Energie und Umwelt

Gewerbestandorte nachhaltig gestalten: Innovative Projekte und Best Practices

Viele Unternehmen am Niederrhein setzen Nachhaltigkeit bereits erfolgreich um und profitieren davon. An dieser Stelle zeigen wir eine Auswahl guter Projekte aus unterschiedlichen Themenfeldern.

Brachflächen nutzbar machen

Ausreichend Gewerbeflächen sind wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung einer Region. Unternehmen brauchen Raum, um zu wachsen, neue Arbeitsplätze zu schaffen und zu investieren. Gleichzeitig sollen Freiflächen möglichst erhalten und die weitere Flächenversiegelung begrenzt werden.
Deshalb gewinnt die Wiederentwicklung von Brachflächen immer mehr an Bedeutung. Dabei werden ehemalige Industrie- und Gewerbestandorte, aufgegebene Militärflächen oder nicht mehr genutzte Verkehrsflächen für neue Projekte vorbereitet und einer neuen Nutzung zugeführt.
Für Städte und Gemeinden bietet das die Chance, zusätzliche Gewerbeflächen zu schaffen, ohne neue Freiräume in Anspruch zu nehmen. Besonders dort, wo kaum noch Flächen für neue Gewerbegebiete verfügbar sind, kann dies eine wichtige Lösung sein.
Die Entwicklung von Brachflächen ist jedoch oft anspruchsvoll. Alte Gebäude müssen zurückgebaut und mögliche Bodenbelastungen beseitigt werden. Dadurch entstehen hohe Kosten, die sich häufig nur mit Fördermitteln finanzieren lassen. Ob eine Fläche erfolgreich reaktiviert werden kann, hängt deshalb immer von den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten sowie den finanziellen und planerischen Rahmenbedingungen ab.
Um solche Projekte erfolgreich umzusetzen, sollten Kommunen, Unternehmen und weitere Beteiligte frühzeitig zusammenarbeiten. Die Business Metropole Ruhr hat dafür einen Instrumentenkasten mit Praxisbeispielen und Handlungsempfehlungen entwickelt.
Vorteile
  • Standortgunst durch meist zentrale Lage und gute verkehrliche Anbindung.
  • Nutzung bereits vorhandener Infrastruktur; Einsparung von Erschließungskosten.
  • Verminderung von Freiflächeninanspruchnahmen.
  • Reduzierung der Aufwendungen für ökologische Ausgleichsmaßnahmen.
  • Positiver Effekt für die Stadtentwicklung / das Stadtbild.
  • Stärkung des Wirtschaftsstandortes durch Neuansiedlungen.
  • Imagegewinn/Vermarktungsaspekte.
Nachteile
  • Hohe bzw. unkalkulierbare Aufwendungen für die Altlastensanierung.
  • Denkmalschutzauflagen können die Nutzbarkeit eines Standortes einschränken.
  • Einschränkungen der gewerblichen Folgenutzungen gegenüber vorhandenen Wohnnutzungen durch betriebliche Emissionen.
Informationen

Projektbeispiel: Logport VI-Gelände in Duisburg
Das Areal der ehemaligen Papierfabrik Duisburg-Walsum mit einer Größe von insgesamt 40 Hektar wurde unter Regie der Duisburger Hafen AG in den vergangenen Jahren umfangreich aufbereitet und steht für Unternehmen der wertschöpfenden Logistik als neuer Standort zur Verfügung. Die Fläche bietet eine trimodale Koordination von Gütertransporten auf der Straße, Schiene und dem Wasserweg.
Die Aufbereitung des Geländes hat einen Zeitraum von etwa drei Jahren beansprucht und Kosten im höheren zweistelligen Millionenbereich verursacht. Perspektivisch sollen bis zu 600 Arbeitsplätze entstehen.
Das dänische Logistikunternehmen DSV Solutions ist der erste neue Nutzer am Standort und hat im Jahr 2021 ein neues Logistikzentrum mit einer Größe von 120.000 m² eröffnet, die Containerreederei Maersk ist ein weiterer Investor auf dem Logport-Gelände.

Fassaden begrünen

Begrünte Fassaden bieten viele Vorteile für Unternehmen. Sie schaffen Lebensräume für Tiere, Insekten und Pflanzen und fördern so die biologische Vielfalt direkt am Unternehmensstandort. Gleichzeitig schützen die Pflanzen die Gebäude vor starker Sonneneinstrahlung und großen Temperaturschwankungen. Im Sommer heizen sich die Fassaden weniger auf, im Winter bleibt die Wärme länger im Gebäude. Das kann den Energieverbrauch senken und Kosten sparen. Auch die Luftqualität profitiert: Begrünte Fassaden binden Feinstaub und tragen zu einem angenehmeren Umfeld für Mitarbeitende und Anwohner bei.
Mehrwert für das Unternehmen / den Standort
  • Verbesserung des Mikroklimas
  • Lebensraum für Tiere und Pflanzen
  • Reduzierung von Wärmeverlusten im Winter
  • Kühlwirkung im Sommer
  • Schutz der Fassade
  • Gestalterische Aufwertung des Firmengrundstückes
  • Imagegewinn
Informationen

