IHK-Journal KOMPAKT
Nr. 7097928
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IHK-Präsidentin Susanne Szczesny-Oßing
Editorial IHK-Journal - Ausgabe 07-08/2026

Stark in der Praxis, unterschätzt in der Wahrnehmung

Die duale Ausbildung in Rheinland-Pfalz funktioniert – und zwar gut. Betriebe engagieren sich, Auszubildende erleben ein wertschätzendes Umfeld, viele würden sich wieder für ihren Weg entscheiden.
Doch trotz überwiegend positiver Erfahrungen fühlt sich nur ein Teil der jungen Menschen mit seinem Berufsweg gesellschaftlich anerkannt. Das ist kein Randthema, sondern Ausdruck eines strukturellen Wahrnehmungsproblems. Die duale Ausbildung wird noch immer zu häufig durch die Brille vergangener Vorstellungen betrachtet, obwohl sie längst ein moderner, anspruchsvoller Bildungsweg ist. Wer sich heute dafür entscheidet, tut dies bewusst, weil dieser Weg zu den eigenen Interessen, Talenten und Zielen passt.
Auch mein Berufsleben begann mit einer dualen Ausbildung. Aus eigener Erfahrung weiß ich daher, wie tragfähig dieser Weg ist, denn er vermittelt weit mehr als Fachwissen. Er stärkt Selbstständigkeit, Verantwortungsgefühl und die Fähigkeit, Herausforderungen pragmatisch zu lösen. Viele junge Menschen bringen dafür heute wichtige Voraussetzungen mit. Sie sind digital versiert, lernbereit und gehen selbstverständlich mit Veränderungen um. Die duale Ausbildung greift diese Stärken auf und entwickelt sie weiter. Unternehmen leisten hier täglich ihren Beitrag. Aber gute Ausbildung entsteht im Zusammenspiel von Betrieben, Schulen, Kammern und Politik.
Gerade bei den Berufsschulen zeigen sich Defizite in Ausstattung und Organisation. Das bremst ein System, das eigentlich stark ist. Wenn wir die Fachkräfte von morgen sichern wollen, müssen wir hier ansetzen: mit guten Rahmenbedingungen, klaren Prioritäten und einer echten Gleichwertigkeit der Bildungswege. Die duale Ausbildung ist eine der größten Stärken unseres Wirtschaftsstandorts. Sie eröffnet jungen Menschen Chancen, sichert Unternehmen ihre Zukunft und schafft Wohlstand für unsere Gesellschaft. Geben wir ihr die Anerkennung und die Aufmerksamkeit, die sie verdient.
Susanne Szczesny-Oßing,
Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Koblenz
Kerstin Gehring

Leiterin Bereich Kommunikation und Marketing

Katja Nolles-Lorscheider

Redakteurin und Pressearbeit, Social Media (Bereich Kommunikation und Marketing)