IHKplus. Das Magazin
Nr. 7211272
Cathedral and illuminated Hohenzollern bridge in Cologne, Germany
IHKplus 3.2026 | Titelthema

Brücken bauen!

Eine Umfrage, zwei Resolutionen und ein Ziel: Unsere Infrastruktur wieder fit für die Zukunft zu machen. Denn unsere Wirtschaft braucht eine funktionierende Infrastruktur. Was genau jetzt zu tun ist.
Text von Long Nguyen, Christopher Köhne, Tanja Wessendorf und Uwe Vetterlein
Mittwoch, 3. Juni 2026, 15 Uhr. Die Bonner Nordbrücke auf der A565 wird von einer Minute auf die andere vollständig gesperrt. Nicht nur für schwere Lkw. Nicht nur auf einer Fahrspur, sondern komplett. Die linksrheinische Vorlandbrücke und die Auffahrten und Rampen vor der markanten Strombrücke über den Rhein weisen so schwere Schäden auf, dass nicht einmal mehr Fußgänger auf die Brücke dürfen. Eine wichtige Verkehrsader unserer Region, über die zuvor täglich 100.000 Fahrzeuge rollten, fällt aus. Große Lkw, Lieferwagen, Pendlerinnen und Pendler, Handwerksunternehmen, Pflegedienste, andere Dienstleistende und Beschäftigte im Außendienst müssen sich neue Wege suchen. Der Verkehr verschwindet nicht, er verteilt sich – auf die A3, die A4, die A59, die A61, auf die Kölner Rheinbrücken und in die Städte Bonn und Köln.
Nur wenige Tage später verschärft sich auch die Lage am Eifeltor. Die dortige Überführung der A4 über die Eisenbahn weist bereits seit April 2025 Materialmängel auf. Am 10. Juni 2026 wird bei einer Kontrolle festgestellt, dass sich der Zustand des Bauwerks weiter verschlechtert hat. Die A4 wird buchstäblich über Nacht in Fahrtrichtung Olpe zeitweise für Lkw über 7,5 Tonnen gesperrt. Zwei kaputte Brücken sind eben nicht nur zwei lokale Verkehrsprobleme; vielmehr entsteht ein Stresstest für das gesamte Rheinland.
Diese Eskalation ist die Folge eines Missstands, auf den wir schon Anfang 2025 in unserem Magazin IHKplus hingewiesen haben. Es ging damals um das gerade beschlossene 500 Milliarden Euro schwere Schuldenpaket ("Sondervermögen") und die vielen Infrastruktur-Löcher, die mit dem Geld gestopft werden sollten. Trotz Sondervermögen ist in unserer Region seither wenig passiert. Wir hinken weiterhin dem Verfall hinterher, wie die Bonner Nordbrücke und die Situation am Eifeltor zeigen.

Umfrage: 1.012 Unternehmen machen die Zusammenhänge deutlich

Wer vor allem in Köln, Leverkusen, dem Rhein-Erft-Kreis, dem Rheinisch-Bergischen oder dem Oberbergischen Kreis zu tun hat, könnte zunächst denken: Bonn ist weit weg – das betrifft uns nicht. Aber weit gefehlt, wie die Ergebnisse unserer Umfrage zeigen. Die IHK Köln wollte wissen, was die Sperrungen im betrieblichen Alltag tatsächlich bedeuten.