Projektbeispiel: Enni-Verwaltungsgebäude Moers
Die Stirnseite des neuen Enni-Verwaltungsgebäudes in Moers ist deutschlandweit einer der größten vertikalen Gärten und wurde im Jahr 2021 vom Bundesverband GebäudeGrün mit der Auszeichnung „Fassadenbegrünung des Jahres“ ausgezeichnet. Die 600 Quadratmeter große Wandfläche wurde mit etwa 60.000 Pflanzen begrünt. Verschiedene Stauden und immergrüne Gräser sorgen nicht nur für eine lebendige Optik, sondern sorgen auch für gute Luft, da die Pflanzen Sauerstoff produzieren, von dem bis zu 100 Menschen profitieren können. Ferner werden Feinstäube gebunden und CO2 durch Photosynthese umgewandelt. Für das Kleinklima und die Energiebilanz ist die begrünte Fassade ebenfalls von Vorteil, denn im Sommer reduziert Verdunstungskälte die Temperaturen und im Winter schützt die Begrünung vor Wärmeverlusten.
Zur Bepflanzung war eine besondere Unterkonstruktion an der Fassade nötig, die dennoch alle geforderten Brandschutzkriterien erfüllt. Die Versorgung mit Wasser- und Dünger übernimmt ein automatisches Bewässerungssystem. Durch ein Kassettensystem können einzelne Pflanzelemente bei Bedarf ausgetauscht werden.
Für das Versorgungsunternehmen Enni ist die Fassadenbegrünung nicht nur ein Beitrag zum Klimaschutz, sondern auch Symbol für die Unternehmensphilosophie.
Grüne Fassade (8)

Wasserstoff nutzen

Wasserstoff gilt als wichtiger Energieträger auf dem Weg zur Klimaneutralität. Er kann dazu beitragen, industrielle Prozesse und den Güterverkehr Schritt für Schritt von fossilen Brennstoffen unabhängig zu machen.
Besonders in energieintensiven Branchen bietet Wasserstoff großes Potenzial. In der Stahlindustrie lassen sich die CO₂-Emissionen gegenüber herkömmlichen Verfahren deutlich reduzieren. Damit spielt die Industrie in Nordrhein-Westfalen eine wichtige Rolle für die klimafreundliche Transformation der Wirtschaft.
Darüber hinaus kann Wasserstoff zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe oder für die Energieversorgung in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen genutzt werden. Dadurch eröffnen sich neue Möglichkeiten für eine klimafreundliche Energie- und Wärmeversorgung.
Der Bedarf an Wasserstoff wird in den kommenden Jahren stark steigen. Gleichzeitig braucht der Aufbau einer klimaneutralen Wasserstoffwirtschaft Zeit. Deshalb wird Wasserstoff zunächst aus unterschiedlichen Energiequellen bereitgestellt, während die Produktion aus erneuerbaren Energien schrittweise ausgebaut wird. So können Unternehmen frühzeitig Erfahrungen mit der Technologie sammeln und die notwendigen Anwendungen und Infrastrukturen entwickeln.
Mehrwert für das Unternehmen / den Standort
• Unabhängigkeit von externer Stromversorgung.
• Kosteneinsparung durch eigene Stromerzeugung.
• Positive Außendarstellung.
Hinweise
• Komplexe Planungs- und Genehmigungsprozesse notwendig.
• Besondere Anforderungen durch das Störfallrecht.
Informationen

Projektbeispiel: Duisburg Gateway Terminal (DGT)
Auf der ehemaligen Kohleinsel im Duisburger Hafen entsteht auf einer Fläche von 23,5 Hektar ein neues Umschlagterminal, das in der Zukunft vollständig klimaneutral betrieben werden kann. Das Projekt wird im Rahmen der „Technologieoffensive Wasserstoff“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz für einen Zeitraum von vier Jahren gefördert.
Dazu sollen unter anderem alle Transportbewegungen von Rangierloks und Kränen klimaneutral erfolgen. Hierzu wird eine eigene Energieversorgung vor Ort bestehend aus Photovoltaikanlagen, Batteriespeichern, Brennstoffzellen und Blockheizkraftwerken eingerichtet. Die am Terminal liegenden Schiffe sollen zudem mit dem klimaneutral hergestellten Strom versorgt werden, anstatt über die bordeigenen Dieselmotoren. Überschüssige Wärme aus der Stromerzeugung kann den angrenzenden Quartieren bereitgestellt werden. Zukünftig ist auch eine Einspeisung in das städtische Nahwärmenetz denkbar, wenn die Netzinfrastruktur hergestellt ist.
Das innovative Projekt wird der erste klimaneutral betriebene und gleichzeitig größte Containerterminal im europäischen Binnenland für den Umschlag von jährlich rund 850.000 Standardcontainern sein. Am Standort werden sechs Krananlagen, zwölf Ganzzuggleise, mehrere Schiffsanleger und ein Warenhaus errichtet. Der Endausbau ist für das Jahr 2026 geplant, die Investitionen belaufen sich auf insgesamt 100 Millionen Euro. Der Bund hat Fördergelder in Höhe von 13 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Naturnah gestalten

In Gewerbegebieten gibt es viele Möglichkeiten, Natur und Wirtschaft miteinander zu verbinden. Freiflächen, Dächer und sogar befestigte Bereiche lassen sich so gestalten, dass sie Lebensräume für Pflanzen, Insekten und andere Tiere schaffen. Mit solchen Maßnahmen können Unternehmen die biologische Vielfalt an ihrem Standort fördern und einen aktiven Beitrag zum Naturschutz leisten. Gleichzeitig entstehen attraktive Außenbereiche, die Mitarbeitende für Pausen, Erholung oder Begegnungen nutzen können. Naturnah gestaltete Flächen verbessern zudem das Erscheinungsbild des Unternehmensstandorts und können zu einem angenehmen Arbeitsumfeld beitragen.
Mögliche Maßnahmen
  • Anlegen von Gründächern
Für Flachdächer und flach geneigte Dächer mit bis zu zehn Grad Dachneigung. Eine stärkere Neigung erfordert eine entsprechende Schubsicherung. Das Dach sollte bei einer extensiven Begrünung eine Zusatzlast von mindestens 30 kg / m² tragen können.
Grundsätzlich unterscheidet man extensive und intensive Dachbegrünungen. Bei extensiv genutzten Gründächern werden Pflanzen verwendet, die standhaft gegenüber extremen Klimabedingungen, wie Hitze, Trockenheit und Kälte sind. Dadurch sind sie in der Regel mit keinem großen Pflegeaufwand verbunden. Im Vergleich zur intensiven Dachbegrünung wird eine dünnere Substratschicht verwendet. Dies ermöglicht oftmals auch eine nachträgliche Installierung auf bestehenden Gebäuden. Intensive Dachbegrünungen ermöglichen aufgrund des höheren Substratauftrages eine größere Pflanzenauswahl, sind aber statisch ungünstiger und kostenaufwendiger.
In Trockenperioden kann eine Wasserversorgung notwendig sein. Die Kosten betragen ab 20,- je m² begrünter Dachfläche. Im Jahr sind ein bis zwei Mahdgänge erforderlich.

