IHK-Journal KOMPAKT
Nr. 6781948
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Unternehmensservice - Ausgabe 11-12/2025

Gründen als Motor der Wirtschaft

Mit dem Programm „Start.in.RLP“ unterstützt Rheinland-Pfalz Menschen mit Gründungsvorhaben. Die IHK Koblenz ist Netzwerkpartnerin. Zurzeit begleitet sie fünf Gründungsstipendiatinnen und -stipendiaten bei ihrer beginnenden Selbstständigkeit.
Autor: Lothar Schmitz
Existenzgründungen gelten als Motor der Wirtschaft. „Ohne Gründungen verschlechtert sich die Angebotsvielfalt“, heißt es etwa im „KfW-Gründungsmonitor 2025“ der KfW Bankengruppe, sie „halten den Mittelstand am Laufen“, führen zu effizientem Wirtschaften, schaffen Arbeitsplätze und „verbreiten Innovationen.“ Deshalb fördert das Land Rheinland-Pfalz Menschen mit Gründungsabsicht, zum Beispiel mit dem Gründungsstipendium „Start.in.RLP“. Handelt es sich um Gründungsvorhaben im Segment der gewerblichen Wirtschaft, dann stehen die vier rheinland-pfälzischen Industrie- und Handelskammern den Gründungsstipendiatinnen und -stipendiaten zur Seite. Die IHK Koblenz begleitet derzeit fünf Nachwuchsunternehmerinnen und -unternehmer, die wir hier vorstellen. Außerdem: ein Interview mit Christina Schwardt, Regionalgeschäftsführerin der IHK Koblenz für den Landkreis Birkenfeld.

Café maje, Idar-Oberstein

Von dem Objekt in bester Zentrumslage von Oberstein waren Luisa Bernard und Michael Winter sofort begeistert. „Ein Sechser im Lotto“, sagt Winter. Der gebürtige Idar-Obersteiner kehrte vor einem Jahr in seine Heimat zurück, um dort mit seiner Freundin Luisa Bernard ein Café zu gründen. Beide wollten sich selbstständig machen, und beide fanden, dass Oberstein ein modernes Café mit hochwertigem Kaffee und veganem Speisenangebot vertragen könne. Im Herbst 2024 wurden sie auf ein Angebot der Wirtschaftsförderung aufmerksam: Der Eigentümer des ehemaligen Konsumgut-Ladens, 2019 kernsaniert, wollte das Ladenlokal vermieten und war offen für ein gastronomisches Angebot. Und so wurden der 30-jährige Umwelt- und Betriebswirt und seine 26-jährige Freundin, die Culinary Management studiert und schon in Saarbrücken Café-Erfahrung gesammelt hat, zu Gründenden.
Mit einem Kredit ihrer Hausbank und dem Gründungsstipendium „Start.in.RLP“ gingen sie ans Werk und eröffneten im Frühjahr 2025 das Café maje. Im Fokus: Frühstück. In allerlei auch ungewöhnlichen Variationen, den ganzen Tag lang, von 9 – 17 Uhr. „Hier haben wir echt eine Lücke geschlossen“, sagt Bernard. Ihre Gäste sind junge Mütter mit Kindern und Studierende, Menschen, die in der Stadt arbeiten und sich in ihrer Pause stärken wollen, ältere Leute, Touristen.
„Unser Angebot kommt offenbar an, unsere Umsatzplanung fürs erste Halbjahr wurde übertroffen“, erzählt Winter. Ab diesem Herbst wollen sie mittags auch Suppen anbieten, zudem denken sie darüber nach, auch abends zu öffnen, etwa für Veranstaltungen. Während Winter noch eine halbe Stelle am Umwelt-Campus in Birkenfeld hat, konzentriert sich Bernard ganz aufs Geschäft. Schon jetzt besteht ihr Team aus einer Teilzeit-Angestellten, einer Werkstudentin und zehn Minijobbenden. „Es ist toll, dass wir so einen guten Start hinlegen konnten“, sagt Winter. Das habe auch mit dem guten Coaching durch die IHK zu tun. „Die Entwicklung immer wieder mit jemandem durchzusprechen, hilft enorm.“

