Niederrheinische IHK
Verkehr und Logistik
Eine gute verkehrliche Erreichbarkeit, leistungsfähige Verkehrswege und die enge Vernetzung der Verkehrsträger sichern Wohlstand, Beschäftigung und wirtschaftliche Entwicklung in der Region. Die Lage zwischen Rhein und Ruhr sowie die Nähe zu den Niederlanden und wichtigen europäischen Wirtschaftsräumen machen den Niederrhein zu einer zentralen Logistikregion. Unternehmen aus Industrie, Handel, Logistik und Dienstleistungen sind auf eine leistungsfähige und verlässliche Verkehrsinfrastruktur angewiesen, damit Güter und Menschen effizient und planbar mobil bleiben.
Leitgedanken für die Verkehrspolitik
Erreichbarkeit ist ein zentraler Standortfaktor für die Wirtschaft am Niederrhein und in Nordrhein-Westfalen. Industrie, Mittelstand, Handel, Logistik und Dienstleistungen sind auf eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur sowie eine verlässliche Güter- und Personenmobilität angewiesen. Sanierungsstau, Kapazitätsengpässe und langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren führen jedoch zu steigenden Kosten, Verzögerungen und Standortnachteilen für Unternehmen. Vor diesem Hintergrund hat IHK NRW zwölfLeitlinien für eine zukunftsfähige Verkehrspolitik beschlossen, die die Niederrheinische IHK federführend erarbeitet hat.
Im Mittelpunkt steht die konsequente Sanierung der Verkehrsinfrastruktur. Brücken, Schleusen und Schienen müssen schneller erneuert und dauerhaft finanziert werden, um Ausfälle und wirtschaftliche Schäden zu vermeiden. Gleichzeitig müssen Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt werden, damit Infrastrukturprojekte schneller umgesetzt werden können. Investitionen sollen nach klaren gesamtwirtschaftlichen Kriterien priorisiert werden. Neben der Stärkung von Schiene und Wasserstraße bleibt die Straße zentraler Verkehrsträger für Industrie, Logistik und Wirtschaftsverkehr.
Für eine erfolgreiche Transformation des Verkehrssektors sind zudem eine verlässliche Infrastrukturfinanzierung, der Ausbau von Lade- und Wasserstoffinfrastruktur, ein leistungsfähiger öffentlicher Personennahverkehr sowie die Sicherung des Luftverkehrs als internationaler Standortfaktor erforderlich. Gleichzeitig müssen Innenstädte und Gewerbestandorte für Kunden, Beschäftigte und Wirtschaftsverkehre gut erreichbar bleiben. Nachhaltige Mobilität gelingt durch Investitionen, Innovationen und verlässliche Rahmenbedingungen.
Straßen und Brücken
In Nordrhein-Westfalen sind rund 2.500 Autobahnbrücken sanierungsbedürftig. Viele Bauwerke haben ihre technische Lebensdauer erreicht oder sind durch jahrzehntelange hohe Verkehrsbelastung stark geschädigt. Besonders betroffen sind stark frequentierte Rheinquerungen und zentrale Autobahnknoten im Ruhrgebiet. Traglastbeschränkungen, kurzfristige Sperrungen und langjährige Baustellen führen zu Staus, Umwegen und erheblichen Mehrkosten für Industrie, Logistik und Pendler. Eine leistungsfähige und verlässliche Brückeninfrastruktur ist jedoch eine zentrale Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit, Investitionen und Beschäftigung am Wirtschaftsstandort Niederrhein. Eine detaillierte Analyse finden Sie im IHK-Brückenmonitor.
Am Niederrhein betreffen mehrere dieser Engpässe wichtige Verkehrsachsen mit großer Bedeutung für Industrie, Hafenwirtschaft und internationalen Güterverkehr. Die folgenden Projekte stehen beispielhaft für die Herausforderungen und die laufenden Modernisierungsmaßnahmen in der Region.
A40-Rheinbrücke Neuenkamp achtspurig ausbauen
Die A40-Rheinbrücke Neuenkamp zwischen Duisburg und Moers ist eine der wichtigsten Ost-West-Verbindungen in Nordrhein-Westfalen und Teil einer europäischen Verkehrsachse in Richtung Niederlande. Ursprünglich für deutlich geringere Verkehrsbelastungen geplant, wird sie heute von mehr als 100.000 Fahrzeugen täglich genutzt, darunter ein hoher Anteil an Lkw. Der Ersatzneubau erfolgt in mehreren Bauabschnitten. Ein erstes Teilbauwerk ist bereits in Betrieb, der vollständige Ausbau auf acht Fahrstreifen soll in den kommenden Jahren abgeschlossen werden. Ziel ist eine dauerhaft leistungsfähige Verbindung für den regionalen und internationalen Wirtschaftsverkehr.
