Konjunkturumfrage zum Herbst 2026

Konjunktur wenig dynamisch, Industrie schöpft leichte Hoffnung

Geopolitische Krisen, hoher Kostendruck und eine verhaltene Verbraucherstimmung bestimmen aktuell den Alltag der Unternehmen. Die Geschäftslage und die Geschäftserwartungen der regionalen Wirtschaft haben sich seit dem Frühjahr nur wenig positiv entwickelt. Der von der IHK errechnete Index für das Konjunkturklima (bestehend aus einem Lage- und einem Erwartungsindikator) in der Region Hochrhein-Bodensee ist gegenüber der Frühjahrsbefragung von 95 Punkten auf knapp 100 Punkte angestiegen. Er liegt damit unter dem Landesniveau von 106 Punkten. „Die Konjunktur kommt nicht so recht in Schwung. Positive Anzeichen werden durch geopolitische Ereignisse und weiter ungelöste strukturelle Hemmnisse am Standort ausgebremst“, so Dr. Alexander Graf, der die Konjunkturumfrage der IHK Hochrhein-Bodensee auswertet. „Aktuell fehlt das Vertrauen in eine nachhaltig positive Entwicklung der Absatzmärkte. Die Hoffnung der Industrie für die kommenden Monate ruht auf besseren Entwicklungen der Auslandsmärkte; Handel und Dienstleistungsbetriebe bleiben dagegen skeptisch, insbesondere mit Blick auf das Inland.“

Geschäftslage

Die Einschätzung der Geschäftslage bei den Unternehmen in der Region – gemessen anhand des „Lage-Indikators“ – ist nach dem Einbruch im Frühjahr nur leicht von 106 auf aktuell 109 Punkte gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr (111 Punkte) zeigt sich die Geschäftslage damit aktuell auf einem ähnlichen Niveau. Insgesamt beurteilt ein Viertel der teilnehmenden Betriebe ihre momentane Geschäftslage als gut, 59 Prozent als befriedigend und 16 Prozent als schlecht.

Industrie unter Druck

Die Geschäftslage der Industrieunternehmen in der Region Hochrhein-Bodensee zeigt sich weiter robust, die Einschätzung bewegt sich auf dem Niveau des Vorquartals sowie des Vorjahres. Der Anteil der Unternehmen im produzierenden Gewerbe, die die Geschäftslage als gut bezeichnet, beträgt rund ein Viertel. Etwas mehr als die Hälfte spricht von einer befriedigenden Lage, und der Anteil der Unternehmen, die ihre Gesamtlage als schlecht bezeichnen, liegt in der aktuellen Umfrage bei 20 Prozent. Allerdings sind die Umsätze gegenüber dem Vorjahresquartal weiter bei mehr Produktionsbetrieben gefallen als gestiegen. Und auch die Erträge bezeichnen mit 29 Prozent mehr Betriebe als schlecht denn als gut (22 Prozent). Der Auslastungsgrad der Kapazitäten in der regionalen Industrie zeigt sich unverändert. Er liegt wie im Frühjahr mit 81 Prozent weiter deutlich unter dem langjährigen Mittel (85 Prozent).
Erfreulicher sieht es bei der aktuellen Entwicklung der Auftragseingänge aus. Hier zeigt die aktuelle Tendenz etwas nach oben. Im produzierenden Gewerbe geht die Zahl der Unternehmen mit fallendem Auftragseingang deutlich zurück. So berichten nur noch 17 Prozent von zurückgehenden Auftragseingängen (Vorjahr 39 Prozent), dagegen 26 Prozent von einer steigenden Entwicklung (Vorjahr 12 Prozent).

