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Brücken unter Druck
Die Rahmedetalbrücke bei Lüdenscheid, die Carolabrücke in Dresden und aktuell die Bonner Nordbrücke zeigen: Marode Brücken sind bundesweit Thema – auch im nördlichen Rheinland-Pfalz stehen zahlreiche Bauwerke vor der Sanierung oder einem Ersatzneubau. Viele stammen aus den 1950er- bis 1970er-Jahren, als die heutigen Verkehrsmengen nicht absehbar waren. Für Unternehmen sind intakte Rhein- und Moselquerungen jedoch entscheidend: für Pendler, Lieferketten und die Erreichbarkeit von Standorten.
Ein Überblick über die wichtigsten Bauten und Baustellen in der Region
1. A 48: Rheinbrücke Bendorf
Die 1965 erbaute Brücke zeigt trotz Fahrbahnsanierung 2019/2020 deutliche Alterserscheinungen. Ein Ersatzneubau ist langfristig geplant, eine Machbarkeitsstudie favorisiert eine trassennahe Lösung. Als einzige Autobahn-Rheinquerung zwischen Bonn und Koblenz verbindet sie den Westerwald, das Neuwieder Becken und das linke Rheinufer. Für 2027 sind zunächst Arbeiten an Lagern und Pfeilern geplant.
2. A 61: Moseltalbrücke
Mit 136 Metern Fahrbahnhöhe zählt sie zu den höchsten Autobahnbrücken Deutschlands und verbindet als Nord-Süd-Achse Hunsrück und Eifel. Eine Bauwerksprüfung stellte erhebliche Ermüdungserscheinungen an den Stahlverbindungen fest. Seither gelten Tempolimits, Mindestabstände für Lkw und ein Verbot für Großraumund Schwertransporte mit mehr als 44 Tonnen. Ein Neubau ist jedoch frühestens ab 2034 vorgesehen.
4. B 9: Europabrücke
Rund 100.000 Fahrzeuge täglich machen sie zur wichtigsten Verkehrsachse in Rheinland-Pfalz. Beide Bauwerke, Westbrücke (1954) und Ostbrücke (1974), erfüllen die heutigen Tragfähigkeitsanforderungen nicht mehr. Bei der Westbrücke gilt ein Ersatzneubau als weitgehend beschlossen; ein frühester Baubeginn ist 2032 möglich. Bei der Ostbrücke soll eine Modellierung, deren Ergebnisse Ende 2026erwartet werden, klären, ob eine Sanierung ausreicht. Die Stadt Koblenz kalkuliert mit bis zu 325 Millionen Euro.
6. Pfaffendorfer Brücke
Der Ersatzneubau ist eines der größten Bauvorhaben der Koblenzer Stadtgeschichte. Die Rheinquerung hat das Ende ihrer technischen Lebensdauer erreicht. Rund 40.000 Fahrzeuge nutzen sie täglich. Gebaut wird parallel zum Bestand, damit die Beeinträchtigungen möglichst gering bleiben. Die Fertigstellung des 180 Millionen Euro teuren Brückenprojekts ist für 2029 geplant.
7. B 327: Südbrücke (Südtangente Koblenz)
Mit rund 45.000 Fahrzeugen täglich verbindet die Südbrücke Hunsrück, B 9, B 42 und B 49. Die Hochstraße Oberwerth und Hangbrücke Laubachtal werden bis 2027 schrittweise saniert, danach folgen Arbeiten an der eigentlichen Brücke. Ein Ersatzneubau ist derzeit noch nicht vorgesehen.
Handlungsbedarf bei Planung und Finanzierung
Die zahlreichen Sanierungs- und Neubauvorhaben zeigen den hohen Handlungsdruck bei der Verkehrsinfrastruktur in der Region. Aus Sicht der IHK Koblenz braucht es deshalb verlässliche Rahmenbedingungen, damit dringend erforderliche Projekte schneller umgesetzt werden können. Die IHK begrüßt das Infrastruktur-Zukunftsgesetz, das Brückenersatzneubauten künftig als Vorhaben von überragendem öffentlichem Interesse einstuft und damit Genehmigungsverfahren beschleunigt. Damit dieser Schub auch bei den Brücken in der Region ankommt, braucht es jedoch mehr: eine klare Prioritätenliste, frühzeitige und planbare Finanzierungszusagen, zukunftsfeste Tragfähigkeit für Schwerlastverkehr, eine zügige Umsetzung der Planungen sowie transparente Informationen für Unternehmen sowie Pendlerinnen und Pendler.
Kontakt
Fabian Henn
Regionalentwicklung, Verkehrsinfrastruktur, Planung (Interessenvertretung)