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Gemeinsam stärker – auch bei Gegenwind
Die Bedingungen für die Wirtschaft bleiben schwierig. Alleine auf Besserung zu hoffen, ist keine Lösung.
Die Wirtschaft steht unter Druck: Unsichere Märkte, der rasante digitale Wandel, der Ruf nach mehr Nachhaltigkeit – und zunehmend auch Fragen nach der Sicherheits- und Krisenvorsorge. Die Liste der Aufgaben wächst. Jetzt kommt es darauf an, sie gemeinsam anzugehen. Dabei sind die Prioritäten von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich. Patentlösungen gibt es nicht. Allen Themen gemeinsam ist, dass starke Netzwerke und Kooperationen dabei helfen, die Anforderungen zu bewältigen.
Zum Beispiel grüne Transformation. Laut einer Studie der Unternehmensberatung PWC aus dem Jahr 2025 sind sich 60 Prozent der Unternehmen bewusst, dass sie diese Herausforderung in den kommenden Jahren meistern müssen. Allerdings heißt es laut der Studie gerade bei vielen: reagieren statt agieren. Grund ist die vorherrschende Wirtschaftskrise.
Zweites Beispiel: Das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln hat in einer aktuellen Untersuchung gezeigt, wie Unternehmen die wirtschaftliche Basis im Krisenfall sichern. Zurzeit haben rund ein Viertel der Betriebe Notfallpläne für eingeschränkt nutzbare Infrastruktur, weikomtere 17 Prozent planen dies. Ein Grund mag laut Studie sein, dass der Umgang mit Mängeln bei der Infrastruktur schon jetzt für Unternehmen zum Alltag gehört.
Womit wir bei der Politik wären. Die Forderungen der Wirtschaft nach mehr Tempo bei der Umsetzung von Reformen sind laut. Dr. Stefan Dietzfelbinger, Hauptgeschäftsführer der Niederrheinischen IHK, ordnet die Lage ein (S. 24). Außerdem richtet sich der Blick in die Region. Drei Betriebe zeigen, wie sie mit dem notwendigen Wandel umgehen. Im Interview: Arndt Wilms vom Port Emmerich (S. 18), Helmut Krebber vom Medizinproduktegroßhandel Megro (S. 20) und Michael Schiffer von der Agentur Michael Schiffer Dialog (S. 16). Dabei immer im Fokus: starke Netzwerke.
Immer wieder neu erfinden
Die Michael Schiffer Dialog GmbH lebt den Wandel. Anders hätte der Rheinberger Familienbetrieb es auch nicht auf eine mittlerweile einhundertjährige Geschichte gebracht.
Was es heißt, sich immer wieder zu verändern, weiß Geschäftsführer Michael Schiffer schon aus der eigenen Familiengeschichte. Einst eine klassische Druckerei, ist sein Unternehmen heute auf hochgradig individualisierte Mailings, Briefe und Spezialdokumente für Wahlen, Krankenkassen, Berufsgenossenschaften und Banken spezialisiert.
„Mein Urgroßvater Michael hat die Druckerei gegründet. Mein Großvater Karl hatte extreme Schwierigkeiten mit den Nazis und auch nach dem Krieg viel Mühe, sich zu etablieren“, erzählt er. Sein Vater Karlmichael baute das Unternehmen zu einem Industriebetrieb aus und zog mit der Druckerei ins Gewerbegebiet in Rheinberg. Als Michael Schiffer 2001 dazukam, wurde die Luft für herkömmliche Druckaufträge schon dünner. Mit der Digitalisierung, neuer Konkurrenz und einem hohen Kostendruck verschärfte sich der Markt dramatisch. Seit der Jahrtausendwende hat sich die Zahl der Druckereien in Deutschland in etwa halbiert.
