AHK World Business Outlook Frühjahr 2026
Weltwirtschaft im Krisenmodus
Der Konflikt im Nahen Osten und die Blockade der Straße von Hormus treffen deutsche Unternehmen an ihren internationalen Standorten hart.
Über 4.500 auslandsaktive Unternehmen haben sich im Frühjahr 2026 an der Umfrage der Deutschen Auslandshandelskammern (AHKs) beteiligt – mit ernüchternden Ergebnissen: Die Konjunkturerwartungen rutschen deutlich ins Minus. Energiepreise steigen rasant, Lieferketten sind gestört, die Nachfrage bleibt unsicher.
“Die Hoffnung auf eine konjunkturelle Erholung hat sich zerschlagen. Der Krieg im Nahen Osten führt uns einmal mehr vor Augen, wie anfällig global verflochtene Wertschöpfungsketten sind.”, so Dr. Volker Treier, Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK).
Die Unternehmen reagieren mit Zurückhaltung: Investitionen werden gekürzt, Personalplanungen fallen vorsichtiger aus. Gleichzeitig passen die Betriebe ihre Strategien an und setzen zunehmend auf Diversifizierung von Lieferanten, Erschließung neuer Absatzmärkte und verstärkte lokale Produktion.
Lage leicht verbessert, Aussichten eingetrübt
In dieser Situation rechnen nur noch 21 Prozent der Unternehmen für die kommenden zwölf Monate mit einer besseren konjunkturellen Entwicklung an ihren internationalen Standorten, während 32 Prozent von einer Verschlechterung ausgehen.
Die aktuellen Zahlen zeigen aber auch: Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges im Nahen Osten sind noch nicht überall angekommen. Im Augenblick bewerten 39 Prozent der Betriebe ihre Lage als gut, 48 Prozent als befriedigend, 13 Prozent als schlecht. Damit hat sich die Lagebewertung gegenüber der Vorumfrage im Herbst im Durchschnitt nicht verschlechtert, sie fällt sogar etwas besser aus.
Wer ist besonders betroffen?
Bei den Erwartungen der Betriebe gibt es regional erhebliche Unterschiede: In China, den USA oder den Mercosur-Staaten blicken die Unternehmen aktuell vergleichsweise optimistisch auf die nächsten zwölf Monate, dagegen sind die Perspektiven in Asien und dem Nahen Osten deutlich eingetrübt.
Europa und Asien unter Druck
Eurozone: Nur 12 Prozent der Unternehmen erwarten eine bessere Konjunktur, 34 Prozent rechnen mit Verschlechterung. Italien ist besonders betroffen - das Land bezieht 35 Prozent seiner Erdgasimporte aus der Golfregion.
Asien-Pazifik (ohne China): 35 Prozent der Unternehmen sind pessimistisch. Länder wie Sri Lanka, Vietnam, Südkorea und Indien leiden unter hoher Energieimportabhängigkeit. In Vietnam sehen 80 Prozent der Unternehmen Lieferkettenstörungen als Geschäftsrisiko.
USA: Verhaltener Optimismus
Obwohl die USA Nettoölexporteur sind, bleiben die Konjunkturerwartungen negativ (minus 6 Saldopunkte). Handelspolitische Unsicherheiten und die Rolle als Konfliktpartei im Nahen Osten belasten. Dennoch: Deutsche Unternehmen bauen ihre US-Standorte aus, um von “local for local”-Produktion zu profitieren.
China: Resilient, aber exportabhängig
China zeigt sich vergleichsweise stabil. Diversifizierte Ölimporte, strategische Reserven und deflationäre Tendenzen dämpfen kurzfristige Preisschocks. Dennoch: Die hohe Exportabhängigkeit bleibt ein Risiko. Die Konjunkturerwartungen liegen immerhin bei 2 Saldopunkten (Herbst 2025: minus 25 Punkte).
Süd- und Mittelamerika: Lichtblick dank Mercosur-Abkommen
10 Saldopunkte bei den Konjunkturerwartungen - die Region profitiert von der geografischen Distanz zur Golfregion, eigenen Ölvorkommen und dem Mercosur-.Abkommen. 33 Prozent der Unternehmen erwarten eine Verbesserung, nur 23 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung.
Golfregion: Geschäftslage bricht ein
In den Vereinigten Arabischen Emiraten fällt die Lagebewertung von 60 auf 8 Saldopunkte. Mitarbeiterentsendungen werden durch Sicherheitsrisiken erschwert.
Top-Risiko: Energiepreise
Infolge des Nahost-Konflikts gewinnt das Geschäftsrisiko “Energiepreise” drastisch an Bedeutung: 46 Prozent der Unternehmen blicken mit Sorge auf die Preisentwicklung bei Öl, Gas & Co. - mehr als doppelt so viele wie in der Vorumfrage. Auf Platz zwei und drei der Geschäftsrisiken rangieren die Nachfrage (44 Proznt) und die Wirtschaftspolitik (42 Prozent) mit jweils etwas weniger Nennungen als im Herbst 2025. Deutlich besorgter als zuvor sind die Unternehmen dagegen mit Blick auf Lieferkettenstörungen (40 Prozent) und steigende Rohstoffpreise (37 Prozent).
Wie Betriebe gegensteuern
Die Unternehmen reagieren auf die zunehmenden geopolitischen Herausforderungen mit Maßnahmen zur Stärkung ihrer Resilienz. Zwei Drittel bauen ihr Lieferantennetzwerk aus oder planen dies. 76 Prozent setzen auf die Erschließung neuer Auslandsstandorte, 46 Prozent berichten von erhöhten Investitionen vor Ort.
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Den kompletten Report können Sie hier herunterladen: AHK WBO Frühjahr 2026
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