  • Blüh- bzw. Blumenwiesen
In Gewerbegebieten sind nach den planungsrechtlichen Vorschriften bestimmte Freiflächenanteile zu erhalten, die oftmals nur mit einfachen Rasenflächen angelegt werden. Solche Flächen sind nicht nur pflegeintensiv, sondern bieten auch nur eine geringe biologische Vielfalt. Sinnvoller ist die Anlage von Blühstreifen oder Blumenwiesen, die als Lebensraum für insbesondere Insekten- und Kleintierarten fungieren und einen Beitrag zur biologischen Vielfalt leisten. Neben den ökologischen Vorteilen und der Ästhetik reduzieren sich auch die Aufwendungen für Wässerung und Mäharbeiten. Die Kosten für Bodenvorbereitung und Einsaat liegen bei etwa 15,- € je m² Fläche.

  • Entsiegelung von befestigten Flächen
Auf Gewerbegrundstücken, bei denen kein belastetes Niederschlagswasser anfällt, bietet sich die Verwendung von wasserdurchlässigem Pflaster, Rasengittersteinen oder wassergebundener Wegedecken an. Insbesondere Stellplatzflächen können auf diese Weise durchlässig gestaltet werden. Hierdurch wird ein Beitrag zur Verbesserung des Kleinklimas geleistet und gleichzeitig das Kanalsystem entlastet. Die Investitionskosten sind teilweise geringer als bei herkömmlicher Flächenversiegelung.

  • Nistkästen
Mit der Aufstellung von Nistkästen werden Rückzugs-, Überwinterungs- und Nisträume für Vögel geschaffen. Die Nistkästen sichern das Überleben, da viele Vögel häufig keine passenden Quartiere finden.

  • Trockenmauern
Trockenmauern werden durch das lose Aufeinanderstapeln von größeren Steinen hergestellt. Auf diese Weise entstehen in den Hohlräumen Nischen für Tier-, Insekten- und Pflanzenarten, die Schutz bieten.

  • Insektenfreundliche Außenbeleuchtung
Außenbeleuchtungen auf Firmengeländen beeinträchtigen aufgrund der Helligkeit und ihres spezifischen Lichtspektrums häufig den Lebensrhythmus von Insekten. Neben einer optimierten Planung der Lichtpunkte und Beleuchtungsdauer können insektenfreundliche LED-Leuchten mit warmweißen Licht verwendet werden.
Vorteile
  • Anrechnung von Naturschutzmaßnahmen für den im Rahmen der Planung zu erbringenden ökologischen Ausgleich.
  • Einbringen überschüssiger Ökopunkte in ein Ökokonto.
  • Verbesserung des Kleinklimas durch Entsiegelungsmaßnahmen.
  • Verringerung des Pflegeaufwandes von Freiflächen.
  • Attraktivitätssteigerung für Kunden und Mitarbeiter.
  • Imagegewinn.
Informationen
Was muss beachtet werden?
Wenn Unternehmen ihre Flächen naturnah gestalten, können sie die ökologische Qualität ihres Standorts verbessern. Diese Aufwertung kann unter bestimmten Voraussetzungen als sogenannte Ökopunkte anerkannt und auf einem Ökokonto gutgeschrieben werden.
Deshalb empfiehlt es sich, den Zustand der Fläche vor und nach den Maßnahmen gemeinsam mit der zuständigen Naturschutzbehörde zu dokumentieren. Die gesammelten Ökopunkte können später genutzt werden, wenn bei Bauvorhaben Ausgleichs- oder Ersatzmaßnahmen erforderlich werden.
Bei der Planung sollte jedoch auch die zukünftige Nutzung der Fläche berücksichtigt werden. Wird eine ökologisch aufgewertete Fläche später wieder bebaut, kann ein höherer Ausgleichsbedarf entstehen. Um dieses Risiko zu vermeiden, kann der zusätzliche ökologische Wert bereits im Vorfeld als „Natur auf Zeit“ anerkannt werden. So bleiben die Flächen flexibel nutzbar und leisten gleichzeitig einen Beitrag zum Naturschutz.

Projektbeispiel: MERA Tiernahrung GmbH, Kevelaer
Nachhaltiges Wirtschaften gehört zur Unternehmensphilosophie der MERA GmbH. Mit einem innovativen Energiemanagement und Anlagen zur Vermeidung von Treibhausgas-Emissionen wird am Standort Kevelaer seit 2020 klimaneutral produziert. Verbleibende Emissionen werden im Rahmen von Klimaschutzprojekten ausgeglichen.
In der Produktion setzt das Unternehmen auf Strom aus erneuerbaren Energien, für Produktverpackungen werden nach Möglichkeit recyclebare Materialien verwendet. Aber auch im Bereich der Außenanlagen setzt MERA das Nachhaltigkeitskonzept um. Ein an die Produktion angeschlossenes Biobeet erzeugt aus Produktionsabfällen neue Energie. Ferner hat das Unternehmen eine Blühpatenschaft für eine 1.100 m² große Wildblumenwiese in der unmittelbaren Nähe des Betriebes übernommen. Hiervon profitieren auch Bienenvölker, die auf einem Teil der betriebseigenen Freiflächen angesiedelt wurden. Aus den Reihen der Mitarbeitenden hat sich 2021 eine Bienen-AG gebildet, die sich unter Anleitung eines Imkers um die Bienenvölker kümmert und den produzierten Honig erntet.
Durch die umgesetzten Maßnahmen hat der TÜV Rheinland die MERA GmbH als erstes Unternehmen der Tiernahrungsbranche nach dem ZNU-Standard “Nachhaltiger Wirtschaften” zertifiziert.
Alle Nachhaltigkeitsmaßnahmen der MERA GmbH sind über folgenden Link einsehbar:

Ladesäulen installieren

Elektromobilität gewinnt für Unternehmen und Beschäftigte zunehmend an Bedeutung. Immer mehr Menschen nutzen Elektroautos oder Pedelecs für ihren Arbeitsweg, und auch Unternehmen stellen ihre Fahrzeugflotten schrittweise auf alternative Antriebe um. Mit eigenen Ladestationen auf dem Firmengelände können Unternehmen diesen Wandel aktiv unterstützen. Die Ladeinfrastruktur versorgt Dienstfahrzeuge zuverlässig mit Strom und bietet Mitarbeitenden die Möglichkeit, ihre Fahrzeuge während der Arbeitszeit aufzuladen. Dadurch entstehen Anreize für eine klimafreundliche Mobilität. Gleichzeitig steigern Unternehmen die Attraktivität ihres Standorts und leisten einen Beitrag zur Reduzierung von CO₂-Emissionen.
Vorteile
  • Kosteneinsparung in der Fahrzeugflotte bei Nutzung selbst erzeugten Stroms aus Photovoltaikanlagen, Windkraft oder BHKW.
  • Dienst- oder Mitarbeiterfahrzeuge können während der Arbeitszeit aufgeladen werden.
  • Schaffung von Anreizen für Angestellte.
  • Imagegewinn
Kosten
  • Wallbox: ca. 800,- € bis 2.000,- € je Einheit
  • AC-Ladesäule (Wechselstrom): ca. 2.000,- € bis 5.000,- € je Einheit.
  • DC-Schnellladesäule (Gleichstrom): ca. 40.000,- € bis zu 130.000,- € je Einheit.
Informationen / Fördermöglichkeiten

Projektbeispiel: Cubes Büroflächenvermietung Wesel
Im Gewerbegebiet Rudolf-Diesel-Straße und am Lippeglacis in Wesel wurden in den letzten Jahren moderne Bürogebäudekomplexe gebaut, in dem Büroräume und Co-Working-Spaces gemietet werden können. Das Angebot umfasst zentrale Empfangs- und Serviceleistungen als auch hauseigenes Catering, Ruhezonen und kostenlose Parkmöglichkeiten.
Der Betreiber hat von Anfang an die Elektromobilität mitgedacht und für einige Stellplätze Ladesäulen vorgesehen, die Besucher beziehungsweise Mieter nutzen können. Das Angebot wird honoriert – im Schnitt sind die Ladesäulen täglich zu 50% ausgelastet. Für die Mieter der Büroräumlichkeiten ein guter Anreiz, denn so können die Fahrzeuge während der Bürozeiten bequem geladen werden. Nach den Bürozeiten stehen die Säulen an der Rudolf-Diesel-Straße im Sinne des Dual-Use-Prinzips auch der Öffentlichkeit für das angrenzende Restaurant zur Verfügung. Für den Betreiber sind die Ladesäulen neben dem Aspekt der Mieterbindung auch ein Imagefaktor, der zum Erfolg des Cubes-Projektes beiträgt.

Elektrofahrzeuge einsetzen

Elektrofahrzeuge spielen eine wichtige Rolle auf dem Weg zu einer klimafreundlicheren Mobilität. Besonders in Verbindung mit Strom aus erneuerbaren Energien können sie dazu beitragen, CO₂-Emissionen zu reduzieren.
Sowohl bei Autos als auch bei Fahrrädern mit elektrischer Unterstützung steigt die Nachfrage seit Jahren. Viele Nutzer entscheiden sich für Elektromobilität, weil sie Betriebskosten senken und gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz leisten möchten.
Auch für Unternehmen wird das Thema immer wichtiger. Elektrisch betriebene Pkw eignen sich bereits heute für viele Einsatzzwecke im betrieblichen Alltag. Daher prüfen zahlreiche Unternehmen, wie sie ihre Fahrzeugflotten schrittweise umstellen können.
Im Güterverkehr steht die Entwicklung noch am Anfang. Der Einsatz von Elektro-Lkw nimmt jedoch zu, und Hersteller bringen zunehmend neue Modelle auf den Markt. Mit dem weiteren Ausbau der Ladeinfrastruktur und der Weiterentwicklung der Batterietechnologie werden sich künftig zusätzliche Einsatzmöglichkeiten für Unternehmen ergeben.
Vorteile
  • Kosteneinsparung in der Fahrzeugflotte gegenüber herkömmlichen Treibstoffen, insbesondere bei Nutzung selbst erzeugten Stroms aus Photovoltaikanlagen, Windkraft oder BHKW.
  • Bereitstellung von Elektrofahrzeugen für Angestellte dient der Personalbindung.
  • Imagegewinn.
Nachteile
  • Im LKW-Sektor noch keine hinreichende Batteriekapazität.
  • Ladeinfrastruktur noch unzureichend.
  • Hoher Kostenfaktor bei Umstellung der Fahrzeugflotte.
Informationen/Fördermöglichkeiten