Michael Schiffer hat die Zeichen der Zeit erkannt. Mit dem Aufbau einer Agentur von Dialogmarketing Services hat er neue Wege eingeschlagen. Daneben produziert sein Unternehmen Spezialdokumente, die ein hohes Maß an Genauigkeit und Sicherheit verlangen. Die Versendung von PIN-Codes für Bankkunden, Wahlunterlagen und andere sicherheitsrelevante Schreiben gehören dazu. Dies auch in großen Mengen: Für den Zensus verschickte Schiffer 50 Millionen codierte Dokumente in wenigen Wochen.
Persönlich in Print
Aber auch das Marketing wandelt sich ständig. Durch Social Media und personalisierte, algorithmengesteuerte Werbung hat sich die Ansprache der Kunden komplett geändert. „Diesen Trend haben wir für unsere Printprodukte adaptiert und sind seit 2009 Pioniere auf diesem Gebiet“, sagt Schiffer. Was er damit meint? Sein Unternehmen analysiert die Kundendaten der Auftraggeber und verschickt individuell auf jeden Empfänger abgestimmte Werbung – per Post. „Print macht immer noch einen Unterschied – wenn es datenbasiert ist. Die Erfolgsquote ist sehr viel höher als bei rein digitalem Marketing“, erläutert er. Unternehmen können so ohne großen Streuverlust ihre Angebote maßgeschneidert an Kunden schicken.
Aber auch das Marketing wandelt sich ständig. Durch Social Media und personalisierte, algorithmengesteuerte Werbung hat sich die Ansprache der Kunden komplett geändert. „Diesen Trend haben wir für unsere Printprodukte adaptiert und sind seit 2009 Pioniere auf diesem Gebiet“, sagt Schiffer. Was er damit meint? Sein Unternehmen analysiert die Kundendaten der Auftraggeber und verschickt individuell auf jeden Empfänger abgestimmte Werbung – per Post. „Print macht immer noch einen Unterschied – wenn es datenbasiert ist. Die Erfolgsquote ist sehr viel höher als bei rein digitalem Marketing“, erläutert er. Unternehmen können so ohne großen Streuverlust ihre Angebote maßgeschneidert an Kunden schicken.
Trends zu erkennen und für seine Kunden daraus passgenaue Pakete zu schnüren, darin sieht Schiffer einen Grundpfeiler seines Geschäfts: „Wir denken immer etwas voraus und können unsere Kunden frühzeitig beraten, wohin die Reise beim Marketing, postalischen Themen und im Datenschutz gerade geht.“ So zum Beispiel auch beim Thema KI und automatisierte Workflows.
Überzeugt nachhaltig
Ein weiterer Effekt des zielgerichteten Marketings: Statt aufwendiger dicker Kataloge entstehen passgenaue Angebote. Das braucht viel weniger Papier, schafft eine höhere Kundenzufriedenheit und reduziert die Retourenquoten. So schont es effektiv die Umwelt. Für Michael Schiffer ist der Weg zu einer CO2-neutralen Wirtschaft unumkehrbar. Aber auch praktische Erwägungen sprechen für diesen Schritt. Denn viele Mittelständler sind Teil komplexer Lieferketten. Sie müssen damit verpflichteten Unternehmen Nachhaltigkeitsinformationen liefern. Wer dies glaubwürdig, transparent und nachvollziehbar macht, hat einen echten Wettbewerbsvorteil. „Dies gilt auch jetzt noch, nachdem durch das sogenannte ESGOmnibus- Paket die Berichtspflichten gelockert wurden“, sagt Schiffer.
Die Zertifikate auf der Webseite der Druckerei zeigen, wie wichtig Michael Schiffer das Thema Nachhaltigkeit nimmt. ISO-Zertifizierungen hat er bereits Anfang der 2000er-Jahre eingeführt. „ Dieser Blick von außen hat für unsere internen Prozesse viel bewirkt. Besonders im Energiemanagement konnten wir sofort 20 Prozent einsparen“, erläutert er. Mittlerweile ist das Unternehmen auch mit EMAS (siehe Infokasten) zertifiziert.