Regionaler Handel: Konsum kommt nicht in Schwung

Die Einschätzung der Geschäftslage im Handel fällt etwas besser aus als noch im Frühjahr, obwohl weiter deutlich mehr Händler von schlechten als von guten Geschäften sprechen. So beurteilen nur neun Prozent der Befragten ihre Lage aktuell als gut, der überwiegende Teil – 71 Prozent – berichtet von einer befriedigenden Lage. Bei 20 Prozent sieht die aktuelle Geschäftslage schlecht aus. Insgesamt 49 Prozent der Händler berichten von gegenüber dem Vorjahresquartal gesunkenen Umsätzen, immerhin 17 Prozent von wieder gestiegenen Umsätzen. Wenig optimistisch sieht es aber beim momentanen Konsumverhalten der Kunden aus. Hier sehen aktuell 79 Prozent der Händler Zurückhaltung beim Konsum, 21 Prozent ein saisonübliches Verhalten der Kundschaft.

Dienstleistungssektor stabil

Die Lage der Unternehmen im Dienstleistungsbereich zeigt sich seit dem Frühjahr stabil, stellt sich im Vergleich mit den Bereichen Handel und Produktion jedoch weitaus positiver dar. Von einer guten Lage berichten 38 Prozent, von einer schlechten Lage sprechen in der aktuellen Umfrage 14 Prozent. Knapp die Hälfte der Dienstleister beurteilen die aktuellen Geschäftstätigkeiten als befriedigend. Allerdings ist der Anteil der Unternehmen in der Dienstleistungsbranche, die von guten Erträgen sprechen, von 37 im Frühjahr auf derzeit 32 Prozent zurückgegangen. Erfreulicher ist dagegen die derzeitige Tendenz des Auftragsvolumens, welches bei mehr als einem Viertel der Befragten steigend ist. Bei den meisten Betrieben scheinen damit die rückläufigen Tendenzen der vergangenen Monate beim Auftragseingang ein Ende gefunden zu haben. Lediglich 13 Prozent berichten noch von einer weiteren Abnahme der Auftragseingänge. Das bedeutet eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Frühjahr, in dem noch 34 Prozent über Rückgänge klagten.

Erwartungen für die kommenden Monate

Etwas weniger negativ als zuletzt sind die Erwartungen der Unternehmen in der Region Hochrhein-Bodensee über den weiteren Geschäftsverlauf. Insgesamt bleiben aber weiterhin mehr Unternehmen für die nahe Zukunft pessimistisch (25 Prozent) als optimistisch (16 Prozent). Mit rund 59 Prozent erwartet die Mehrheit der teilnehmenden Unternehmen keine nennenswerten Impulse, die zu einer Belebung führen könnten.
Am wenigsten Optimismus herrscht im Handel. Hier rechnet keines der an der Umfrage beteiligten Unternehmen in den kommenden Monaten mit einer Verbesserung der Geschäfte. 43 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus, während 57 Prozent gleichbleibende Geschäfte voraussehen. Die gestiegenen Lebenshaltungskosten lassen die Verbraucher immer vorsichtiger werden. Zusammen mit der Verunsicherung über den weiteren Konjunkturverlauf wird der Konsum auf notwendige Ausgaben reduziert.
Am positivsten entwickelt haben sich die Erwartungen seit Frühjahr im produzierenden Gewerbe. Hier hat sich der Anteil der Unternehmen, die mit schlechteren Geschäften rechnen, von 23 auf zehn Prozent verringert. Ein Viertel der Produktionsbetriebe hofft auf bessere Geschäfte in den kommenden Monaten. Positiver als zuletzt fallen dabei die Exporterwartungen aus. Rechneten im Frühjahr 25 Prozent der Produktionsbetriebe mit fallenden Exporten, so hat sich diese Zahl im Herbst halbiert. Gleichzeitig rechnet rund ein Drittel für den Export in den kommenden Monaten mit steigenden Zahlen.
Leicht verbessert zeigen sich die Erwartungen bei einem Teil der Dienstleistungsbetriebe, auch wenn die optimistischen Stimmen im Herbst noch in der Minderheit bleiben. In den vergangenen Monaten hat sich der Anteil der Unternehmen, die für die kommenden Monate von besser laufenden Geschäften ausgehen, von rund 14 Prozent auf 18 Prozent leicht erhöht. Gleichzeitig prognostizieren nur noch 21 Prozent der Dienstleister, dass sich ihre Geschäfte verschlechtern werden.
Zurückhaltend bleiben die Unternehmen hinsichtlich der Investitionsabsichten im Inland. 26 Prozent der teilnehmenden Unternehmen im Kammerbezirk planen für die kommenden Monate mit reduzierten Investitionen, 12 Prozent gänzlich ohne Neu-Investitionen im Inland. Bei 43 Prozent der Betriebe sollen die Investitionsausgaben auf Sicht von 12 Monaten gleichbleiben. Neben der Ersatzbeschaffung (66 Prozent) stehen insbesondere Investitionen in Digitalisierung (56 Prozent) und Innovationen (42 Prozent) im Vordergrund. Vorsichtig bleiben die Unternehmen auch im Hinblick auf die Planung der Beschäftigtenzahlen. 61 Prozent der Unternehmen wollen mit der aktuellen Mitarbeiterzahl in die kommenden zwölf Monate gehen. Die Zahl der Betriebe, die mit tendenziell fallenden Beschäftigtenzahlen rechnen, bleibt mit 28 Prozent gegenüber der Frühjahrsbefragung konstant.