Projektbeispiel: Stoffmehl Mineralölhandel, Geldern
Die Firma Stoffmehl liefert Mineralöl an private Endkunden und die Industrie am Niederrhein. Das Unternehmen verfügt am Standort Geldern über eine Fahrzeugflotte mit drei Tanksattelzügen und zwölf Tank-LKW. Um Betriebskosten einzusparen und einen Beitrag zur Klimaneutralität zu leisten, wird die LKW-Flotte in diesem Jahr umgestellt. Mangels derzeit noch nicht verfügbarer vollelektrischer Fahrzeuge hat man sich für eine Art Hybrid-Lösung entschieden, bei der die Fahrmotoren mit neuester Dieseltechnologie angetrieben werden, die Pumpenanlagen der Tankfahrzeuge jedoch elektrisch. Hierzu rüstet ein auf Tankfahrzeuge spezialisierter Hersteller aus Kassel die Pumpenanlagen der Fahrzeuge auf Batteriebetrieb um.
Während des vergleichsweise langen Pumpvorgangs können auf diese Weise etwa 40 % der CO2-Emissionen gegenüber einem herkömmlichen dieselbetriebenen Pumpenantrieb eingespart werden. Für die Endkunden ergibt sich durch die neue Technik ein weiterer Vorteil: Der gesamte Betankungsvorgang verläuft nahezu geräuschlos, da der Dieselmotor ausgeschaltet bleibt.
Zusammen mit der auf dem Betriebsgelände notwendigen Ladeinfrastruktur wird die Stoffmehl GmbH Gesamtinvestitionen von ca. 2,5 Mio Euro für die Umstellung der LKW-Flotte vornehmen. Das Unternehmen hat sich im Jahr 2021 den individuellen CO2-Fußabdruck berechnen lassen. Dabei wurde ein Einsparpotential von 122 Tonnen CO2 bis zum Jahr 2025 berechnet. Mit den vorgenannten Maßnahmen wird dieses Ziel um ein Vielfaches übertroffen. Insofern ist die Investition für das nur regional tätige Unternehmen ein bedeutender und imageträchtiger Schritt für die Zukunft.

Photovoltaikanlagen bauen

Für viele Unternehmen gehören die Energiekosten zu den wichtigen laufenden Ausgaben. Deshalb lohnt es sich, den Energieverbrauch zu optimieren und eigene Energiequellen zu nutzen.
Photovoltaikanlagen bieten dafür eine attraktive Möglichkeit. Die großen Dachflächen von Gewerbe- und Lagerhallen eignen sich häufig sehr gut für die Erzeugung von Solarstrom. Unternehmen können den erzeugten Strom direkt für ihren Betrieb nutzen und so ihre Stromkosten reduzieren.
Wird mehr Strom produziert als benötigt, kann der Überschuss in das öffentliche Stromnetz eingespeist werden. Dadurch entstehen zusätzliche Einnahmemöglichkeiten.
Neben den wirtschaftlichen Vorteilen leisten Photovoltaikanlagen auch einen wichtigen Beitrag zur Energiewende und zum Klimaschutz. Sie erzeugen Strom aus Sonnenenergie und helfen dabei, den Einsatz fossiler Energieträger zu verringern.
Schritte zur eigenen PV-Anlage
1. Berechnung des Strombedarfs
Mittels einer sogenannten Lastganganalyse kann ermittelt werden, wie hoch die benötigte Stromleistung am Tag und über das Jahr verteilt ist. Hieraus ergibt sich die rechnerische Größe der PV-Anlage. Am wirtschaftlichsten ist erfahrungsgemäß die Nutzung des gesamten erzeugten Solarstroms für den eigenen Verbrauch.
2. Eignung des Gebäudes zur Installation einer PV-Anlage
Von einem Statiker sollte überprüft werden, ob Dächer bzw. Fassadenteile geeignet sind, die zusätzliche Last für die Solarmodule zu tragen. Die Dacheindeckung sollte eine längere Lebensdauer aufweisen als die Photovoltaikanlage, die mindestens 20 Jahre laufen sollte. Ferner ist auch wichtig zu prüfen, ob der Standort eine ausreichend intensive Sonneneinstrahlung bietet. Eine erste grobe Einschätzung hierzu bieten das Solarkataster auf NRW-Ebene oder das Solardachkataster für die Metropolregion Ruhr.
3. Baugenehmigung
In Nordrhein-Westfalen ist für PV-Anlagen auf Dächern oder an Fassaden keine Baugenehmigung erforderlich. Sofern denkmalschutzrechtliche Aspekte zu beachten sind, ist eine Rücksprache mit dem örtlichen Bauamt zweckmäßig. Photovoltaikanlagen auf Freiflächen hingegen sind eine eigenständige Kategorie, für die eine Genehmigungspflicht gilt und für die in der Regel auch planungsrechtliche Voraussetzungen (Bebauungsplan) geschaffen werden müssen.
4. Kosten und Fördermöglichkeiten
Die Kosten für eine PV-Anlage sind sehr individuell, so dass an dieser Stelle keine grundsätzlich gültigen Werte genannt werden können. Über ein Infoportal des Landes NRW gibt es aber hilfreiche Informationen, mit denen erste überschlägige Berechnungen durchgeführt werden können. Grundsätzlich gibt es auch über die KfW-Bank Fördermöglichkeiten für Unternehmen, die in Photovoltaikanlagen investieren möchten.
Mehrwert für das Unternehmen / den Standort
  • Einsparung von Stromkosten
  • Unabhängigkeit vom Stromnetz
  • Verbesserung der CO2-Bilanz durch umweltfreundlichen Strom
  • Marketingaspekte
Informationen