Austausch über Netzwerke
Nachhaltigkeit aktiv zu unterstützen ist für die Mitarbeiter in allen Bereichen des Betriebs ein großer Antrieb. „Wenn es dann allerdings in die Tiefe geht, ist der Blick über den Tellerrand wichtig“, meint Schiffer. Das Unternehmen ist deshalb Mitglied in diversen Nachhaltigkeitsinitiativen und engagiert sich auch regional für Umweltthemen. Und die Initiative trägt Früchte: Seit Ende 2023 produziert das Unternehmen klimaneutral mit nur einem minimalen finanziellen Restausgleich zur Kompensation. Eine eigene Photovoltaik-Anlage, der Bezug von Ökostrom und unzählige Einzelmaßnahmen machen es möglich. Für dieses Engagement erhielt die Michael Schiffer Dialog GmbH im November 2025 die höchste Auszeichnung von Ecovadis, eine Platinum-Medaille. Die global agierende Rating-Agentur bewertet Unternehmen beim Nachhaltigkeitsmanagement. So können Kunden oder Lieferanten beispielsweise standardisierte Daten zu diesem Thema abrufen, was viel Arbeit erspart. Die Medaille zeigt: Die Nachhaltigkeitsbilanz des Unternehmens ist hervorragend. Für Michael Schiffer ist klar: „Nachhaltigkeit wird eines der Fokus-Themen für unsere Zukunft bleiben. Im Austausch lässt sich viel erreichen: für die Betriebe selbst und für unsere Umwelt. Aber: Wer die Transformation der Wirtschaft mitgestalten will, muss sich zunächst selbst ändern.“
Krisenresilienz ist am wichtigsten
Als das Tor zu Rotterdam und Antwerpen bezeichnet sich der Port Emmerich. Ein großer Frachthafen, der eine wichtige Versorgungsfunktion hat. Die Sicherheit der Infrastruktur steht ganz oben auf der Agenda.
Trimodales Containerterminal – das klingt komplex. Und was am Emmericher Hafen täglich passiert, ist es auch. Mit seiner Anbindung an Wasser, Schiene und Straße sorgt er dafür, dass Waren zwischen Antwerpen, Rotterdam und den Verladern bewegt werden. Außerdem bedient er ansässige Industrieunternehmen. Arndt Wilms ist Prokurist der Port Emmerich Infrastruktur- und Immobiliengesellschaft mbH. „Ein Ende des Umschlagzuwachses ist nicht in Sicht“, erzählt er. Port Emmerich ist Eigentümerin des Industriehafens Emmerich und investiert in Anlagen und Infrastruktur. Damit alles zukunftssicher ist, setzt Wilms auf gute Krisenresilienz. Neben CO2-Neutralität, Digitalisierung und Infrastrukturausbau eins der vier zentralen Zukunftsthemen für den Hafen.
Krise verlangt Kooperation
Das gilt aber nicht nur für Emmerich am Rhein, sondern für alle Häfen in NRW, berichtet Arndt Wilms. „Durch die aktuellen geopolitischen Entwicklungen ist wohl allen sehr deutlich geworden, wie angreifbar unsere Infrastruktur ist“, sagt Wilms. „Unser Fokus liegt darauf, wie wir auch in einer Krisensituation unseren Aufgaben gerecht werden können: nämlich der Versorgung des Landes mit Gütern. Also auch der Versorgung der Bevölkerung. Durch diese wichtige Aufgabe verdienen unsere Anlagen einen besonderen Schutz.“ Zur Infrastruktur gehören neben den Verkehrswegen auch die Krananlagen, Spundwände und die Schleusenbauten in den Kanalhäfen. Sie müssen regelmäßig gewartet und modernisiert werden, damit sie belastbar bleiben.
