Digitale Visa-Verfahren für mehr Fachkräfte

IHK: Auslandsportal bewährt sich / Neue Agentur begrüßt

Münsterland/Emscher-Lippe-Region. – Schnellere Visaverfahren und damit mehr Unterstützung für Unternehmen bei der Fachkräftesicherung: Dieses Ziel hat die Bundesregierung bei der Erweiterung ihres Auslandsportals als Ziel ausgegeben. Seit Anfang des Jahres sind alle 167 Auslandsvertretungen an das Portal www.digital.diplo.de angeschlossen, auf dem Menschen aus Drittstaaten online ein Visum für eine Berufsausbildung oder eine Beschäftigung in Deutschland beantragen können. Aus Sicht der IHK Nord Westfalen hat sich das bewährt. „Das Portal hat für die Unternehmen in unserem IHK-Bezirk einen echten Mehrwert“, bilanziert Carsten Taudt, IHK-Geschäftsbereichsleiter für Bildung, Fachkräftesicherung und Recht. Er setzt nun auf die geplante Work-and-Stay-Agentur des Bundes, um Prozesse weiter zu verschlanken und Bürokratie abzubauen. „Immer mehr Unternehmen in unserer Region sind darauf angewiesen, ihren Fachkräftebedarf mit Menschen aus dem Ausland zu decken“, betont er.
Nach Angaben der Bundesregierung sind in diesem Jahr bereits rund 60.000 Visumsanträge von Menschen, die aus Ländern außerhalb des europäischen Wirtschaftsraums stammen, digital bearbeitet worden. Sie werden auch im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region dringend benötigt. „Bereits seit Jahren gibt es zu wenige Bewerberinnen und Bewerber um die freien Ausbildungsplätze“, stellt Taudt fest. Wie die IHK-Ausbildungsplatzumfrage 2025 ergeben hat, habe es für fast ein Drittel der Stellen zu wenig passenden Bewerberinnen und Bewerber gegeben. „Jeder siebte Betrieb hat für bestimmte Ausbildungsplätze überhaupt keine Bewerbung erhalten“, erklärt er. Ein Viertel der Betriebe haben deshalb schon Azubis aus Drittstaaten ausgebildet, mehr als ein weiteres Viertel kann sich das für die Zukunft vorstellen. „Die digitale Antragstellung erleichtert es erheblich, internationale Talente zu gewinnen und den Prozess von der Bewerbung bis zur Einreise zu beschleunigen“, unterstreicht der IHK-Bildungsexperte.
Zusätzliche Unterstützung verspricht sich die IHK von der Work-and-Stay-Agentur, die das Bundeskabinett Anfang November beschlossen hat. Eine zentrale IT-Plattform soll den Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt für internationale Fachkräfte weiter vereinfachen. „Arbeitgeber profitieren künftig von mehr Transparenz, da sie den Bearbeitungsstand einsehen und fehlende Dokumente schneller nachreichen können“, so die Einschätzung von Taudt. Das sorge für Effizienz, Planbarkeit und weniger Verwaltungsaufwand. Unternehmen können den Einwanderungsprozess für ihre künftigen Fachkräfte aktiv starten und begleiten, statt nur auf Behördenentscheidungen zu warten. „Dies sind entscheidende Maßnahmen, um die Fachkräftegewinnung zu beschleunigen und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Region zu sichern“, unterstreicht er.
Bei Fragen zum Auslandsportal oder zur betrieblichen Ausbildung von Menschen mit Zuwanderungs- oder Fluchtgeschichte bietet die IHK den Unternehmen im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region Unterstützung an. Die IHK-Willkommenslotsen helfen bei Fragen rund um Ausbildung und Integration, außerdem vermitteln sie Kontakte zu regionalen Ansprechpartnerinnen und -partnern. Die Tätigkeit der Willkommenslotsen wird gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.
Mehr Informationen zu den IHK-Willkommenslotsen: Dr. André Böing, E-Mail: andre.boeing@ihk-nw.de, Telefon 0251 707-413.