Tag der Sicherheit, 23. Juni 2026

Sicherheit als Schlüsselkompetenz

Je unsicherer die Zeiten, desto wichtiger die Vorbereitung – das war das Motto unseres zweiten Tags der Sicherheit in der Alten Schalterhalle. Denn in Zeiten, in denen globale Krisen auch die Wirtschaft treffen, ist Sicherheit keine Nebensache, sondern eine wichtige Schlüsselkompetenz.
„Wir als IHK Köln haben schon lange einen Fokus auf Sicherheit gelegt“, machte IHK-Präsidentin Dr. Nicole Grünewald bei ihrer Begrüßung klar. Angesichts der vielen Krisen und Kriege haben Sicherheit und Resilienz in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen.
Finnland, die Schweiz und Polen sind derzeit am besten auf einen möglichen Krieg vorbereitet. Was muss geschehen, damit wir auch in Deutschland gut aufgestellt sind? Auf diese Frage gab der Tag der Sicherheit Antworten.

„Sicherheit ist ein wichtiger Bestandteil in der Unternehmensstruktur“

„Sicherheit ist längst kein Spezialthema mehr“, sagte IHK-Vizepräsident und Sicherheitsunternehmer Stefan Bisanz in einem Talk zu Beginn der Veranstaltung. Der Gedanke „Die Behörden kümmern sich schon“ habe keine Gültigkeit mehr. Stattdessen gelte: „Ein Unternehmer ist ein Unternehmer, weil er etwas unternimmt.“ Sicherheit müsse Teil der DNA aller Mitarbeitenden sein. Jede und jeder Einzelne sei an seinem Arbeitsplatz für Sicherheit verantwortlich. „Sicherheit ist ein wichtiger Bestandteil in der Unternehmensstruktur und kein notwendiges Übel. Man muss über Sicherheit reden und aufklären“, sagte Bisanz.
Der Kölner Unternehmer Manfred Lahr, Geschäftsführer der Display-Studio GmbH, berichtete in diesem Talk, dass er gelernt habe, wie wichtig Sicherheitsvorsorge ist – Dank des ersten Sicherheitstages der IHK Köln im November 2025! Er hatte in seinem Unternehmen sowohl einen Wasser- und einen Brandschaden. „Beim Sicherheitstag damals habe ich viel mitgenommen, so dass ich sofort am nächsten Tag in unserer Firma einen Sicherheitscheck durchgeführt und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sensibilisiert habe“, erzählt er. Seitdem gebe es nicht nur regelmäßige Wartungen und Schulungen, sondern auch einen gut sichtbaren Ordner mit Anweisungen, Fluchtwegen und Plänen, was in welchem Fall zu tun ist.

„Wir müssen uns in der Gesellschaft der Gefahren stärker bewusst werden“

Martin Zeidler, Abteilungsleiter Lagemanagement, Warnung und Internationales beim Bundesamt für Katastrophen- und Bevölkerungsschutz (BBK), sprach über verschiedene sicherheitspolitische Herausforderungen, Bedrohungslagen und Prävention, zum Beispiel die Manipulation von Kabeln und Alarmanlagen, Stromausfälle oder die Auswirkungen von Hitze auf Elektronik.
Er verdeutlichte außerdem, was es bedeuten würde, wenn die Nato an der Ostflanke angegriffen würde: Deutschland würde zur Drehscheibe. Zeidler: „Es mangelt nicht an Erkenntnisgewinn. Die Frage ist nur: Was machen wir daraus? Wir müssen uns in der Gesellschaft der Gefahren stärker bewusst werden.“