Projektbeispiel: Holemans GmbH – Floating-PV-Anlage auf dem Ellerdonksee in Wesel
Die Holemans GmbH gewinnt an verschiedenen Standorten am unteren Niederrhein Kies und Sand. Im Bereich der Abgrabung auf dem Ellerdonksee in Wesel-Bislich ist eine schwimmende Photovoltaik-Anlage installiert worden, die den Eigenverbrauch an Strom im Kieswerk zu 60 % übernehmen kann. Hierzu sind insgesamt 10.400 PV-Module mit einer Gesamtfläche von 3,13 ha auf einer Wasserfläche im nördlichen Teil des Sees montiert worden. Die Anlage hat eine installierte Leistung von 5,6 Megawatt und soll Strom für umgerechnet 2.000 Haushalte produzieren (rund 5 Mio. kWh pro Jahr). Sie ist damit derzeit NRWs größte schwimmende PV-Anlage. Während der Betriebszeiten wird der grüne Strom zum Betrieb der Kiesgewinnung und Aufbereitung eingesetzt. Überschüssiger Strom – vor allem außerhalb der Betriebszeiten – wird in das öffentliche Netz eingespeist. Neben der Stromversorgung für den Eigenbedarf bewirkt die Anlage eine jährliche CO2-Einsparung von etwa 2.000 Tonnen und trägt dazu bei, den Einsatz von Primärenergie und deren Transport zu verringern.
Die Genehmigung für das Bauvorhaben liegt seit Ende 2022 vor und ist (derzeit) befristet bis zur Beendigung der betrieblichen Arbeiten am Kieswerk Ellerdonk. Nach derzeitiger Genehmigungslage müsste die gesamte Photovoltaikanlage nach Betriebsende zurückgebaut werden. Hier erhoffen sich die Betreiber und die beteiligten Kommunen eine politische Lösung zu einem dauerhaften Betrieb auch über das Abgrabungsende hinaus.
Die Montage der Module erfolgte mittels Verankerungen am Seegrund und vollständig außerhalb bereits rekultivierter Bereiche. Die Verträglichkeit der Anlage in Bezug zu Flora, Fauna und Gewässerökologie wird über ein intensives Monitoring begleitet. Erste Studien zu vergleichbaren Anlagen zeigen, dass Auswirkungen auf Zugvögel, Fledermäuse, den Fischbestand und die Unterwasservegetation nicht zu befürchten sind.

Wärme nutzen

In vielen Gewerbe- und Industriebetrieben entsteht bei Produktionsprozessen Wärme. Diese sogenannte Abwärme kann im Unternehmen weiterverwendet werden, beispielsweise für die Beheizung von Gebäuden oder einzelnen Betriebsbereichen.
Besonders effektiv ist die Kombination verschiedener Technologien. Dazu gehören etwa Solarthermieanlagen, Wärmespeicher, Blockheizkraftwerke und Wärmepumpen. Durch das Zusammenspiel dieser Systeme lässt sich die erzeugte Wärme bedarfsgerecht nutzen und zwischenspeichern.
Unternehmen können so ihren Energieverbrauch reduzieren, die vorhandenen Ressourcen effizienter nutzen und ihre Heizkosten deutlich senken. Je nach Ausgangssituation sind Einsparungen von bis zu 20 bis 30 Prozent möglich.
Mehrwert für das Unternehmen / den Standort
  • Einsparung von Heiz- und Stromkosten
  • Unabhängigkeit vom Strom- und Wärmenetz
  • Verbesserung der CO2-Bilanz
  • Marketingaspekte
Informationen

Projektbeispiel: Wärmerückgewinnung bei Lidl in Voerde
Der Lebensmitteleinzelhändler Lidl will bei seinen Betriebsstätten Vorbild sein und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Dazu gehört, beim Filialneubau Energie effizient zu nutzen und auf erneuerbare Energiequellen zurückzugreifen. Dadurch sollen betriebsbedingte Treibhausgasemissionen bis 2030 im Vergleich zu 2019 um knapp 80 Prozent reduziert werden.
Um dieses Ziel zu erreichen, stattet der Discounter seit mehreren Jahren seine Neubauimmobilien mit Photovoltaikanlagen aus, um auf diese Weise einen Teil des elektrischen Energiebedarfes vor Ort zu produzieren – so auch in der neuen Lidl-Filiale in Voerde. Die auf diese Weise gewonnene Energie kommt unter anderem für die benötigte elektrische Energie zum Heizen und Kühlen der Anlagentechnik zum Einsatz.
Darüber hinaus nutzt Lidl in seiner Voerder Filiale für die Raumluftkonditionierung mit Kälte und Wärme effiziente Wärmepumpen, die die Abwärme der Kühlmöbel als Energie für die Raumtemperierung nutzen. Dadurch benötigt die Lidl-Filiale keine fossilen Energieträger wie Öl und Gas, um Wärme für die Raumbeheizung zu erzeugen. Das Prinzip der Wärmerückgewinnung kommt auch im zentralen Lüftungsgerät zum Einsatz. Hierbei wird die warme Raumabluft über einen Wärmetauscher an der kälteren Frischluft vorbeigeführt und diese somit energiesparend auf die benötigte Temperatur gebracht.
Ergänzt wird die Wärmenutzung durch eine energetisch effiziente Dämmung der Gebäudehülle. Die beschriebenen Maßnahmen ermöglichen eine hohe Energieeffizienz der Filiale und leisten einen großen Beitrag zur Reduzierung von CO2-Emissionen.

Regenwasser naturnah bewirtschaften

Regenwasser muss nicht immer über die Kanalisation abgeleitet werden. Ist das Wasser von Dachflächen oder befestigten Bereichen unbelastet, kann es häufig direkt auf dem Grundstück versickern oder in ein nahegelegenes Gewässer eingeleitet werden. Dennoch wird in vielen Gewerbegebieten noch ein großer Teil des Regenwassers in das Kanalsystem geleitet. Das verursacht zusätzliche Abwassergebühren und kann die Kanalisation bei Starkregen unnötig belasten.
Bereits bei der Planung neuer Gewerbegebiete oder Unternehmensstandorte lohnt es sich daher, eine naturnahe Regenwasserbewirtschaftung zu berücksichtigen. Regenwasser kann beispielsweise über Mulden oder Rigolen gesammelt und kontrolliert in den Boden geleitet werden. Das entlastet die Kanalisation, reduziert Kosten und unterstützt einen nachhaltigen Umgang mit der Ressource Wasser. Gleichzeitig kann das Risiko von Überlastungen bei Starkregenereignissen verringert werden.
Gegebenenfalls leicht verunreinigtes Niederschlagswasser, z.B. von den Straßenflächen, muss vorab einer naturnahen Vorbehandlung unterzogen werden. Hierfür eignen sich bepflanzte Bodenfilter, die eine Filterung des durchströmenden Wassers bewirken, bevor es dann in den Untergrund versickert wird.
Mehrwert für das Unternehmen
  • Einsparung Kanalanschlussbeiträge und Abwassergebühren
  • Verbesserung des Mikroklimas
  • Geringere Unterhaltungs- und Pflegekosten als sonstige Freiflächen
  • Gestalterische Aufwertung des Firmengrundstückes
  • Imagegewinn
Informationen

