Niederrheinische IHK

Interessenvertretung

Bürokratie, Recht und Steuern

Wirtschaftlicher Erfolg erfordert verlässliche Rahmenbedingungen und eine auf das Notwendige reduzierte Bürokratie. Recht muss aber nicht nur verlässlich, sondern auch verständlich sein. Unternehmen finden sich heute in der Fülle an komplexen Regelungen kaum noch zurecht. Insbesondere das Steuerrecht erscheint vielen Unternehmen als nicht schlüssig. Dieses zielt häufig einzig und allein auf die Verhinderung von Missbräuchen ab. Daher fehlt oft ein konsistenter Ansatz, der die gesamten Folgen einer Regelung berücksichtigt. Verlässlichkeit, Verständlichkeit und eine auf das Notwendige reduzierte Bürokratie müssen die Leitlinien der Rechts- und Steuerpolitik auf allen politischen Ebenen – Europa, Bundesrepublik, NRW und den Kommunen – sein.

Eine unternehmensnahe Wirtschafts- und Steuerrrechtspolitik sollte folgenden Leitlinien folgen:
  1. Vertragsfreiheit als Maß des Wirtschaftsrechts,
  2. Differenzierte Streitbeilegungsinstrumente anbieten,
  3. Gläubigerinteresse berücksichtigen,
  4. Fairen Wettbewerb sichern,
  5. Gewerbefreiheit als Maßstab für Regulierung,
  6. Share economy gestalten,
  7. Leitbild des Ehrbaren Kaufmanns leben – Bürokratielasten verringern,
  8. Vorrang von unternehmerischer Eigenverantwortung und Selbstverwaltung,
  9. Folgen von Steuern und Abgaben berücksichtigen,
  10. einfaches, gerechtes, transparentes, wettbewerbsfähiges und bürokratiearmes Steuerrecht mit zielgenauen Bemessungsgrundlagen und wettbewerbsfähigen Steuersätzen.

Regionalpolitik - wie setzt sich die IHK für die Region ein?

Die Wirtschaft steckt seit 2019 in der Krise. Die Unternehmen belasten externe und interne Faktoren. Die Niederrheinische IHK arbeitet gemeinsam mit regionalen Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik daran, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Aufgrund unserer Lage an der Schnittstelle zwischen Rheinland und Ruhrgebiet kommt unserem IHK-Bezirk eine besondere Rolle bei der Erschließung von Synergien zu. Wir sind dazu in verschiedenen Programmen aktiv.
Regionalagentur NiederRhein – Wie lassen sich Fachkräfte gewinnen?
Der Fachkräftemangel stellt Unternehmen zunehmend vor große Herausforderungen. Geeignete Mitarbeiter zu finden und langfristig zu binden, wird immer schwieriger – ein Trend, der sich in den kommenden Jahren weiter verstärken dürfte. Die Regionalagentur NiederRhein unterstützt Unternehmen gezielt dabei, Fachkräfte zu gewinnen, zu qualifizieren und zu halten. Die Niederrheinische IHK begleitet die Regionalagentur als Partner gemeinsam mit den Kreisen Wesel und Kleve und der Stadt Duisburg.
Weitere Informationen sowie Kontaktdaten finden Sie auf der Webseite der Regionalagentur NiederRhein
Das 5-StandorteProgramm – Wie gelingt der Strukturwandel?
Mit dem 5-StandorteProgramm setzt die Landesregierung die Verteilung der Mittel aus dem Strukturstärkungsgesetz um. Für NRW sind insgesamt 662 Millionen Euro vorgesehen. Gefördert werden strukturstärkende Projekte in fünf Städten in NRW, die vom Ende der Kohleverstromung besonders betroffen sind, darunter die Stadt Duisburg. Unsere IHK begleitet das Programm u. a. als Mitglied im Strukturstärkungsbeirat. Wir setzen uns dafür ein, dass weitere Projekte wie das Technologiezentrum Wedau oder das Wasserstoff-Bildungszentrum gefördert werden.
LEADER – Wie kann der ländliche Raum gestärkt werden?
Mit dem Programm LEADER unterstützen die EU und das Land NRW modellhaft innovative Aktionen in ländlichen Räumen. Aus unserem IHK-Bezirk haben vier Regionen bis 2027 den Zuschlag als LEADER-Gebietskulisse erhalten. Die IHK unterstützt die Regionen bei der Umsetzung ihrer regionalen Entwicklungsstrategien.
Ruhrkonferenz – Wie lässt sich das Ruhrgebiet stärken?
Unsere IHK bringt sich in die 2018 gegründete Ruhrkonferenz ein. Die Ruhrkonferenz soll Chancen und Potenziale des Ruhrgebiets identifizieren und den Strukturwandel vorantreiben. Die IHK setzt sich bei der Landesregierung dafür ein, den Prozess neu zu beleben. Der Ruhrkonferenz sollten dafür genügend finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden, um Leuchtturmprojekte auf den Weg zu bringen.
Handlungsrahmen für die Stärkung der Wirtschaft im Ruhrgebiet unserer IHK sind die zehn Handlungsfelder der gemeinsam mit den Ruhr-IHKs neu formulierten agenda.Ruhr.
Metropolregion Rheinland – Wie wird das Rheinland sichtbarer?
Die Metropolregion Rheinland (MRR) ist ein Verein zur Interessenvertretung des Rheinlands gegenüber der Landespolitik, dem Bund und der EU. Mitglieder der MRR sind u. a. die Kommunen, Kreise sowie die Handwerkskammern und die Industrie- und Handwerkskammern des Rheinlands. Mit Positionspapieren und Veranstaltung, wie z. B. Parlamentarischen Abenden, setzt sich die MRR für das Rheinland ein.