Vorsorgen für den Ernstfall
Wie kann dieser besondere Schutz aussehen, von dem Wilms spricht? Und welche Maßnahmen sind dazu nötig? Wilms erwähnt beispielsweise die Stromversorgung: Sie müsse redundant aufgestellt sein, sodass eine Containerbrücke auch bei Ausfall einer Versorgungsleitung weiterarbeiten könne. „Diese Vorsorgemaßnahmen kosten natürlich auch Geld. Da gilt es genau abzuwägen, wo man ansetzt“, so der Prokurist.
Welche Ideen es noch gibt, erfährt Wilms unter anderem durch den Austausch in verschiedenen Gremien. Vor allem der Bundesverband öffentlicher Binnenhäfen mit seinen regionalen Gruppen ist für ihn hilfreich. So wie die Arbeitsgemeinschaft Häfen NRW, in der Wilms stellvertretender Vorsitzender ist. Gleiches gilt für die Fokusgruppe Infrastruktur beim Verkehrsministerium NRW. Dort kann er von Best-Practice-Szenarien lernen. „Warum ging der Neubau der Rahmedetal-Brücke beispielsweise schneller als vergleichbare Projekte? Gab es Besonderheiten bei der Ausschreibung? Aus diesen Gesprächen nehmen auch wir Hafenbetreiber viel mit. Die IHKs sind ebenfalls in diesen Netzwerken ein wichtiger Baustein. Wir müssen nun einfach das gesamte Know-how im Sinne unserer Wirtschaft einsetzen“, meint Arndt Wilms. Dazu gehöre auch, gegen das teilweise antiquierte Bild der Binnenschifffahrt in der Politik anzugehen. „Wenn wir uns vergegenwärtigen, dass zum Beispiel die einzigartige Kanal-Infrastruktur in NRW gemeinsam mit dem Rhein dafür sorgt, dass bereits ein Viertel der Güter in NRW auf dem Wasser transportiert wird, dann sieht die Bedeutung der Schifffahrt schon ganz anders aus. Außerdem gibt es da noch viel Luft nach oben!“
Auf Expansionskurs
So haben sich um den Emmericher Hafen in den letzten zehn Jahren viele Unternehmen angesiedelt. Gewerbeareale wurden entwickelt und die Anschlüsse an die Autobahn, die Schiene und den Rhein machen den Hafen zu einem attraktiven Logistikstandort. 12.000 Quadratmeter Fläche für den Container-Umschlag sind hinzugekommen. Die neue hochmoderne Containerbrücke ist dabei nur der Anfang. Eine weitere wird in zwei Jahren ersetzt. Wilms: „Wir sind der erste deutsche Binnenhafen am Rhein hinter den Seehäfen. Wenn es in Basel zum Beispiel Niedrigwasser gibt, kommen die Container auf der Schiene zu uns und wir setzen sie aufs Schiff in Richtung Rotterdam oder Antwerpen, da unser Standort erst deutlich später von Abladereduzierung durch Niedrigwasser betroffen ist. Das ist eine Besonderheit unserer Lage.“ Sicherheit und Zukunft: In Emmerich am Rhein bemüht sich der Hafen, beides unter einen Hut zu bringen. Mit den nötigen Netzwerken stehen die Chancen gut dafür.
Genug auf Lager
Als andere Branchen während der Corona-Pandemie Kurzarbeit einführten oder schließen mussten, liefen bei Megro in Wesel die Drähte heiß. Als Großhändler für Medizinprodukte sorgte das Unternehmen dafür, dass in Krankenhäusern und Praxen der Nachschub nicht ausging.
Seit 1972 beliefert die Megro GmbH & Co. KG rund 2.500 Kunden in Deutschland sowie etwa 800 Abnehmer im Ausland mit Medizinprodukten. Kaum jemand kennt das Unternehmen so gut wie Helmut Krebber. 1990 startete er als Auszubildender bei Megro, seit 2014 ist er Geschäftsführer. In mehr als 35 Jahren hat er nahezu alle Facetten des Geschäfts kennengelernt. Prägende Erfahrungen sammelte er vor allem während der Corona-Pandemie.