Projektbeispiel: Gewerbegebiet Emmerich Ost IV
Das Gewerbegebiet Ost IV in Emmerich wurde nach dem Prinzip der naturnahen Regenwasserbewirtschaftung geplant. Sämtliches Niederschlagswasser wird im Gebiet selbst versickert, auf einen Regenwasserkanal konnte verzichtet werden. Das auf den öffentlichen Verkehrsflächen anfallende Wasser wird straßenbegleitend über Bodenfilter vorgereinigt.
Die Firmen im Gebiet, u.a. ein großes Logistikunternehmen, leiten das Regenwasser von Dach- und Freiflächen in Retentionsflächen auf den eigenen Grundstücken.

Gewerbe stapeln

Gewerbe- und Industrieflächen werden zunehmend knapper. Deshalb lohnt es sich für Unternehmen, vorhandene Flächen möglichst effizient zu nutzen. Früher waren mehrgeschossige Produktionsgebäude in vielen Branchen selbstverständlich. Heute werden mehrere Etagen vor allem für Bürogebäude oder Parkhäuser genutzt. Doch auch für moderne Gewerbe- und Industrieunternehmen kann das Bauen in die Höhe eine interessante Lösung sein.
Unternehmen mit Erweiterungsbedarf können zusätzliche Flächen schaffen, ohne ihr Firmengelände vergrößern zu müssen. Gleichzeitig lassen sich bei Neubauprojekten wertvolle Grundstücksflächen einsparen und für andere Nutzungen freihalten.
Eine flächensparende Bauweise unterstützt damit nicht nur das Unternehmenswachstum, sondern trägt auch dazu bei, den Verbrauch neuer Flächen zu reduzieren.
Anwendungsfälle
Handwerk und kleinere Gewerbebetriebe
Handwerkerhöfe sind ein gutes Beispiel für das Stapeln kleiner Einheiten in innerstädtischen Lagen. Geringe Anforderungen an Statik und Verkehrs- bzw. Bewegungsflächen erlauben eine gute Integration entsprechender Standorte in die bauliche Umgebung. Mit dem im Planungsrecht verankerten „Urbanen Gebiet“ sind auch die immissionsschutzrechtlichen Anforderungen in einem Umfeld mit verschiedenen Nutzungsansprüchen lösbar.
Produktionsbetriebe
Produzierende Betriebe haben bei Erweiterungsabsichten häufig nur wenige bis keine Erweiterungsmöglichkeiten auf dem ursprünglichen Betriebsgrundstück. Die einzige Möglichkeit besteht in der vertikalen Anordnung von Betriebsprozessen, wobei häufig Büroflächen oberhalb der Produktionsebenen in den Erdgeschossen angeordnet werden. Diese bauliche Ausprägung stellt jedoch keine besondere Innovation dar, sondern ist vielmehr gelebte Praxis in vielen Gewerbegebieten.
Mehrgeschossige Logistik
Der Niederrhein ist aufgrund seiner Verkehrsgunst eine Logistikregion. In den letzten Jahren wurden in verstärktem Maße Flächen für Logistikansiedlungen nachgefragt. Wegen der Zunahme des Online-Handels werden aber nicht nur weiterhin Logistikzentren benötigt, auch in den Innenstädten sind Flächen für die Verteilung von Gütern und Produkten auf der „letzten Meile“ notwendig. Da gerade dort die Flächenangebote beschränkt sind, müssen innovative Lösungen für mehrgeschossige Logistikgebäude gefunden werden. Wegen der besonderen statischen Herausforderungen und der entsprechend technisch aufwendigen Planung mit Rampen und Lastenaufzügen, gibt es bislang in Deutschland nur wenige gestapelte Logistikimmobilien.
Mehrwert für das Unternehmen / den Standort
  • Betriebliche Erweiterungsmöglichkeiten am bisherigen Standort.
  • Kosteneinsparung durch geringen Flächenverbrauch.
  • Vermeidung einer Standortverlagerung. Bindung der Mitarbeiter an den Standort.
  • Kleinere Einheiten in Kundennähe für Last-Mile-Delivery möglich.
  • Positive Außendarstellung.
Hinweise
  • Komplexere Planungs- und Genehmigungsprozesse notwendig.
  • Klärung der zulässigen Geschoss- und Gebäudehöhen im Bebauungsplan.
  • Berücksichtigung notwendiger Abstände zu benachbarter Bebauung.
  • Besondere Anforderungen an Baugrund und Gebäudestatik.
  • Prüfung der Brandschutzvorkehrungen.
Informationen

Projektbeispiel: Garbe Industrial Cube
Das Hamburger Logistikunternehmen Garbe hat einen innovativen Gebäudetyp entwickelt, der die Funktionen Logistik und Gewerbe in einem Baukörper vereint. Über der Logistikhalle gibt es Hallenflächen mit niedrigeren Deckenhöhen und Deckenlasten für gewerbliche Unternehmen. Da diese meist deutlich niedrigere Anliefer- und Abholungsfrequenzen bei gleichzeitig meist kleineren Sendungsgrößen haben, können Aufzüge eingesetzt werden, um die oberen Geschosse zu erreichen. Die mindestens 5.000 m² große Grundfläche eines Cube kann je nach Nachfrage in je 250 m² große Einheiten aufgeteilt werden.
Die Vorteile liegen auf der Hand: Reduzierte Investitionskosten durch eine intensive Nutzung des Grundstücksquadratmeters, niedrigere Fahrzeugfrequenzen und eine höhere Dichte an Arbeitsplätzen mit entsprechendem Gewerbesteueraufkommen. Die ansprechende Architektur ist für Mieter repräsentativ und kann ein Aushängeschild für das Gewerbegebiet und dessen Umgebung sein. Dies ist ein wichtiger Aspekt, da Logistikansiedlungen nicht immer auf Akzeptanz stoßen.

