IHK-Journal KOMPAKT
Nr. 7037864
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IHK-Präsidentin Susanne Szczesny-Oßing vor Lampen
Editorial IHK-Journal - Ausgabe 05-06/2026

Resilienz ist eine Standortaufgabe

Geopolitische Krisen führen uns nicht nur deutlich vor Augen, wie verletzlich offene Volkswirtschaften geworden sind. Sie zeigen auch, wie dringlich die Politik die Standortbedingungen für die Unternehmen verbessern muss.
Für einen Industriestandort wie Rheinland-Pfalz ist Resilienz daher weit mehr als ein sicherheitspolitischer Begriff. Sie ist zu einer zentralen wirtschaftlichen Standortfrage geworden – und damit zu einem entscheidenden Faktor für Investitionen, Beschäftigung und Wertschöpfung. Dabei entscheidet nicht das Reagieren im Ernstfall, sondern die Vorbereitung. Resilienz entsteht dort, wo Unternehmen planen können, wo Lieferketten tragfähig bleiben und wo wirtschaftliche Rahmenbedingungen Verlässlichkeit bieten. Sie ist das Ergebnis einer leistungsfähigen Infrastruktur, wettbewerbsfähiger Energiepreise, digitaler Leistungsfähigkeit, effizienter Genehmigungsverfahren und klarer Zuständigkeiten. Zu oft zeigen Krisen, dass diese Voraussetzungen nicht selbstverständlich sind.
Gerade für kleine und mittlere Unternehmen bedeutet das eine doppelte Herausforderung. Viele Betriebe in Rheinland ‑Pfalz sind eng in internationale Wertschöpfungsketten eingebunden. Stabilität, Qualität und Liefertreue werden damit immer stärker zu entscheidenden Wettbewerbsfaktoren – und zunehmend auch zur Voraussetzung für Standort - treue und Investitionsentscheidungen.
Resilienz entsteht allerdings nicht im Unternehmen allein. Sie wächst durch Zusammenarbeit, durch verlässliche Netzwerke und durch Strukturen, die Koordination ermöglichen und Verantwortlichkeiten klären. Abschottung ist dabei keine Lösung. Entscheidend ist die Fähigkeit, auch unter veränderten Bedingungen handlungsfähig zu bleiben und Risiken beherrschbar zu machen. Wer den Wirtschaftsstandort Rheinland ‑Pfalz krisenfester machen will, muss Resilienz deshalb als gemein - same Aufgabe verstehen – von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Verlässlichkeit darf kein Zufallsprodukt sein. Sie muss zum Maßstab wirtschaftspolitischen Handelns werden.
Susanne Szczesny-Oßing,
Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Koblenz
Kerstin Gehring

Leiterin Bereich Kommunikation und Marketing

Katja Nolles-Lorscheider

Redakteurin und Pressearbeit, Social Media (Bereich Kommunikation und Marketing)