Brücken-Umfrage

1012 Unternehmen haben geantwortet
67.5 %
sind direkt oder indirekt von der
Bonner Nordbrücke betroffen
57.4 %
sind durch die Situation am Eifeltor
betroffen
60 %
sehen eine Belastung für Beschäftigte
durch längere Pendelzeiten
oder Verkehrsstörungen
33 %
melden starke oder sehr starke
Auswirkungen auf Liefertermine
38.1 %
berichten von starken
Kostenfolgen
60 %
sehen die Kölner Rheinbrücken
und die A4 als Belastung

Unternehmen improvisieren – jeden Tag

Die Unternehmen warten nicht, bis die Infrastruktur wieder funktioniert. Sie reagieren. Mehr als die Hälfte der antwortenden Unternehmen nutzt andere Routen oder plant zusätzliche Zeitpuffer ein. Sie verlegen Abfahrten auf frühere oder spätere Uhrzeiten. Andere passen Arbeitszeiten und Schichten an, stimmen sich eng mit Kundschaft und Lieferunternehmen ab oder ermöglichen mehr Homeoffice. Diese Anpassungsfähigkeit ist eine Stärke der Unternehmen. Sie darf aber nicht mit einer dauerhaften Lösung verwechselt werden, nach dem Motto: Alles halb so schlimm. Denn das alles bedeutet zusätzlichen Aufwand, kostet Geld, erhöht die Preise und macht unsere Region als Wirtschaftsstandort unattraktiv.
Das Schlimmste: die Unberechenbarkeit. Weil wir immer noch dem Sanierungsstau hinterherlaufen, werden weitere "überraschende" Sperrungen folgen. Oft genug, wie etwa jetzt auch wieder beim Eifeltor, gibt es auch nach mehr als einem Jahr, seit die Mängel festgestellt wurden, keine transparente Planung für den Ersatzneubau. Hinzu kommt die Unberechenbarkeit des gesamten Verkehrsnetzes um Köln herum. Wegen der hohen Auslastung führt eine kleine Störung dazu, dass auf den einschlägigen Staukarten alles rot ist und nichts mehr geht.

Gibt es schon Fortschritte?

Bei der Bonner Nordbrücke ist inzwischen ein konkreterer Zeitplan erkennbar. Die beschädigte linksrheinische Vorlandbrücke wird seit Anfang August schrittweise abgebrochen. Der Abriss soll bis Mitte November abgeschlossen sein. Der Ersatzneubau soll noch 2026 vergeben werden; für den Bau sind zwei Jahre vorgesehen. Hier wird wirklich Gas gegeben. Die eigentliche Brücke wird aber erst im Laufe der 2030er-Jahre unter fließendem Verkehr erneuert. Das ist Bewegung, aber noch keine Entwarnung. Und die lange Zeit stimmt auch nicht hoffnungsfroh.
Auch am Eifeltor gibt es eine Zwischenlösung. Nach dem Einbau einer Schrankenanlage kann die Brücke seit Mitte Juli wieder von Lkw bis 44 Tonnen genutzt werden. Schwertransporte müssen weiterhin umgeleitet werden. Das entlastet die Situation, ersetzt aber keine dauerhafte Lösung. Staus sind aber nach wie vor Alltag.
Die Brückenkrise ist nicht über Nacht entstanden. Sie lässt sich auch nicht an einem Tag lösen. Die Antworten der Unternehmen zeigen aber, dass die Belastungsgrenze erreicht ist. Die Wirtschaft kann Umwege planen. Sie kann aber nicht dauerhaft um politische Versäumnisse herumfahren.
Resolutionen der IHK Köln

Mehr Tempo für bessere Verbindungen!

Herausforderungen sind dazu da, um angegangen zu werden. Und die Herausforderungen sind große. Deshalb hat der Ausschuss für Mobilität direkt zwei Resolutionen erarbeitet, die in der Vollversammlung diskutiert und beschlossen wurden: eine mit Blick auf die Brücken im Rheinland – und eine mit Blick auf die Brücken in Köln.
  1. Verkehrsinfarkt abwenden. Brücken sanieren. Jetzt handeln!
  2. Sanierung der Rheinbrücken beschleunigen und bis 2040 abschließen!

Mobilität und Logistik
Detaillierte Informationen, die Stimmen aus der Wirtschaft und mehr finden Sie in unseren Fachartikeln:
Long Nguyen
Verkehrspolitik, Logistik, Mobilität
Christopher Köhne
Verkehrspolitik, Logistik, Mobilität