Lagerstrategie angepasst
Für sein Unternehmen steht eines stets im Mittelpunkt: die zuverlässige Lieferfähigkeit. „Denn am anderen Ende der Kette ist immer ein Patient, der die Produkte dringend braucht. Das müssen wir immer im Kopf behalten“, betont er. Gerade bei Medizinprodukten können Störungen in der Lieferkette schnell zu einem echten Sicherheitsrisiko werden. Entsprechend hat Megro die Lagerstrategie ausgerichtet. „Wir haben unser Lager möglichst krisensicher aufgestellt“, erklärt Krebber. „Für rund sechs bis acht Wochen können wir unsere Kunden auch dann versorgen, wenn es zu Lieferengpässen kommt.“
Der medizinische Großhandel übernimmt dabei eine Schlüsselrolle. „Wir sind nicht nur in der Lage, unsere eigenen Bestände zu managen, sondern auch Sicherheitsbestände für Bund, Länder, Kommunen oder die Bundeswehr zu bewirtschaften“, erläutert Krebber. Das geschieht sowohl in eigenen als auch in angemieteten Lagern oder direkt bei Herstellern. Ein entscheidender Vorteil: Durch den regelmäßigen Umschlag der Waren können Verfallsrisiken minimiert werden. „So bleiben die Produkte einsatzbereit – und im Ernstfall sofort verfügbar.“
Strukturierte Hilfe im Krisenfall
Kommt es zu einer akuten Krise, kann der Großhandel Medizinprodukte gezielt und strukturiert in das Versorgungssystem einbringen – entweder aus den eigenen Ressourcen oder in enger Abstimmung mit THW, Bundeswehr, der Polizei oder der Feuerwehr. Hinzu kommt die fachliche Expertise der Mitarbeiter. „ Unsere Teams wissen, welche Alternativprodukte geeignet sind, und können diese schnell vorschlagen und bereitstellen“, so Krebber. Für ihn steht fest: Versorgungssicherheit ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von Erfahrung, Vorbereitung und verlässlichen Partnerschaften. Und letztlich ein entscheidender Beitrag zur Patientensicherheit.
Politik als Hemmschuh
Einen pragmatischen Umgang mit Krisen wünscht sich Krebber auch von der Politik. „Jede Krise bedeutet auch Wandel. Damit dieser gelingen kann, braucht es einen offenen und kontinuierlichen Austausch mit der Politik.“ Dieser Austausch findet für ihn vor allem über Verbände und Institutionen statt. „Dort bringen wir unsere Themen ein und setzen uns dafür ein, dass politische Entscheidungen möglichst nah an den Unternehmen getroffen werden“, beschreibt Krebber seine Motivation. Als größtes Hemmnis empfindet er dabei die zunehmende Bürokratie. „Die Vielzahl an Vorschriften lähmt uns“, sagt er offen. „Das reicht vom Leiterhandbuch bis zur persönlichen Haftung bei Fragen der Cybersicherheit.“ Für Krebber steht fest: Netzwerke sind kein Selbstzweck, sondern ein notwendiger Draht zu den politischen Entscheidungsträgern.
Entsprechend engagiert er sich in der Vollversammlung der Niederrheinischen IHK und verfolgt mit großem Interesse den Aufbau des neuen IHK-Defense-Netzwerks. Ein zentraler Branchenverband ist für ihn zudem der BVMed, der deutsche und internationale Medizintechnik- Hersteller, -Händler, -Zulieferer sowie Hilfsmittel-Leistungserbringer vereint. „Hier wird die Stimme der Branche gebündelt – und genau das brauchen wir, um Gehör zu finden“, so Krebber.
Datensicherheit ist wichtig
Ein weiterer Schlüsselfaktor für die Zukunft ist für Megro die Datensicherheit. Mit der fortschreitenden Digitalisierung gewinnt sie für das Unternehmen zunehmend an Bedeutung. „Wir setzen bewusst auf ein deutsches Netzwerk, redundante Datenspiegelungen und verpflichtende Schulungen für unsere Mitarbeitenden“, erläutert Krebber. Ziel sei es, Routinen stärker zu automatisieren und gleichzeitig in eine moderne Infrastruktur – insbesondere im Lager – zu investieren.
