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Marillenknödel an der Ahr
Fünf Jahre nach der verheerenden Flutkatastrophe an der Ahr ist längst noch nicht alles wieder aufgebaut. Dennoch gibt es viel Positives zu berichten. Unter anderem vom Gasthaus „SEPP“, einer spannenden Neueröffnung in Dernau.
Autor: Lothar Schmitz
Mit dem Slogan „We AHR open“ wirbt der Verein Ahrtal-Tourismus um Gäste. Seit einigen Wochen können auch Franziska Schnitzler und ihr Team stolz rufen: „Wir haben geöffnet!“ Anfang April ging die Hotelfachfrau in Dernau mit dem Gasthaus Sepp an den Start.
Das „Sepp“ ist in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich. Mit seinen 14 Zimmern ist es laut Franziska Schnitzler das einzige Hotel in Dernau. Zudem weicht das kulinarische Konzept vom Üblichen ab:
„Wir verbinden Ahrtaler mit österreichischer Küche“,
erzählt sie und verweist etwa auf die Marillenknödel oder den Kaiserschmarrn auf der Karte.
Das hat mit ihrem Lebensgefährten Michael Seer zu tun, der aus dem Salzburger Land stammt. Ungewöhnlich ist auch der Name:
„Wir haben unser Gasthaus nach unserem Sohn benannt, der fünf Tage alt war, als wir Anfang des Jahres das Haus gekauft haben“, sagt Schnitzler.
Die Dernauerin stammt aus einer Gastro-Familie, ihre Eltern betrieben den bei der Flutkatastrophe völlig zerstörten „Kölner Hof“. Auch im benachbarten „Hotel Rebstock“ hatte das Wasser anderthalb Meter hoch im ersten Obergeschoss gestanden. Der Alteigentümer baute alles wieder auf, begab sich dann aber aus Altersgründen auf Nachfolgesuche. Franziska Schnitzler erfuhr davon, sprach mit ihm – und schnell reifte der Plan, das Hotel zu übernehmen. Zwei IHK-Lotsen begleiteten sie bei der Erstellung eines Businessplans und bei der Unternehmensübergabe.
So wurde aus dem „Rebstock“ der „Sepp“ – und die Ahr hat wieder einen Gastrobetrieb mehr. „Ich wollte mir schon immer was Eigenes aufbauen und damit zugleich am liebsten in Dernau bleiben“, freut sich die junge Gastronomin, „das hat geklappt.“
Doch wie war das beim Start an einer Stelle, wo knapp fünf Jahre zuvor das Wasser alles zerstört hatte? Hatte sie Angst? „Nein“, stellt Franziska Schnitzler klar. „2021 war schlimm, doch ich habe damit abgeschlossen, es hinter mir gelassen“, sagt sie.
„Als Unternehmerin bin ich zuversichtlich – sonst müsste man wegziehen und woanders etwas aufbauen. Ich will aber, dass es hier, in meiner Heimat weitergeht!“
Events und Angebot locken Gäste ins Ahrtal
Die Voraussetzungen dafür seien gut. „Der Ahr-Radweg wird bald wieder komplett hergestellt sein, das wird den Tourismus beflügeln“, glaubt die Unternehmerin. Auch Events wie der „Tag der offenen Weinkeller“ und der „Weinfrühling Mittelahr“ helfen ihrer Beobachtung nach sehr, dass wieder mehr Menschen kommen. Mit ihrem Hotel- und Restaurantangebot trägt sie ebenfalls zur Belebung bei. Zudem planen Franziska Schnitzler und Michael Seer im Sommer Grillabende mit Live-Musik von Bands aus der Region und kulinarische Events.
„Aber nicht nur für Touristen“, stellt sie klar, „wir wollen ganz bewusst auch für die Einheimischen da sein.“ Das klappe bis jetzt sehr gut, erzählt sie. Als Dernauerin habe sie da natürlich eine Art „Heimvorteil“. „Außerdem sind mein Lebensgefährte und ich in ungefähr zehn Vereinen aktiv, da pflegen wir viele Kontakte.“ So entstehe Verbundenheit. Und: Während Touristen vor allem in der Saison das Restaurant oder die Terrasse füllen, kommen Einheimische das ganze Jahr über.
Bis jetzt sind Franziska Schnitzler und Michael Seer sehr zufrieden.
„Der Start ist mehr als gelungen, viele Einheimische und Touristen kommen zu uns und sind froh, dass es uns gibt“, erzählen die beiden. „Wir hatten seit der Eröffnung im April noch keinen ruhigen Tag.“
Kontakt
Andrea Stenz
Geschäftsführerin Regionalgeschäftsstelle Ahrweiler