Kommunalpolitische Positionen

Duisburg und der Niederrhein sind ein bedeutender Wirtschaftsraum: Logistikdrehscheibe, größter Binnenhafen der Welt, führender Stahlstandort Europas und wichtige Energieregion. Die Unternehmen tragen Wohlstand, Beschäftigung und Innovation – doch die Region steht unter Druck: hohe Energiekosten, fehlende Flächen, Fachkräftemangel und überlastete Verwaltungen bremsen Wachstum.
Damit die Wirtschaft wieder Fahrt aufnimmt, braucht es entschlossene Kommunalpolitik. Sie ist erster Ansprechpartner der Betriebe, setzt wichtige Rahmenbedingungen und ist zentral für Investitionsbereitschaft und Standortklima.
Unsere Forderungen:
1. Steuern und Abgaben senken
Niedrige Standortkosten sind die beste Grundlage für Investitionen. Viele Kommunen am Niederrhein verlangen jedoch überdurchschnittlich hohe Gewerbesteuern, was Unternehmen ausbremst und Investitionsentscheidungen verzögert. Eine wirtschaftsfreundliche Kommunalpolitik setzt deshalb auf sinkende Hebesätze, transparente Entscheidungen und frühzeitige Information über Anpassungen. Wenn Kommunen Steuern und Abgaben reduzieren, verbessern sie ihre Wettbewerbsfähigkeit, ziehen neue Betriebe an und stärken gleichzeitig die Grundlage ihrer eigenen Einnahmen. Beispiele wie Duisburg zeigen, dass Steuersenkungen positive Effekte entfalten und Signalwirkung haben. Verzichte auf zusätzliche Abgaben wie Verpackungssteuern oder ungleiche Grundsteuerbelastungen schaffen Planungssicherheit und Vertrauen.
2. Mehr Gewerbeflächen schaffen
Wirtschaft braucht Raum, und dieser wird am Niederrhein knapp. Wenn Kommunen zu wenige Flächen ausweisen oder bestehende Areale nicht aktivieren, verlieren sie Investitionen an andere Standorte. Gerade Duisburg verfügt nur noch über minimale Reserven. Deshalb müssen vorhandene Gewerbeflächen schneller mobilisiert, Brachflächen konsequent saniert und neue Gebiete ausgewiesen werden. Erfolgreiche Beispiele aus Moers, Dinslaken oder der interkommunalen Zusammenarbeit in Goch und Weeze zeigen, dass Kooperation, Mut zu neuen Planungen und eine flexible Flächenpolitik Wachstum ermöglichen. Kommunen, die Flächen bereitstellen, entscheiden über ihre wirtschaftliche Zukunft.
3. Industrie als Rückgrat stärken
Der Niederrhein ist Industrieregion – und bleibt wirtschaftlich stark, wenn er diese Rolle aktiv annimmt. Stahl, Chemie, Maschinenbau und industrielle Zulieferer sichern tausende Arbeitsplätze und bilden das Fundament ganzer Wertschöpfungsketten. In Zeiten hoher Energiekosten und globalen Wettbewerbs braucht die Industrie politische Rückendeckung. Kommunen stärken ihre Standorte, wenn sie Gewerbegebiete schützen, Erweiterungen aktiv begleiten, Rohstoffzugänge sichern und Transformationstechnologien wie Wasserstoff vorausschauend planen. Gleichzeitig ist es entscheidend, Bürgerinnen und Bürger über den Zusammenhang von Industrie, Beschäftigung und Wohlstand zu informieren. Nur wer Akzeptanz schafft, kann industrielle Modernisierung ermöglichen.
4. Bürokratie abbauen und Verfahren beschleunigen