Risiken der wirtschaftlichen Entwicklung

Bei den meistgenannten Risiken für die kommenden Monate dominieren bei den Unternehmen Energiepreise (61 Prozent), geopolitische Spannungen (56 Prozent) sowie Arbeitskosten (55 Prozent). Noch auf verhaltenem Niveau, dafür aber mit einer starken Zunahme der Nennungen gegenüber dem Frühjahr, zeigt sich das Thema Finanzierung. Von sechs Prozent auf 16 Prozent hat sich dieser Wert binnen Monaten fast verdreifacht. Im industriellen Bereich bleiben die Sorgen um die Rohstoffpreise weiter hoch (65 Prozent), im Handel sehen deutlich mehr Betriebe sorgenvoll auf die Inlandsnachfrage (63 Prozent) als noch im Frühjahr (50 Prozent). Auch wenn der Fachkräftebedarf der Unternehmen aktuell nachgelassen hat, so suchen die Unternehmen im Kammerbezirk aufgrund der demografischen Entwicklung weiter Fachkräfte. Bei 78 Prozent der suchenden Betriebe stehen dabei Fachkräfte mit einer abgeschlossen Berufsausbildung im Fokus, gefolgt von Fachwirtinnen und -wirten, Meisterinnen und Meister oder Personen mit einem anderen Weiterbildungsabschluss sowie Absolventinnen und Absolventen mit einem (Fach-)Hochschulabschluss.
Das Umfeld für die weitere konjunkturelle Entwicklung der Unternehmen bleibt weiter durch zahlreiche weltweite Krisen belastet. Privater Konsum und private Investitionsausgaben im Inland hinken auch deshalb hinter den Erwartungen zurück. Einem möglichen konjunkturellen Aufschwung fehlt es noch an Breite. Der von der Regierung geplante Impuls durch die expansiven finanzpolitischen Maßnahmen kommt bei den Unternehmen in der Region aktuell noch nicht an. Die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen am Standort muss deshalb klarer Fokus der Politik bleiben.

Zahlen und Daten

Wie Ihre Beteiligung zukünftig möglich ist
Wir freuen uns jederzeit über neue Unternehmensbeteiligungen. Welche Vorteile diese Ihnen bringen, haben wir für Sie in der Übersicht IHK-Konjunkturumfrage zusammengestellt.
Über den IHK-Konjunkturklimaindex:
Die IHK Hochrhein-Bodensee erhebt den IHK-Konjunkturklimaindex drei Mal im Jahr. Er wird als geometrisches Mittel aus den Salden der positiven und negativen Antworten auf die Fragen zur Lage und zur zukünftigen Entwicklung der Geschäfte berechnet. Die Konjunktur entwickelt sich tendenziell positiv, wenn der Klimaindex zunimmt. Nimmt er ab, verschlechtert sich hingegen tendenziell die wirtschaftliche Entwicklung. Zudem kann man feststellen, dass die Konjunktur umso besser läuft, je stärker der Index sich seinem Maximalwert von 200 annähert. Je näher er seinem Minimalwert von 0 kommt, desto schlechter steht es um die Konjunktur.