Bei aller Technik bleibt für ihn jedoch eines unverzichtbar: der persönliche Kontakt. „Die persönliche Beratung unserer Kunden wird immer wichtiger. Bei uns ist immer ein echter Mensch am Telefon“, betont er. „Wir verstehen uns als Problemlöser.“ Am Ende müsse das Gesamtpaket stimmen: Lieferfähigkeit, ein wettbewerbsfähiger Preis und verlässlicher Service. „Wenn diese Faktoren zusammenkommen, können wir auch in einem anspruchsvollen Markt erfolgreich bleiben – und im Krisenfall schnell und zuverlässig zur Verfügung stehen.“
Hier finden Sie mehr Informationen zum IHK-Unternehmensnetzwerk Defense.
Es muss schneller gehen
Die Welt ist im Wandel, die Wirtschaft in Deutschland steht still. Um sie wieder in Schwung zu bringen, braucht es Tempo bei politischen Reformen, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger.
Herr Dietzfelbinger, wie beurteilen Sie die Lage bei den Unternehmen in Duisburg und am Niederrhein?
Seit sechs Jahren steht die Wirtschaft still. So etwas gab es noch nie in Deutschland. Das macht sich auch in unserer Region bemerkbar. Die Unternehmen tun, was sie können. Was ihnen fehlt, ist ein verbindlicher Rahmen. Sie haben gute Ideen, investieren aber nicht, weil ihnen die Perspektive fehlt. Oder weil die Vorgaben zu komplex sind. Die Politik muss Möglichmacher sein, also schnell und flexibel handeln.
Was genau müsste am Niederrhein passieren?
Vor Ort können wir mitsteuern: Gewerbeflächen sichern, die Verwaltung schnell und digital machen, weniger Bürokratie – und vor allem Steuern runter! Uns allen ist bewusst, dass die Kommunen knapp bei Kasse sind. Auch sie müssen von Bund und Land weiter entlastet werden. Aber es auf die Wirtschaft abzuwälzen, ist ein verheerendes Signal. So schwächen wir den Standort. Und damit auch unseren Wohlstand.
Und welche Weichenstellungen wären in der Bundespolitik nötig?
Nur der öffentliche Sektor befindet sich aktuell auf Wachstumskurs. Das ist ein ganz falscher Weg. Die Steuern sollen sinken – aber erst ab 2028. Das ist zu spät. Außerdem brauchen wir einen günstigeren Strompreis für alle Branchen. Und natürlich mehr Tempo bei der Infrastruktur. Bei uns in NRW gelten 30 Prozent der Autobahnbrücken als marode. Mehr als in anderen Bundesländern. Trotzdem fließen weniger Mittel, als uns zustehen. Hier muss die Politik nachbessern: Logistik-Drehscheibe für Westeuropa und marode Straßen, Schienen und Wasserwege passen nicht zusammen. Auf kommunaler bis europäischer Ebene muss das Ziel sein: erfolgreich mit unserer Wirtschaft, handlungsfähig bei unserer Verteidigung, schnell bei unserer Infrastruktur, führend bei Innovation und Technik, wegweisend in Kultur und Wissenschaft.
Können Unternehmen in der angespannten weltpolitischen Lage noch sicher wirtschaften?
Wir sind ein starkes Land mit einer starken Wirtschaft. Das gilt auch für den Niederrhein. Eine herausragende Lage mitten in Europa, innovative Forschung, ein leistungsfähiger Mittelstand – das ist alles da. Dafür braucht es politische Tatkraft. Und eine gut vernetzte Wirtschaft. Als IHK bringen wir die Akteure aus Politik und den Branchen zusammen. Gemeinsam können wir viel bewirken. Auch bei Gegenwind.
Alle Texte der Titelstrecke: Susanne Hartmann