COPETEC UG, Neustadt

Auch in Neustadt an der Wied hat sich ein Gründungsduo zusammengefunden: Die beiden MBA-Absolventen Jan Anhäuser (Sportmanagement) und Manuel Minnich (Betriebliches Gesundheitsmanagement) riefen dort 2024 ihr Unternehmen COPETEC ins Leben, um Gesundheit unabhängig von Zeit und Ort für jeden zugänglich zu machen. Ihr Kernprodukt: Präventionskurse nach Paragraf 20 SGB V. Mit einer Besonderheit: Es handelt sich um Online-Kurse. Dazu entwickelten die beiden vom Land Rheinland-Pfalz geförderten Gründer digitale Kurse und ein dazugehöriges Kursportal. In Videos werden sämtliche Übungen erklärt und aus mehreren Kameraperspektiven gezeigt, so dass man die Übung zu Hause oder im Büro fehlerfrei absolvieren kann. Dazu gibt es To-do-Listen, Aktivitätspläne und Infoblätter mit Gesundheitswissen. Die Kurse sind offiziell zertifiziert. Ein Kurs mit acht aufeinander aufbauenden Trainingseinheiten kostet 99 Euro. Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten diesen Betrag nach vollständigem Abschluss des Kurses bis zu 100 Prozent.
Portrait Manuel Minnich
Portrait Jan Anhäuser
Manuel Minnich (li.) und Jan Anhäuser - die Gründer von COPETEC wollen Gesundheit ortsunabhängig mit digitalen Kursen und flexiblen Trainingsangeboten zugänglich machen.
Zweiter Geschäftszweig sind Online-Kurse nach Paragraf 20 SGB V, die Firmen im Rahmen ihres Betrieblichen Gesundheitsmanagements anbieten können. „Wir haben dazu unter anderem einen Digitalkurs ‚RückenFit digital‘ entwickelt, für den wir derzeit einige Unternehmenskunden suchen, die Interesse daran haben, unser digitales Kursportal in einer Pilotphase zu testen“, erzählt Minnich. Begleitet werden er und sein Mitgründer von Kristina Kutting, Regionalgeschäftsführerin der IHK Koblenz im Landkreis Neuwied.

Sonovia, Montabaur

Der jüngste derzeit von der IHK Koblenz im Rahmen des Gründungsstipendiums begleitete Nachwuchsunternehmer hat dieses Jahr Abitur gemacht; in Montabaur, am Landesmusikgymnasium Rheinland-Pfalz. Musik ist Roman Althofs Leidenschaft: Er spielt Posaune und Gitarre und ist Mitglied des Jugendjazzorchesters Rheinland-Pfalz. Nun, mit 19, ist er dabei, auch eine berufliche Leidenschaft daraus zu machen. Aus eigener Erfahrung weiß Althof: Wer heute mit seiner E-Gitarre irgendwo auftritt, muss einen Verstärker und weiteres Equipment im Gepäck haben – und braucht einen Stromanschluss. Bei elektronischer Übungssoftware störte Althof sich aber daran, dass ihm oft die nötigen Schnittstellen zu Handy, Laptop oder Interface fehlten.
So kam er auf seine Geschäftsidee: Althof ersann eine technische Gesamtlösung aus akkubetriebenem Sender an der E-Gitarre und kleinem Empfänger mit mehreren Ausgängen. Der Empfänger ist mit Handy oder PC verbunden, über die sich alle Sounds auswählen lassen. Die Übertragung erfolgt kabellos über einen Funk-Chip. „Schließt man den Empfänger an eine Box an, kann man die E-Gitarre ohne Kabel und Verstärker einsetzen“, erklärt der Gründer, „hat volle Flexibilität und trotzdem alle Funktionen – nur eben digital.“ Genaueres will er nicht preisgeben, denn derzeit arbeitet er mit einem Patentanwalt daran, seine Erfindung schützen zu lassen, da dürfen keine Details nach außen dringen. Soeben hat er an der WHU in Vallendar ein Studium „International Business Management“ begonnen. Parallel will er mit seiner Gründung vorankommen.
Gründungsstipendium Rheinland-Pfalz
Mit dem Förderprogramm „Start.in.RLP“ will die Landesregierung Gründenden ermöglichen, ihr Vorhaben zu konkretisieren und sie dabei unterstützen, ihre Geschäftsidee in einem innovativen Technologiebereich oder in Bezug auf neue Dienstleistungen, Geschäftsmodelle sowie in der Produktion weiterzuentwickeln und zum Erfolg zu bringen. Die Förderung besteht aus einem Zuschuss an die einzelnen Stipendiaten, der nicht zurückgezahlt werden muss. Der maximale Zuschuss beträgt 1.000 Euro pro Gründendem pro Monat für längstens ein Jahr. Begleitet wird das Programm von einem kostenlosen Coaching durch einen akkreditierten Netzwerkpartner. Einer davon ist die IHK Koblenz mit ihren Regionalgeschäftsstellen. Diese helfen auch bei der ersten Orientierung zum Antrag und prüfen die Förderfähigkeit.
Darüber hinaus erhalten die Gründenden die Gelegenheit, sich in Gründungsnetzwerken auszutauschen, werden durch diese eng begleitet und erhalten Workshops zu gründungsrelevanten Spezialthemen von national etablierten Gründern.
Weitere Informationen auf gruenden.rlp.de/startinrlp oder unserer Webseite.

