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In sechs Minuten einsatzbereit
Wie ein Rettungssystem aus Rheinland-Pfalz den Katastrophenschutz beschleunigen will
Wenn bei Großschadenslagen jede Minute zählt, sind lange Aufbauzeiten ein Problem. Genau hier setzt das RMRH-System an, das Heinz Werner Kleine-Natrop mit seiner Firma in Ettringen entwickelt hat. Das „Rolling Multi Rescue Health“ stellt im Katastrophenfall in nur sechs Minuten bis zu zwölf Intensivplätze bereit, lässt sich von nur einer Person aufbauen und kommt ohne zusätzliche Logistik aus.
Für den erfahrenen Notfallsanitäter und Organisatorischen Leiter im Rettungsdienst kam der Anstoß für die Entwicklung aus der Praxis. Denn Personalmangel, steigende Anforderungen im Katastrophenschutz und längere Transportwege durch den Rückgang von Krankenhäusern verschärfen die Lage seit Jahren. Zugleich zeigte sich bei früheren Großschadenslagen immer wieder, dass herkömmliche Systeme oft zu spät einsatzbereit sind. „So verstreichen kostbare Minuten“, sagt Kleine-Natrop. Sein Ziel war deshalb klar: eine Lösung, die schneller, einfacher und ressourcenschonender funktioniert.
Entstanden ist ein modulares Wechsellader-Containersystem, das bewährte Behandlungsplatz-Konzepte mit deutlich kürzeren Aufbauzeiten verbindet. Während klassische Systeme oft 30 bis 45 Minuten und viele Einsatzkräfte benötigen, ist das RMRH nach kurzer Einweisung per Fernbedienung in wenigen Minuten einsatzbereit. Alle medizinischen Geräte sind bereits integriert. Je nach Ausstattung bietet das System Platz für bis zu 16 Patientinnen und Patienten oder für zwölf Intensivbetten. Es ist autark nutzbar, wetterbeständig, hygienisch konzipiert und flexibel erweiterbar.
Der Weg dorthin war allerdings schwierig. Kleine-Natrop musste Finanzierung, Genehmigungen und erhebliche Skepsis überwinden. Erste Gespräche mit Banken scheiterten, Fördermittel standen nicht zur Verfügung. Erst mit externer Unterstützung gelang die Finanzierung. 2021 wurde das System patentiert.
Inzwischen ist das RMRH serienreif. Der Landkreis Mayen-Koblenz hat das erste System bereits beschafft und in Ettringen stationiert. Die Serienproduktion läuft an, unterstützt von überwiegend regionalen Zulieferern. Bei weiter wachsender Nachfrage ist der Bau einer Montagehalle in Ettringen geplant. Zugleich soll das Patent auf weitere 23 Länder ausgeweitet werden.
Auch das Interesse am Markt ist groß. Feuerwehren und Katastrophenschutzeinheiten aus Deutschland und Europa beobachten die Entwicklung ebenso wie potenzielle Partner aus Industrie und Sicherheitsbereich. Kontakte bestehen unter anderem zur Bundeswehr, zu Airbus und zu Rheinmetall. Mit C. Miesen als Vertriebspartner ist auch die internationale Vermarktung vorbereitet. Vorgestellt werden soll das System zudem auf der Interschutz 2026 in Hannover.
Kleine-Natrop bringt für diese Entwicklung jahrzehntelange Erfahrung mit. Der 1958 geborene Geschäftsführer ist seit rund 45 Jahren im Rettungsdienst und seit fast 50 Jahren im Katastrophenschutz aktiv. Als gelernter Landmaschinenmechaniker verbindet er praktische Einsatzerfahrung mit technischem Know-how. Sein Anspruch ist hoch, aber klar formuliert: Einsatzkräfte sollen entlastet werden, damit sie sich auf das Wesentliche konzentrieren können, die Versorgung von Patientinnen und Patienten. Oder, wie er es selbst sagt:
„Keine kleine Optimierung, sondern ein Quantensprung in der Notfallversorgung.“
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Kontakt
Stephan Baumann
Innovation (Geschäftsbereich Unternehmensservice)