Alternative Kraftstoffe verwenden

Alternative Kraftstoffe können helfen, den Verkehr klimafreundlicher zu gestalten. Sie ersetzen oder ergänzen herkömmliche Kraftstoffe wie Benzin und Diesel und tragen dazu bei, Treibhausgasemissionen zu senken.
Zu den alternativen Kraftstoffen zählen unter anderem Wasserstoff, Biokraftstoffe sowie synthetische Kraftstoffe, die aus erneuerbaren Energien hergestellt werden. Sie eignen sich besonders für Anwendungen, bei denen elektrische Antriebe an ihre Grenzen stoßen. Das gilt vor allem für den Güterverkehr, die Schifffahrt und den Luftverkehr. In diesen Bereichen sind hohe Reichweiten und große Energiemengen gefragt. Alternative Kraftstoffe können hier eine wichtige Ergänzung zur Elektromobilität sein.
Für Unternehmen bieten sie die Möglichkeit, den eigenen Fuhrpark schrittweise klimafreundlicher aufzustellen und gleichzeitig bestehende Mobilitätslösungen weiter zu nutzen. Mit der Weiterentwicklung der Technologien und dem Ausbau der Produktionskapazitäten gewinnen alternative Kraftstoffe zunehmend an Bedeutung.
E-Fuels (synthetische Kraftstoffe)
  • In einem chemischen Prozess aus CO₂ und Wasserstoff hergestellt.
  • Benötigen Strom für den Syntheseprozess.
Biokraftstoffe
  • Bioethanol: Aus Zuckerrohr, Mais oder Getreide gewonnen. Wird oft Benzin beigemischt (Benzin E5/E10).
  • Biodiesel: Aus Pflanzenölen oder Altspeiseölen hergestellt. Kann Diesel ersetzen. (Diesel mit Bioanteil B7/B10, paraffinischer Diesel HVO100/XTL)
Zwar sind die Herstellungsverfahren für strombasierte Kraftstoffe und fortschrittliche Biokraftstoffe grundsätzlich technisch erprobt, allerdings erfolgt zumeist noch keine großtechnische Herstellung. Deshalb sind sie noch nicht in großem Umfang im Markt verfügbar und derzeit noch vergleichsweise teuer. Bei strombasierten Kraftstoffen besteht zudem die Herausforderung, dass für ihre Herstellung ausreichende Mengen erneuerbaren Stroms und nachhaltige CO2-Quellen bereitstehen müssen.
Vorteile
  • Reduzierung der Treibhausgasemissionen. Biokraftstoffe sind CO2-neutral
  • Gewinnung aus regionalen oder erneuerbaren Quellen
  • Ohne technische Umrüstung realisierbar
  • Tankstelleninfrastruktur grundsätzlich vorhanden
  • Imagegewinn

Nachteile
  • Geringfügig höhere Verbräuche
  • Bereitstellung der Kraftstoffe noch nicht flächendeckend möglich
  • E-Fuels noch teuer und energieaufwendig
  • Flächeninanspruchnahme durch die Herstellung von Biokraftstoffen
Informationen

Projektbeispiel: Schlabbers Entsorgungsdienstleistungen, Kevelaer
Die Firma Schlabbers aus Kevelaer bietet Dienstleistungen rund um das Thema Entsorgung und Baustoffrecycling an. Dazu gehört auch ein Containerdienst. Die Fahrzeugflotte besteht aus insgesamt 14 LKW und 14 weiteren Baumaschinen, von denen ein Großteil künftig mit HVO100 Diesel betankt werden soll. Dieser Dieselkraftstoff wird aus Altspeiseöl und Pflanzenöl in einem speziellen chemischen Verfahren hergestellt (Hydrotreated Vegetable Oil) und ist besonders klimafreundlich.
Zunächst soll in einer einjährigen Testphase mit einem LKW herausgefunden werden, ob der Einsatz dieses Kraftstoffes im Alltagsbetrieb funktioniert. Das Pilotprojekt wird aber nicht von der Firma Schlabbers alleine durchgeführt. Auch der Nutzfahrzeughändler Mercedes Herbrand sowie die Janssen Mineralöle GmbH aus Kevelaer sind beteiligt. Ersterer für die fahrzeugtechnische Begleitung und die Firma Janssen für die Bereitstellung des Kraftstoffs über eine eigene Tankstelle auf dem Betriebsgelände des Containerdienstes.
Die Nutzung des alternativen Kraftstoffes scheint problemlos zu funktionieren – eine Umrüstung des Versuchsfahrzeugs war für die Testphase nicht notwendig. Es soll aber geprüft werden, wie sich der Einsatz auf Verbrauch und Verschleiß des Motors auswirkt. Das Pilotprojekt kann somit sinnvolle Erkenntnisse zur Alltagstauglichkeit alternativer Kraftstoffe im Schwerlastverkehr liefern.
Auch wenn der Einsatz des innovativen Kraftstoffs derzeit noch keine Kostenvorteile bietet und vermutlich etwas höhere Verbräuche mit sich bringt, ist man von dessen Verwendung aus mehreren Gründen überzeugt. HVO100 stößt bis zu 90 % weniger CO2 aus. Zudem ist die Verbrennung deutlich sauberer als bei herkömmlichem Diesel und nahezu geruchslos. Auch ist dieser Diesel wintertauglich, da er bei tiefen Minusgraden flüssig bleibt.
Für die Firmenchefs ist die Verwendung des klimafreundlichen Diesels für ihr Unternehmen, das sich dem Recycling und der Ressourcenschonung verschrieben hat, nur konsequent. Auch die Kundschaft weiß das zu honorieren.