Die wirtschaftliche Dynamik leidet unter langwierigen Genehmigungen und komplexen Verfahren. Viele Unternehmen verlieren wertvolle Zeit, weil sie sich in unübersichtlichen Strukturen bewegen müssen. Kommunen können diese Hürden nicht vollständig beseitigen, aber sie können durch klare Ansprechpartner, gute digitale Prozesse und verbindliche Fristen spürbar entlasten. Eine Verwaltung, die als Partner der Wirtschaft agiert, schafft Vertrauen und erleichtert Innovationen. Beispiele wie das Handlungsprogramm für Moers oder die positive Entwicklung der Wirtschaftsförderung in Duisburg zeigen, dass bessere Organisation und Digitalisierung sofort Wirkung entfalten.
5. Mobilität und Erreichbarkeit sichern
Ohne funktionierende Infrastruktur gerät die wirtschaftliche Entwicklung ins Stocken. Der Niederrhein braucht intakte Straßen, moderne Brücken, leistungsfähige Häfen und verlässliche Bahnverbindungen. Für Betriebe sind schnelle Wege für Mitarbeiter, Waren und Lieferketten entscheidend. Kommunen sollten Sanierungen beschleunigen, Logistikflächen sichern und den ÖPNV so planen, dass Gewerbegebiete besser angebunden werden. Auch die Hafeninfrastruktur muss geschützt und erweitert werden, damit die Region ihre Rolle als europäischer Transportknotenpunkt behält. Kommunen wie Duisburg, Wesel oder Weeze zeigen, wie wichtig lokale Unterstützung für große Infrastrukturprojekte ist.
6. Fachkräftepotenziale stärker nutzen
Der Fachkräftemangel bleibt eine zentrale Herausforderung. Gute Betreuungseinrichtungen, attraktive Freizeit- und Kulturangebote sowie bezahlbarer Wohnraum sind entscheidende Faktoren für die Standortwahl qualifizierter Menschen. Kommunen können ihre Attraktivität erhöhen, indem sie Verwaltungsprozesse für ausländische Fachkräfte vereinfachen, feste Ansprechpartner bereitstellen und Bearbeitungszeiten spürbar verkürzen. Gut ausgestattete Berufsschulen und Sprachkurse stärken die regionale Qualifikation. Initiativen wie das InternationalTalentCenter in Duisburg zeigen, dass Engagement vorhanden ist, aber weiter professionalisiert werden muss.
7. Innenstädte und Tourismus als Standortfaktoren stärken
Attraktive Zentren schaffen Identität und sichern Arbeitsplätze. Viele Innenstädte stehen vor tiefen Strukturveränderungen, doch mit klugen Konzepten lassen sie sich wiederbeleben. Handel, Gastronomie und Kultur brauchen gemeinsame Strategien, die regionale Besonderheiten hervorheben und Besucher anziehen. Gleichzeitig besitzt der Niederrhein großes touristisches Potenzial – von Natur über Sport bis Kultur. Kommunen, die den Tourismus konsequent vermarkten, profitieren langfristig. Projekte wie die IGA 2027, die LAGA 2029 oder lokale Kooperationen wie die MoersCard oder Aktionen wie „Heimat shoppen“ zeigen, wie Innenstädte und Tourismus neue Impulse erhalten.
8. Transformation aktiv gestalten
Die Energiewende verändert Wirtschaft, Infrastruktur und Städte – und Kommunen entscheiden mit darüber, ob dieser Wandel gelingt. Sie müssen Wärmeplanung vorantreiben, Strom- und Wasserstoffnetze ausbauen, Speicher und Ladeinfrastruktur ermöglichen und auf Wettbewerb statt Monopole setzen. Digitalisierung gehört ebenso dazu: Glasfaser und guter Mobilfunk sind Grundvoraussetzungen für moderne Arbeits- und Lebensräume. Erfolgreiche Beispiele wie der Klimapakt Duisburg oder die frühe Wärmeplanung in Kamp-Lintfort zeigen, dass Kommunen gemeinsam mit Unternehmen und regionalen Partnern wirkungsvolle Transformationsstrategien entwickeln können.