„Wir sind nicht im Krieg und nicht im Frieden“

Hans-Dieter Müller ist Brigadegeneral des Heeres der Bundeswehr und Kommandeur des Landeskommando NRW. Er sagte in seiner Keynote: „Man muss stark genug sein, um abzuschrecken, und dafür sind ein eine starke Wirtschaft und ein starkes Militär nötig.“ Deutschland befinde sich aktuell auch angesichts hybrider Kriegsfaktoren in einer Grauzone: „Wir sind nicht im Krieg und nicht im Frieden.“
Lange Zeit galt Krieg in Europa als undenkbar, die Bundeswehr wurde immer weiter heruntergefahren, bis 2016 der Tiefpunkt mit nur 165.600 Soldatinnen und Soldaten erreicht war. „Wach geworden sind wir erst 2022 zur Zeitenwende“, meint Müller. Ziel sei es nun, wieder kriegstüchtige Streitkräfte herzustellen, angefangen mit der Brigade Litauen, die derzeit im Aufbau sei. „Es geht hier um Abschreckung“, machte Müller deutlich.
Was heißt das für die Wirtschaft? „Es kommen Milliarden auf den Tisch, machen Sie sich vertraut mit der Auftragsvergabe innerhalb der Bundeswehr. Und machen Sie sich damit vertraut, wer von Ihren Mitarbeitenden in einer Blaulicht-Organisation tätig ist und im Krisenfall abgestellt werden muss“, gab Müller den Gästen mit auf den Weg.

„Kein Unternehmen ist zu klein, um von Hackern attackiert zu werden“

Wie wichtig auch die Sicherheit im Netz ist, machte Sebastian Barchniki von Digital.Sicher.NRW klar. Unternehmensinhaber müssten die Verantwortung für Cybersicherheit übernehmen und nicht auf das Prinzip Hoffnung setzen. Als allererstes müsse dafür folgender Satz in die Köpfe: „Kein Unternehmen ist zu jung, zu klein, zu unbedeutend oder zu unattraktiv, um von Hackern attackiert zu werden. Sobald Sie im Internet sind, sind Sie Teil eines globalen Netzwerks. Wenn ein Angreifer es schafft, sie von ihren Daten auszuschließen, dann hat er sie in der Hand.“ Ziel der Angriffe sei das Abschöpfen von Wissen, aber vor allem die Erpressung von Lösegeld. „Zahlen Sie nie Lösegeld“, schärfte Barchniki den Besucherinnen und Besuchern ein. Denn acht von zehn Unternehmen, die sich einmal für die Zahlung von Lösegeld entschieden haben, werden erneut angegriffen.
Betriebe sollten vor allem prüfen, welche technischen Maßnahmen wie etwa E-Mail-Filter und Passwort-Manager sie ergreifen können, damit die Mitarbeitenden nicht Opfer von Attacken werden.

„Politik darf Probleme nicht schönreden“

Die Rolle der Politik in der Sicherheitsvorsorge verdeutlichte Gregor Golland, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion NRW. Er sagt: „Sicherheit ist die Voraussetzung von Freiheit, Freiheit ist die Voraussetzung von Demokratie und am Ende von unserer Art zu leben. Politik darf Probleme nicht schönreden.”
Ein Erkenntnisproblem gebe es zwar nicht im Land, aber es hapere an der Umsetzung. Dabei müssten Probleme unbedingt klar und deutlich benannt werden, denn: „Unangenehme Dinge anzusprechen, ist die Grundvoraussetzung dafür, eine Lösung zu schaffen.“ Auch müsse der Staat selbstbewusst und stark auftreten, um sich Respekt zu verschaffen, zum Beispiel mit mehr Polizeipräsenz und der richtigen Ausstattung. Innere und äußere Sicherheit könne nicht mehr getrennt voneinander gedacht werden, aber Deutschland könne nicht alleine für seine Sicherheit sorgen. Golland: „Weltmeister in Moral, aber Kreisklasse in der Umsetzung. Das ist nicht gut, da werden sie nicht mehr ernst genommen in der Welt.“
Auf unserer Themenseite Sicherheit und Resilienz finden Sie viele weitere Informationen und einen Notfallvorsorgeplan zum Herunterladen.
Nicht verpassen: Der nächste Tag der Sicherheit findet am 9. November 2026 von 14.00 bis 17.00 Uhr statt. Hier geht es zu weiteren Informationen und zur Anmeldung.