Förderprogramm bringt Unternehmen und Jugendliche zusammen

„Der Wechsel war die beste Entscheidung“

Die Uni war nicht das richtige für ihn, weiß Till Gebhardt. Durch das Programm Passgenaue Besetzung der Niederrheinischen IHK fand er eine neue Perspektive: Bei der Wittig GmbH in Duisburg macht er nun eine Ausbildung zum Kaufmann für Groß- und Außenhandelsmanagement.
Abitur gemacht, an die Uni gegangen, ein Semester Soziologie studiert, im zweiten dann Soziale Arbeit – und gemerkt: Nein, ein Studium ist nicht mein Ding. Und was jetzt? So ging es vor einem Jahr Till Gebhardt.
Aktiv nach einem neuen Azubi zum Kaufmann für Groß- und Außenhandelsmanagement gesucht. Die Stelle ausgeschrieben – aber bis zum Ausbildungsstart Anfang August keinen passenden Kandidaten gefunden. Und was jetzt? So ging es vor einem Jahr der Wittig GmbH in Duisburg.
Und heute? Heute macht Till Gebhardt eben dort seine Ausbildung. Dank der „Passgenauen Besetzung“ der IHK. Das funktioniert so: Unternehmen aus der Region melden der Niederrheinischen IHK ihre offenen Lehrstellen. Diejenigen, die einen Ausbildungsplatz suchen, können online ein Kurzprofil von sich erstellen. Die IHK übernimmt die Vorauswahl und prüft, wo es passen könnte zwischen Bewerbern und Unternehmen.
Till Gebhardt erfuhr auf einer Duisburger Jobmesse von dem Programm und erstellte sein Profil. Dieses passte zu den Anforderungen der Wittig GmbH, spezialisiert auf Ausrüstung für Schifffahrt, Industrie und Häfen. „Meine Kenntnisse in Mathe und Englisch halfen mir – und nach dem Vorstellungsgespräch war mir klar: Das passt“, blickt der Azubi heute auf das Bewerbungsverfahren vor einem Jahr zurück. Sein Chef Frank Wittig, Geschäftsführer der Wittig GmbH, sieht das genauso.
„Das Programm holt auch jene jungen Menschen ab, die vielleicht nach der Schule zunächst in die falsche Richtung gelaufen sind, jetzt auf dem offenen Feld stehen und sich neu orientieren müssen“, sagt Wittig. Für ihn ist die duale Ausbildung in Deutschland der optimale Start ins Berufsleben. Sein Unternehmen bildet für den eigenen Bedarf aus. Er selbst ist ehrenamtlich Vizepräsident der Niederrheinischen IHK, engagiert sich dort auch im Bereich Berufsbildung: „Ich finde es wichtig, selbst mitzugestalten, als nur zu nehmen, was kommt.“
Obwohl die Ausbildung in der Regel im August startet, ist ein Start oftmals auch später möglich. Till Gebhardt begann im Oktober. Sein Ausbilder kam ebenfalls über das Matching-Programm zu Wittig und ist heute Betriebsleiter. „Wer sich engagiert, voll einbringt und den verpassten Berufsschulstoff konsequent nachholt, kann das schaffen“, unterstreicht Wittig. Je früher es losgeht, desto besser natürlich. Er empfiehlt generell, nach dem Schulabschluss zunächst eine Ausbildung zu machen und – wenn überhaupt – erst danach zu studieren. Durch Weiterbildungen lässt sich auch mit Ausbildung Karriere machen.
Am Standort Duisburg beschäftigt die Wittig GmbH derzeit 18 Mitarbeiter. Till Gebhardt ist aktuell der einzige Azubi. Er startete im Warenlager und bekam schnell eine gute Produktkenntnis. Inzwischen unterstützt er den Verkauf. Und weiß schon, dass er voll in die Einführung einer neuen EDV eingebunden sein wird. Weil er „Out of the Box“ denkt. Und weil er als Auszubildender bei Wittig alle Abteilungen und deren Anforderungen kennt.
Er weiß: Wer engagiert ist und wer gerne lernt, der darf und muss auch mal Fehler machen – und daran wachsen. „Mich hier im Unternehmen einzufinden, damit hatte ich keine Probleme. Auch, weil ich die direkte und offene Kommunikation sehr schätze und mein neues Wissen unmittelbar anwenden kann“, sagt Gebhardt. „Die größte Umgewöhnung war eher die vom Studentenlifestyle zur Vollzeitarbeitswoche, die jeden Tag um acht Uhr beginnt. Aber wenn man sich da einmal durchgekämpft hat, läuft auch das.“ Rückblickend betrachtet, so sagt er abschließend, sei der Wechsel von der Uni in die Ausbildung die beste Entscheidung gewesen.
Wer Fragen zum Programm hat oder für dieses Jahr noch auf der Suche nach Azubis oder einer Lehrstelle ist, kann sich an Julien Piron (piron@niederrhein.ihk.de; 0203 2821-498) wenden.
Das Projekt „Passgenaue Besetzung – Willkommenslotsen“ wir vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.
Pressemitteilung vom 16. September 2025