Handlungsprogramm 2030

Unter dem Motto #GemeinsamStarkVorOrt engagieren sich die Unternehmen aus Duisburg sowie den Kreisen Wesel und Kleve. Der Anspruch ist klar: Die Wirtschaft am Niederrhein soll auch in Zukunft ein starker und attraktiver Standort bleiben. Große Industrieunternehmen, Mittelstand, Handel, Logistik, Tourismus – die Region lebt von ihrer Vielfalt. Aufgabe der IHK ist es, diese Interessen zusammenzuführen und verlässliche Lösungen vor Ort zu schaffen.
Die Kaufmannschaft steht für Besonnenheit, regionale Verbundenheit, Pragmatismus und Innovationskraft. Diese Werte prägen unser gemeinsames Handeln. Nach der Wahl der neuen Vollversammlung hat sich unser „Parlament der Kaufleute“ Ende 2024 konstituiert. Unter #GemeinsamUnternehmenWirVerantwortung haben wir Leitlinien für die kommenden fünf Jahre entwickelt. In Workshops, Diskussionen und mit dem Beteiligungstool „Impuls“ sind zahlreiche Ideen entstanden. Das Handlungsprogramm 2030 fasst sie zusammen. Es ist Kompass und Grundlage unserer Arbeit – und wird im offenen Dialog mit dem Ehrenamt kontinuierlich weiterentwickelt.
#Gemeinsam Herausforderungen gestalten
Die Wirtschaft steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Handelsbeziehungen verschieben sich, technologische Umbrüche beschleunigen sich, der Klimawandel fordert Unternehmen und Politik heraus. Diese Entwicklungen treffen auch den Niederrhein – besonders die Stahlindustrie, in der große Einschnitte bevorstehen. Unser Ziel: mit Politik und Verwaltung Rahmenbedingungen schaffen, die unseren Standort stärken.
Im Mittelpunkt stehen sieben zentrale Themen:
1. Zukunft des größten Stahlstandorts Europas
Die Branche steckt im Wandel, Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel, die klimaneutrale Transformation kommt nur schleppend voran. Wir unterstützen Unternehmen und Politik dabei, diesen Strukturwandel aktiv und planbar zu gestalten.
2. Bürokratie abbauen
Unternehmen leiden unter Berichtspflichten, langen Genehmigungsverfahren und komplexen Auflagen. Sie bremsen Innovationen, Investitionen und Nachfolgeprozesse. Wir setzen uns entschieden für weniger Bürokratie und mehr Handlungsspielraum ein.
3. Fachkräfte sichern
Viele Stellen bleiben unbesetzt. Eine starke berufliche Bildung, gute Vorbereitung junger Menschen auf den Arbeitsmarkt und eine gezielte Integration internationaler Fachkräfte sind zentral. Wir werben für die duale Ausbildung und stärken Weiterbildungsangebote.
4. Digitalisierung vorantreiben
Die Dynamik von KI und digitalen Technologien ist enorm. Unternehmen und Verwaltungen müssen diese Chancen aktiv nutzen. Wir begleiten beim Wandel und fördern digitale Kompetenz.
5. Energie bezahlbar halten
Die regionale Industrie braucht wettbewerbsfähige Energiepreise, um Arbeitsplätze zu sichern und die Transformation zu stemmen. Wir setzen uns für eine zuverlässige, bezahlbare Energieversorgung ein.
6. Flächen schaffen
In Duisburg und im Kreis Wesel fehlt es an Gewerbeflächen, in Kleve gibt es noch Potenzial. Nur mit genügend Flächen bleibt der Standort attraktiv für Investoren – und schafft Raum für Wachstum und Beschäftigung.
7. Freihandel stärken
Wachsende Abschottung und neue Zölle gefährden internationale Geschäftsbeziehungen. Wir treten für offenen Handel und neue Abkommen ein.
8. Infrastruktur erneuern
Der Niederrhein ist Logistikzentrum und Ballungsraum. Straßen, Schienen und Wasserwege müssen zuverlässig funktionieren. Ein stabiles und modernisiertes Verkehrsnetz ist Grundvoraussetzung für die regionale Wirtschaft.

Pressemitteilungen und -statements

In unseren Pressemitteilungen äußern wir uns zu aktuellen wirtschaftspolitischen Themen.