April 2026
Wenn der Azubi mit dem Lkw zur Schule rollt
Ausbildungsbotschafter-Einsatz in Borken-Weseke
Kreis Borken/Borken-Weseke. – Wenn Ausbildungsbotschafter in Schulen von ihrem Beruf erzählen, haben sie oft Arbeitsmaterial mit dabei. Meist dienen Werkzeugkoffer oder kleine Werkstücke dazu, ihren Azubi-Alltag zu veranschaulichen. Sehr selten im Einsatz ist aber ein Arbeitsgerät wie das von Lars Högner, das knapp 500 PS auf die Straße bringt. Der angehende Berufskraftfahrer von Borchers in Borken rollte mit einer Sattelzugmaschine zur Maria-Sibylla-Merian Realschule in Borken-Weseke an.
Auf dem Lehrerparkplatz der Maria-Sibylla-Merian Realschule stand jetzt ein Lkw: Ausbildungsbotschafter Lars Högner von Borchers hatte sein Arbeitsgerät mitgebracht, um lebendig aus seinem Azubi-Alltag zu berichten.
Högner gehörte zu den neun Ausbildungsbotschafterinnen und -botschaftern, einem Projekt der IHK Nord Westfalen, die die neunten Klassen besuchten. Außerdem mit dabei waren Azubis von Benning aus Bocholt, Börger aus Borken und HUESKER Synthetic aus Gescher, die aus der der Praxis als künftige Elektroniker für Betriebstechnik, Metallbauer und Industriekaufleute berichteten.
103 Azubis aus 27 Unternehmen sind insgesamt als Ausbildungsbotschafterinnen und -botschafter im Kreis Borken aktiv, um jungen Menschen die Vielfalt der Berufswelt und die Chancen einer betrieblichen Ausbildung zu vermitteln. Die Nachfrage in den Schulen nach dieser Art der lebendigen Berufsorientierung ist groß. 2025 leisteten die sogenannten „Aubots“ 1.475 Einsätze. „In diesem Jahr sind es schon 550, und die meisten Einsätze kommen noch“, berichtete Simon Wehrmeister aus dem Team Fachkräftesicherung der IHK Nord Westfalen.
So funktioniert eine Sattelzugmaschine: Ausbildungsbotschafter Lars Högner ließ Schülerinnen der neunten Klasse auf dem Fahrer- und Beifahrersitz Platz nehmen.
Für Unternehmen sind Ausbildungsbotschafter eine gute Chance, mögliche Nachwuchskräfte auf sich aufmerksam zu machen. „Der Kraftfahrerberuf ist nicht unbedingt der begehrteste und bekannteste“, räumte Jessica Seidel von Borchers ein. Das Logistikunternehmen ist auch auf Berufsmessen unterwegs. Der Eindruck, den der Auftritt des Azubis mit der schweren Maschine hinterließ, war bei den Neuntklässlern aber besonders groß. Sie setzten sich hinters Steuer, schauten unter die Motorhaube und staunten über gewaltige Zahlen: „1.200 Liter Diesel passen in die Tanks“, berichtete Högner zum Beispiel. Das reicht immerhin für rund 4.000 Kilometer. Er erzählte auch davon, wie es ist, unterwegs zu sein und wie gut der Zusammenhalt unter den Lkw-Fahrern ist.
Eine Menge Infos hatten auch Julian Goldmann, Luke Schepers, Florian Kropp und Leonhard Lackmann, die sich bei Benning in Bocholt zu Elektronikern für Betriebstechnik ausbilden lassen. Ihre Argumente für einen Berufsstart nach der Schule: „Ihr verdient sofort Geld, sammelt Erfahrungen und habt eine gute Perspektive.“ Außerdem mache es Spaß, ganz praktische Probleme zu lösen. Die Tätigkeit selbst sei abwechslungsreich, vom Platinen bestücken bis zum Schaltschrankbau.
An einem Lehrkoffer konnten Schülerinnen und Schüler auch selbst einmal die Spannung prüfen. Mit Vorurteilen räumten die Ausbildungsbotschafter direkt auf: In einem Elektrotechnikunternehmen arbeiteten doch nur Männer, glaubte ein Schüler – und bekam von einem Aubot den Gegenbeweis geliefert: „Meine Mutter ist auch bei Benning“, genauso wie viele andere Frauen in den Teams.
Was macht ein Elektroniker? Schülerinnen und Schüler der neunten Klasse durften beim Einsatz der Ausbildungsbotschafter von Benning selbst einmal die Spannung messen.
Wie sie sich bewerben, welche schulischen Voraussetzungen erfüllt sein müssen oder wie die Chancen für ein Praktikum stehen, waren weitere Fragen, auch in den anderen Klassenräumen. Dort gaben zum einen die angehenden Industriekaufleute Laureen Büscherfeld und Lutz Voß von HUESKER Synthetic, und zum anderen die Metallbau-Azubis Linus Rottbeck und Moritz Wendholt von Börger Einblicke in ihr Berufsleben.
Die meisten Aubots haben schon einige Erfahrung darin gesammelt, vor Klassen zu stehen. Auch Lars Högner von Borchers bringt bereits eine Menge Routine mit. Er könnte sich auch eine Ausweitung seiner Einsätze vorstellen: „Einmal mit dem Sattelzug zu einem Kindergarten fahren.“ Dass die Zielgruppe noch zu jung sei für Themen rund um Berufe, glaubte er nicht: „Ich war selbst im Kindergarten, als ein Lkw zum Martinszug gekommen ist“, erzählte er. Und genau das sei der Moment gewesen, in dem seine Begeisterung für den Kraftfahrerberuf geweckt wurde.
Wie Unternehmen und Schulen am IHK-Projekt Ausbildungsbotschafter teilnehmen, erfahren sie hier: www.ihk.de/nw/ausbildungsbotschafter.