Schneller Neubau für die A59-Berliner Brücke
Die A59 mit der Berliner Brücke in Duisburg ist eine zentrale Nord-Süd-Verbindung im Ruhrgebiet und eine wichtige Achse für die Anbindung des Duisburger Hafens sowie zahlreicher Industrie- und Gewerbestandorte. Aufgrund des baulichen Zustands bestehen Einschränkungen, unter anderem für Schwertransporte. Für Unternehmen der Industrie und Logistik ist die Strecke von großer Bedeutung. Ein zügiger Ersatzneubau ist notwendig, um die Erreichbarkeit der Wirtschaftsstandorte langfristig zu sichern.
Umbau des Autobahnkreuz Kaiserberg fertigstellen
Das Autobahnkreuz Kaiserberg, an dem sich die Autobahnen A3 und A40 kreuzen, gehört zu den wichtigsten Verkehrsknotenpunkten in Nordrhein-Westfalen. Täglich passieren hier große Pendler- und Güterverkehrsströme. Der umfassende Umbau erfolgt in mehreren Bauphasen und führt zeitweise zu Sperrungen und Umleitungen. Mit dem Ausbau entstehen zusätzliche Fahrstreifen, neue Brückenbauwerke und eine leistungsfähigere Verkehrsführung, um Engpässe zu reduzieren und die Zuverlässigkeit der Autobahnverbindungen zu verbessern.
OB-Karl-Lehr-Brücke: Jahrhundertprojekt der Stadt Duisburg
Die Oberbürgermeister-Karl-Lehr-Brücke in Duisburg ist eine zentrale innerstädtische Verbindung über Ruhr und Hafenkanal. Sie verbindet Innenstadt, Duisburger Hafen und wichtige überregionale Verkehrsachsen. Der Brückenzug wird umfassend erneuert. Während der Bauphase kommt es zu Einschränkungen für den motorisierten Verkehr, den öffentlichen Personennahverkehr sowie den Rad- und Fußverkehr. Für Unternehmen und Beschäftigte ist eine verlässliche Baustellenkoordination entscheidend, damit Lieferverkehre, Pendlerströme und die Anbindung des Hafens weiterhin funktionieren.
Uerdinger Rheinbrücke für Wirtschaftsverkehr öffnen
Die Uerdinger Rheinbrücke zwischen Krefeld und Duisburg ist Teil der Bundesstraße B288 und eine wichtige Rheinquerung für den Wirtschaftsverkehr am Niederrhein. Aufgrund ihres Alters und technischer Schäden wurde die Tragfähigkeit der Brücke eingeschränkt und so faktisch für den Wirtschaftsverkehr gesperrt. Ein Ersatzneubau ist geplant und soll schrittweise umgesetzt werden. Für Industrie- und Logistikstandorte in der Region ist eine verlässliche Planungsperspektive wichtig, damit Verkehrsverbindungen langfristig gesichert bleiben.
Baustellen-Newsletter: Immer über aktuelle Sperrungen informiert bleiben
Über aktuelle Bauphasen, Sperrungen und verkehrliche Einschränkungen an wichtigen Verkehrsachsen informiert regelmäßig unser Baustellen-Newsletter für den Niederrhein. Dort erhalten Unternehmen kompakte Informationen für ihre betriebliche Verkehrs- und Logistikplanung.
Wasserstraße
Die Wasserstraße ist ein zentraler Standortfaktor für Nordrhein-Westfalen und den Niederrhein. Über den Rhein und das Kanalsystem ist die Region eng mit den Seehäfen Rotterdam und Antwerpen verbunden und erhält damit direkten Zugang zu internationalen Märkten. Flüsse wie der Rhein oder die Ruhr sind für den Gütertransport von zentraler Bedeutung. Mit dem Duisburger Hafen befindet sich zudem der größte Binnenhafen der Welt am Niederrhein und eine der wichtigsten Logistikdrehscheiben Europas.
Die Infrastruktur der Wasserstraßen ist jedoch vielerorts stark sanierungsbedürftig. Schleusen, Wehre, Spundwände und Hafenanlagen müssen erneuert oder modernisiert werden. Wichtige Projekte wie die Anpassung der Fahrrinne des Rheins, der Ersatz von Schleusen am Wesel-Datteln-Kanal oder der Ausbau von Brücken für mehrlagige Containertransporte kommen nur langsam voran. Auch die landseitige Verkehrsanbindung der Binnenhäfen über Straße und Schiene muss weiter verbessert werden, damit die Potenziale der Binnenschifffahrt besser genutzt werden können.
