Unternehmen sagen „Noch befriedigend“

Kreis Wesel: große Vorteile, zu hohe Kosten

Die Lebensqualität ist hoch, die Lage zentral, die Anbindung optimal: damit punktet der Kreis Wesel bei den Betrieben in der Region. Nachteilig für die Wirtschaft sind die hohen Kosten und zu lange Verfahren. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Analyse der Niederrheinischen IHK. Die IHK-Spitze sprach mit Landrat Ingo Brohl und Wirtschaftsförderer Lukas Hähnel darüber, was sich die Unternehmen von der Politik wünschen.
„Der Kreis Wesel hat viele Qualitäten. Gute Hochschulen, die schnell erreichbar sind. Ein großes Freizeitangebot und eine hohe Lebensqualität. Das zieht Fachkräfte an und davon profitieren unsere Unternehmen“, so IHK-Präsident Werner Schaurte-Küppers. „Für unsere Wirtschaft hat der Kreis Wesel eine Spitzen-Lage. Die Nähe zu Rhein und den Flughäfen Weeze und Düsseldorf sind optimal. Allerdings überlagern die maroden Straßen und Schienen diesen Vorteil“, betont Schaurte-Küppers. Noch vor fünf Jahren bewerteten die regionalen Unternehmen das Straßennetz als Top-Standortfaktor. Jetzt nicht mehr.
Weltlage verschärft Kostendruck zusätzlich
Von den Betrieben gibt es für den Standort insgesamt ein „Noch Befriedigend“. Hohe Steuern und langsame Planungs- und Genehmigungsverfahren bremsen die Wirtschaft. Die kommunalen Verwaltungen bekommen mit 4,6 die schlechteste Durchschnittsnote der Analyse. Der durchschnittliche Gewerbesteuer-Hebesatz im Kreis Wesel liegt bei 482 Punkten. Das sind mehr als 20 Punkte über dem NRW‑Durchschnitt. „Die Weltlage ist unsicher: hohe Energie- und Kraftstoff-Preise, Zollchaos und Kriege belasten die Unternehmen. Deswegen gilt es dort gegenzusteuern, wo wir es in der Hand haben: Steuern, Abgaben und Bürokratielast müssen sinken. Wir haben vereinbart, dass die Wirtschaft und der Kreis Wesel gemeinsam an Lösungen arbeiten“, betont IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Dietzfelbinger.
Entwicklung macht Sorgen
Die Strukturdaten zeigen: Die Zahl der Arbeitnehmer im Kreis Wesel steigt langsamer als in Duisburg oder im Kreis Kleve. Die Entwicklung der Gewerbeflächen sollte daher aktiver betrieben werden. Die Wirtschaftskraft der lokalen Unternehmen entwickelt sich schleppend. Dem Kreis Wesel gelingt es in der Fläche auch nicht, die komplette Kaufkraft im Einzelhandel zu binden. Punkte, an denen die Politik ansetzen sollte.
„Der Austausch mit unserer IHK ist für uns, und auch für mich persönlich, neben den vielen direkten Unternehmenskontakten wichtig, um noch zielgerichteter unsere strategischen Entwicklungen, die Kreisverwaltung und unsere Entwicklungsagentur Wirtschaft auf die unternehmerischen Belange auszurichten. In der gegenwärtig schwierigen Gesamtlage in Deutschland bin ich mit dem Ergebnis der Standortanalyse nicht unzufrieden, zumal unsere strategischen Projekte, beispielsweise die Deltaport-Entwicklung, der Ausbau der Fachkräfteregion Niederrhein unter anderem durch massive Investitionen in unsere Berufsschulen und die Initiierung von Stiftungsprofessuren an unserer Hochschule Rhein-Waal, verbunden mit einer hohen Lebensqualität, offenbar Wirkung zeigen. Auch die Aktivitäten, den Niederrhein als Tourismusregion zu stärken, zahlen darauf ein“, fasst Landrat Ingo Brohl zusammen.
„Den eingeschlagenen Weg werden wir gerade in diesen herausfordernden Zeiten fortsetzen, um uns weiterhin als Fachkräfteregion zu positionieren. Unser Standort hat viel Potential – zahlreiche Unternehmen führen mit ihren speziellen Produkten den Welthandel an. Auch die Weiterentwicklung der Arbeit der Entwicklungsagentur Wirtschaft (EAW) wurde in unserem Gespräch positiv bewertet. Wertvolle Hinweise nehmen wir gerne mit auf und wir arbeiten gemeinsam daran, diese Stärke zu sichern und weiterzuentwickeln“, so Wirtschaftsförderer Lukas Hähnel.
Die Standortanalyse basiert auf 180 Rückmeldungen von Unternehmen aus dem Kreis Wesel aus dem Sommer 2025.