„Ein Coaching, das ankommt.“



Drei Fragen an Christina Schwardt, Regionalgeschäftsführerin der IHK Koblenz für den Landkreis Birkenfeld

Frau Schwardt, Sie begleiten für die IHK-Regionalgeschäftsstelle im Landkreis Birkenfeld das Gründerduo Luisa Bernard und Michael Winter. Was ist Ihre Aufgabe?
Die beiden waren bei mir zur Gründungsberatung. Dabei habe ich sie auf das Förderprogramm aufmerksam gemacht und auch gleich überprüft, ob die Förderkriterien zutreffen. Anschließend habe ich ihren Businessplan geprüft und Tipps gegeben, an welchen Stellen sie noch nachbessern sollten.
Was war Ihr erster Eindruck von den beiden Gründenden?
Beide waren äußerst gut vorbereitet, weshalb ich mich auch schnell davon überzeugen konnte, dass ihr Gründungskonzept Hand und Fuß hat. Die Unterlagen waren toll aufbereitet. Mit ihrer Gründung füllen sie in Oberstein eine Lücke, das ist ein Gewinn für die Stadt. Deshalb habe ich die Landesförderung für beide befürwortet und sie bei der Antragstellung unterstützt.
Für die Dauer des Gründungsstipendiums, also ein Jahr lang, bleiben Sie sozusagen an der Seite der Gründenden. Worauf kommt es dabei an?
Gerade am Anfang einer Gründung lauern zahlreiche Fallstricke. Gründende müssen sich mit rechtlichen und steuerlichen Fragen befassen, mit Wareneinkauf, Vertrieb, Marketing und Controlling. Das ist wahnsinnig anspruchsvoll. Deshalb führen wir alle drei Monate ein Statusgespräch. Wir schauen dann gemeinsam, was und wie es läuft, und wo es eventuell hakt. Und vereinbaren „Hausaufgaben“ für das nächste Treffen, beispielsweise die Aufbereitung von Kennzahlen. Von Wareneinsatz bis Personal gehen wir dann alles gemeinsam durch. Ich gebe aber auch Tipps, wie sich die Gründerinnen und Gründer vernetzen können. Kurz gesagt: Ich begleite, berate und ermutige – genau das ist unsere Aufgabe als IHK, damit die Gründung nicht nur gelingt, sondern Bestand hat.
Sonja Kern

Unternehmensgründung, -sicherung, -nachfolge (Geschäftsbereich Unternehmensservice)