Für eine leistungsfähige Wasserstraßeninfrastruktur müssen die Investitionen deutlich steigen und langfristig gesichert werden. Die Landesregierung Nordrhein-Westfalens sollte sich dafür einsetzen, dass der Bund zusätzliche Mittel bereitstellt und die Wasserstraße – ebenso wie Straße und Schiene – von den geplanten Infrastrukturinvestitionen profitiert. Gleichzeitig sind mit Blick auf Klimaschutz, veränderte Güterstrukturen und neue Transportanforderungen Investitionen in alternative Antriebe, Digitalisierung und innovative Schiffskonzepte notwendig. Die Binnenschifffahrt bietet ein großes Nachhaltigkeitspotenzial, da ein Binnenschiff beispielsweise bis zu 40 Lkw ersetzen kann.
Die IHK setzt sich im Interesse der Unternehmen am Niederrhein für eine schnelle Modernisierung der Wasserstraßeninfrastruktur und für eine angemessene Berücksichtigung der nordrhein-westfälischen Binnenhäfen in der Nationalen Hafenstrategie ein.
Schifferbörse zu Duisburg-Ruhrort e.V.
Die Niederrheinische IHK ist darüber hinaus eng mit der Schifferbörse zu Duisburg-Ruhrort verbunden und übernimmt deren Geschäftsführung. Seit 1901 spielt die Schifferbörse eine zentrale Rolle für die Rheinschifffahrt und die Logistik. Sie fördert die Zusammenarbeit der Akteure der Binnenschifffahrt, darunter Reeder, Partikuliere, Verlader und Spediteure, und bündelt deren Interessen gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit.
Ein weiterer Schwerpunkt der Schifferbörse liegt auf der Vermittlung von Wissen über die Binnenschifffahrt. Mit BiWAS – Binnenwasserstraßenwissen – bietet die Schifferbörse eine kostenlose Lern- und Lehrplattform für Schulen und Berufsschulen. Ziel ist es, Kenntnisse über Wasserstraßen und Binnenschifffahrt stärker im Unterricht zu verankern und junge Menschen frühzeitig für diese Branche zu sensibilisieren. Weitere Informationen finden Sie auf der BiWAS-Website.
Ergänzend organisiert die Schifferbörse mit Quinwalo (Qualification Inland Waterway Logistics) eine Lehrgangsreihe für Auszubildende im Bereich Spedition und Logistik. Ziel ist es, zukünftige Fach- und Führungskräfte frühzeitig mit den Chancen und Möglichkeiten der Binnenschifffahrt vertraut zu machen. Weiteres finden Sie auf der Quinwalo-Website.
Schienenverkehr
Der Niederrhein ist ein zentrales Bindeglied zwischen dem Rhein-Ruhr-Raum und den Seehäfen in Rotterdam und Antwerpen. Eine leistungsfähige Schienenanbindung ist entscheidend, um Güter zuverlässig zu transportieren, Straßen zu entlasten und Pendlern schnelle Verbindungen zu ihren Arbeitsorten zu ermöglichen. Die Niederrheinische IHK setzt sich daher für den Ausbau der Schieneninfrastruktur im Rheinland ein.
Eine Studie der IHKs im Rheinland zeigt, dass die derzeit geplanten Investitionen in die Schieneninfrastruktur nicht ausreichen, um die wachsenden Güterströme aus den ZARA-Häfen Zeebrügge, Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam zu bewältigen. Das Rheinland ist eine zentrale Drehscheibe für diesen europaweiten Güterverkehr. Ohne zusätzliche Investitionen drohen Engpässe und Wettbewerbsnachteile für den Wirtschaftsstandort.
Betuwe-Linie: Wirtschaftsverkehr von Rotterdam bis Genua
Für den Niederrhein besonders wichtig ist die sogenannte Betuwe-Linie, die den Rhein-Ruhr-Raum mit den niederländischen Seehäfen verbindet. Sie gehört zu den wichtigsten europäischen Güterverkehrsverbindungen und ist Teil des Schienenkorridors Rotterdam–Genua. Der laufende dreigleisige Ausbau zwischen Emmerich und Oberhausen ist für Duisburg und den Niederrhein von großer Bedeutung. Die Niederrheinische IHK setzt sich für eine zügige Umsetzung ein und unterstützt Unternehmen während der Bauphase durch regelmäßige Informationsveranstaltungen mit der Deutschen Bahn.
