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Mehr Praxis, mehr Verantwortung
Aus dem bisherigen Abschluss „Geprüfte/r Fachwirt/in für Versicherungen und Finanzen“ wird der „Bachelor Professional in Versicherungen und Finanzanlagen“. Die neue Fortbildungsordnung soll die höhere Berufsbildung stärker an den Anforderungen der Branche ausrichten – von Beratung und Digitalisierung bis hin zu Führung und Prozessverständnis. Dirk Lescher, Vorsitzender des Prüfungsausschusses und Führungskraft eines großen Koblenzer Versicherungsunternehmens, erklärt, was sich ändert, welche Kompetenzen künftig zählen und warum der neue Abschluss für Fachkräfte und Unternehmen relevant ist.
Herr Lescher, was verändert sich durch die Neuordnung?
Die Neuordnung ist ein wichtiger Schritt, um die berufliche Weiterbildung in der Versicherungsbranche zukunftsfähig aufzustellen. Das Qualifikationsprofil orientiert sich künftig noch stärker an den Anforderungen einer modernen Arbeitswelt. Der neue Abschluss „Bachelor Professional in Versicherungen und Finanzanlagen“ steht weiterhin für eine anspruchsvolle berufliche Fortbildung, macht aber zugleich die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildungswege sichtbarer.
Inhaltlich geht es nicht nur um reines Fachwissen, sondern auch um die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte zu analysieren, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Die Anforderungen an Führung, Beratung, Digitalisierung und kundenorientierte Lösungen haben deutlich zugenommen. Diese Entwicklung greift die neue Fortbildungsordnung auf.
Wichtig ist außerdem, dass Praktikerinnen und Praktiker aus den Versicherungsunternehmen aktiv an der Neuordnung mitgewirkt haben. Die Fortbildungsordnung baut konsequent auf dem Berufsbild Kaufmann beziehungsweise Kauffrau für Versicherungen und Finanzanlagen auf.
Was ist die wichtigste Neuerung gegenüber der bisherigen Fachwirtprüfung?
Die wichtigste Neuerung ist die stärkere Ausrichtung auf berufliche Handlungskompetenz. Auch die bisherige Fachwirtprüfung war bereits praxisorientiert. Die neue Prüfung rückt aber noch stärker in den Mittelpunkt, wie Wissen in konkreten beruflichen Situationen angewendet wird.
Die Absolventinnen und Absolventen sollen nicht nur fachliche Zusammenhänge verstehen, sondern eigenständig Lösungen entwickeln, Entscheidungen vorbereiten und Verantwortung übernehmen können. Hinzu kommt: Der Abschluss beinhaltet die vollständige Anerkennung der Ausbildereignung gemäß AEVO und berechtigt damit zur Wahrnehmung von Ausbilderaufgaben.
Welche Kompetenzen werden künftig besonders wichtig?
Neben fundiertem Fachwissen gewinnen übergreifende Kompetenzen an Bedeutung. Dazu gehören analytisches Denken, ganzheitliche Beratung, digitale Kompetenz sowie Prozess- und Organisationsverständnis. Kundinnen und Kunden erwarten individuelle, digitale und zunehmend nachhaltige Lösungen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen durch Regulierung und gesellschaftliche Entwicklungen.
Die neue Prüfung bildet diese Anforderungen ab, indem sie Themen stärker miteinander verknüpft. Im Mittelpunkt steht die Fähigkeit, komplexe Aufgabenstellungen eigenständig zu bearbeiten und auf reale berufliche Situationen zu übertragen. Der „Bachelor Professional in Versicherungen und Finanzanlagen“ steht damit für eine Kombination aus Fachkompetenz, unternehmerischem Denken und persönlicher Handlungskompetenz.
Worauf sollten sich Teilnehmende in der Vorbereitung besonders konzentrieren?
Eine gute Vorbereitung sollte über das reine Lernen von Fachinhalten hinausgehen. Entscheidend ist, Zusammenhänge zu verstehen und Wissen auf praktische Situationen übertragen zu können. Teilnehmende sollten deshalb regelmäßig mit Fallbeispielen arbeiten, eigene Lösungsansätze entwickeln und aktuelle Entwicklungen der Branche im Blick behalten.
Darüber hinaus empfehle ich, die eigenen Kommunikations- und Präsentationsfähigkeiten zu trainieren. In der Versicherungsbranche wird es immer wichtiger, komplexe Sachverhalte verständlich zu erklären und unterschiedliche Interessen zusammenzuführen.
Wer die Prüfung erfolgreich absolvieren möchte, sollte die Fortbildung nicht nur als Prüfungsvorbereitung sehen, sondern als Chance, die eigene berufliche Handlungskompetenz weiterzuentwickeln. Das Angebot an Qualifizierungsmöglichkeiten ist vielfältig. Im Kammerbezirk Koblenz haben wir insbesondere mit dem Berufsbildungswerk der Deutschen Versicherungswirtschaft, kurz BWV, sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Vorbereitung wird dort sowohl online als auch in Präsenz angeboten.
Was macht einen guten Bachelor Professional heute aus?
Ein guter Bachelor Professional in Versicherungen und Finanzanlagen verbindet fundiertes Fachwissen mit der Fähigkeit, dieses Wissen verantwortungsvoll in der Praxis einzusetzen. Er oder sie versteht Kundenbedürfnisse, erkennt wirtschaftliche Zusammenhänge und entwickelt Lösungen, die fachlich überzeugen und langfristig tragfähig sind.
Ebenso wichtig ist die Offenheit für Veränderungen. Digitalisierung, Nachhaltigkeit und neue Geschäftsmodelle verändern die Branche dauerhaft. Der neue Abschluss steht somit für moderne Professionalität: Fachkompetenz, Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit, Menschen und Prozesse erfolgreich weiterzuentwickeln. Aus Sicht der Praxis liegt genau darin der Mehrwert dieser Qualifizierung. Sie vermittelt Kompetenzen, die Unternehmen heute und künftig benötigen, und kann zugleich ein Sprungbrett für verantwortungsvolle Fach- und Führungsaufgaben sein.
Zur Person
Dirk Lescher ist Hauptabteilungsleiter und Prokurist bei der Debeka Allgemeine Versicherung AG in Koblenz. Seit 30 Jahren ist er für die Debeka tätig. Seine berufliche Laufbahn begann er mit einer Ausbildung zum Versicherungskaufmann; anschließend absolvierte er die Weiterbildungen zum Versicherungsfachwirt (IHK) und zum Versicherungsbetriebswirt (DVA).
Seit mehr als 20 Jahren engagiert sich Lescher ehrenamtlich bei der IHK Koblenz – zunächst als Prüfer, zuletzt als Vorsitzender des Prüfungsausschusses für angehende Versicherungsfachwirte. Künftig begleitet er auch die Abschlussprüfungen im neuen Bachelor Professional für Versicherungen und Finanzanlagen.
Seit mehr als 20 Jahren engagiert sich Lescher ehrenamtlich bei der IHK Koblenz – zunächst als Prüfer, zuletzt als Vorsitzender des Prüfungsausschusses für angehende Versicherungsfachwirte. Künftig begleitet er auch die Abschlussprüfungen im neuen Bachelor Professional für Versicherungen und Finanzanlagen.
Kontakt
Laura Baukelmann
Koordination Weiterbildung (Geschäftsbereich Aus- und Weiterbildung)
Iris Kiehl
Koordination Weiterbildung (Geschäftsbereich Aus- und Weiterbildung)