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Endlose Planungen statt Fortschritt: Wo bleibt die Mittelrheinbrücke?
Seit Jahrzehnten wird über die Mittelrheinbrücke diskutiert – realisiert ist sie bis heute nicht. Zwar wurde mit dem positiven raumordnerischen Entscheid im Jahr 2023 ein wichtiger Schritt erreicht, doch konkrete Fortschritte sind seitdem ausgeblieben.
Statt verbindlicher Zeitpläne gibt es weiterhin Variantenprüfungen, Gutachten und neue Abstimmungen. Selbst Daniela Schmitt, Ministerin für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau des Landes Rheinland-Pfalz, bezeichnete kürzlich das Jahr 2030 als „vermutlich unrealistisch“.
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„Ich erlebe täglich, wie wichtig leistungsfähige Verkehrsverbindungen für unsere Unternehmen und Beschäftigten sind. Die Mittelrheinbrücke wäre ein Meilenstein für Mobilität, Wirtschaft und Lebensqualität in unserer Region. Wir brauchen jetzt Tempo bei Planung und Umsetzung – damit Rheinland-Pfalz diese große Chance nicht verpasst.“
Hildegard Kaefer, Geschäftsführende Gesellschafterin Kaefer GmbH & Co. KG, Sohren, und Vizepräsidentin der IHK Koblenz
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Dabei ist der Bedarf offensichtlich: Zwischen Mainz und Koblenz gibt es auf 80 Rheinkilometern keine Brückenverbindung. Diese „Brückenlücke“ belastet nicht nur die ansässigen Unternehmen, sondern auch Pendlerinnen und Pendler sowie die touristische Entwicklung der Region. Wertschöpfung, Arbeitsplätze und die Anbindung ganzer Wirtschaftsstandorte werden dadurch in ihrer Entwicklung beeinträchtigt.
„Die Entscheidung für den Standort zwischen St. Goar-Fellen und St. Goarshausen-Wellmich ist längst gefallen“, sagt Fabian Göttlich, Geschäftsführer Interessenvertretung der IHK Koblenz. „Dennoch verliert sich das Projekt in Detailfragen insbesondere zur Welterbeverträglichkeit und weiteren Auflagen.“ Diese Aspekte sind zweifellos wichtig – doch sie dürfen nicht zur Dauerschleife werden, die jede Verlässlichkeit verhindert. Statt Stillstand braucht es nun eine klare Priorisierung und die politische Bereitschaft, Entscheidungen verbindlich zu treffen. Ohne klare Zielmarken, feste Zuständigkeiten und eine gesicherte Finanzierung rückt die Brücke immer weiter in die Ferne.
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„Es liegen Jahrzehnte endloser Debatten und Verzögerungen hinter uns, in denen Fortschritt nur auf dem Papier stattgefunden hat. Landes- und Kreispolitik müssen endlich gemeinsam die Lösung zu Bau und Finanzierung vereinbaren. Unsere Region verdient eine klare Perspektive und handfeste Ergebnisse!“
Arne Rössel, Hauptgeschäftsführer der IHK Koblenz
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Die IHK Koblenz fordert deshalb einen verbindlichen Fahrplan, klare Zuständigkeiten und die Klärung der Finanzierung für Bau und Unterhalt der Brücke. Als erster Schritt muss die jüngst angekündigte kleinteilige Variantenuntersuchung schnellstmöglich abgeschlossen werden. Im Anschluss ist das Planfeststellungsverfahren einzuleiten, um Baurecht zu schaffen und das Projekt endlich auf den Weg zu bringen.
Kontakt
Fabian Henn
Referent Regionalentwicklung, Verkehrsinfrastruktur, Planung (Interessenvertretung)