Rhein-Ruhr-Express als Verbindung der Metropolen
Mit dem Rhein-Ruhr-Express (RRX) entsteht ein attraktiveres Angebot im Schienenpersonennahverkehr für die stark vernetzte Region Rhein-Ruhr. Ab 2040 soll der RRX im 15-Minuten-Takt zwischen Köln und Dortmund verkehren. Im Regelbetrieb sollen sieben Linien die großen Metropolen des Landes miteinander verbinden. Die neuen RRX-Fahrzeuge sind bereits heute auf mehreren Regionalexpresslinien im Einsatz, stoßen in den Hauptverkehrszeiten jedoch häufig an ihre Kapazitätsgrenzen. Die Niederrheinische IHK fordert daher einen schnellen Ausbau der dafür notwendigen Infrastruktur.
Regionalexpress RE10 muss zuverlässiger werden
Auch der Regionalexpress RE10 von Kleve nach Düsseldorf ist eine wichtige Pendlerverbindung für den linken Niederrhein. Er verbindet zahlreiche Städte der Region mit der Landeshauptstadt und ist für viele Beschäftigte der tägliche Arbeitsweg. Die Verbindung gilt jedoch als störanfällig und unzuverlässig. Die Niederrheinische IHK setzt sich deshalb für eine stabile und leistungsfähige Schienenverbindung ein, von der Pendler und Unternehmen gleichermaßen profitieren.
Ideenwettbewerb LogistiKids
Beim Ideenwettbewerb LogistiKids entdecken Kinder spielerisch die Welt der Logistik. Sie lernen, wie Waren transportiert werden und wie Produkte ihren Weg vom Hersteller bis in den Supermarkt finden. Dabei beschäftigen sie sich mit Fragen aus dem Alltag wie zum Beispiel: Wie kommen Fischstäbchen in die Pfanne? Oder wie kommt ein Fahrrad ins Geschäft?
Der Wettbewerb wurde von den Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit dem Logistikcluster NRW entwickelt. Schirmfrau ist die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Mona Neubaur. Ziel ist es, Kindern frühzeitig ein Verständnis für Logistik, Transport und Lieferketten zu vermitteln.
Teilnehmen können Vorschulkinder aus Kitas und Kindergärten im Alter von fünf bis sechs Jahren sowie Grundschulkinder im Alter von sechs bis elf Jahren. Die Gruppen sollten aus mindestens fünf Kindern bestehen. Auch klassenübergreifende Projekte, etwa aus der Ganztagsbetreuung, können eingereicht werden. Eine Expertenjury aus Unternehmensvertretern bewertet die kreativsten und innovativsten Beiträge. Die besten Projekte werden mit Preisgeldern von bis zu 1.000 Euro sowie Sachpreisen ausgezeichnet.
Weitere Informationen zum Wettbewerb und zur Anmeldung für das Jahr 2026 finden Sie auf der Website LogistiKids.
Betriebliches Mobilitätsmanagement
Ob Kleinunternehmen oder Großkonzern: Eine effiziente Mobilität ist die Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg. In vielen Städten führen Staus und stockender Verkehr jedoch zu erheblichen Zeitverlusten. Für Unternehmen, Kundinnen und Kunden sowie Beschäftigte verlängern sich Wege und Transportzeiten deutlich, was Kosten erhöht und Arbeitsabläufe erschwert.
Das betriebliche Mobilitätsmanagement setzt genau hier an. Es umfasst alle Aspekte der Mobilität innerhalb eines Unternehmens und hilft dabei, Verkehrsabläufe effizienter zu organisieren. Ziel ist es, die Erreichbarkeit von Unternehmen zu verbessern, Pendlerverkehre zu optimieren und nachhaltige Mobilitätslösungen zu entwickeln.
Im IHK-Zertifikatslehrgang „Betriebliches Mobilitätsmanagement“ erarbeiten Teilnehmende konkrete Mobilitätskonzepte für ihr Unternehmen. Dabei geht es unter anderem um Fragen zur effizienten Nutzung des Fuhrparks, den Einsatz von Elektromobilität sowie um Angebote für Beschäftigte wie Jobtickets oder Diensträder. Der Lehrgang richtet sich insbesondere an Mitarbeitende aus den Bereichen Personal, Logistik, Fuhrparkmanagement, Energie und Facility Management.
Weitere Informationen zum betrieblichen Mobilitätsmanagement sowie zum IHK-Lehrgang finden Sie auf der BeMo-Website.
Weiterbildungen im Verkehrsbereich
Sie sind auf der Suche nach Weiterbildungen im Verkehrsbereich wie Gefahrgutfahrer-Schulungen, Beschleunigter Grundqualifikation als Berufskraftfahrer oder Prüfungen im Taxi- und Mietwagenbereich? Diese finden Sie übersichtlich im Bereich “Weiterbildung” dargestellt.
