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Ein besonderes Produkt und ein schönes Erlebnis
Eine teils jahrhundertealte Geschichte, regionale Verwurzelung, besondere Hingabe an das Produkt: Wir stellen vier Unternehmen im
IHK-Bezirk Koblenz vor, die mit Wein, Schokolade, Craft Beer und Spirituosen Kunden binden und in mehrerlei Hinsicht ungewöhnlich sind.
IHK-Bezirk Koblenz vor, die mit Wein, Schokolade, Craft Beer und Spirituosen Kunden binden und in mehrerlei Hinsicht ungewöhnlich sind.
Autor: Lothar Schmitz
In Klöstern wurde immer schon Bier gebraut. Auch heute gibt es in Deutschland, Belgien und anderen Ländern noch viele Klosterbrauereien, die teils auf eine sehr lange Historie zurückblicken können. Bier jedoch, das in einer Kapelle gebraut wird, ist eine Seltenheit. Nach Überzeugung von Bruno Schneider ist es sogar einmalig.
„Wir sind die einzige Brauerei in einer Kapelle“, sagt der Geschäftsführer der DENKMALz Disibodenberger Kapellenbrauerei GmbH in Bad Sobernheim.
Das Unternehmen braut sein Bier an einem Ort mit klösterlicher Geschichte. Die Kapelle gehörte einst zu den Besitztümern des Klosters Disibodenberg in Odernheim am Glan, der ersten Wirkungsstätte von Hildegard von Bingen. Während das Kloster seit langem eine Ruine ist, blieb die Kapelle in Bad Sobernheim erhalten. Sie wurde bereits 1559 profanisiert und im Laufe der Jahrhunderte unter anderem als Getreidespeicher und Lagerhalle genutzt, zuletzt von einer Druckerei. 2007 erwarb der regionale Bauunternehmer und Projektentwickler Bruno Schneider das Gebäude. Zwischen 2012 und 2018 ließ sein Unternehmen die Kapelle umbauen, im Jahr 2018 produzierte die von ihm gegründete Kapellenbrauerei dort ihr erstes Bier: „DENKMALz“.
Besonders ist nicht nur der Ort der Produktion, sondern auch das Geschäftsmodell: DENKMALz versteht sich als kleine Craft-Beer-Brauerei mit strikt regionaler Ausrichtung und einer jährlichen Produktionsmenge von rund 800 Hektolitern – eine Menge, die größere Brauereien an einem einzigen Tag produzieren.
Der Brauprozess erstreckt sich über mehrere Ebenen des Gebäudes: Im Keller wird das Malz geschrotet, im ehemaligen Chorraum folgen Maischen, Läutern und Würzen. Dort befinden sich Sudpfanne und Läuterbottich. Anschließend reift das Bier erneut im Keller, bevor es in die Ausschanktanks gelangt.
Die Kapelle ist jedoch nicht nur Produktionsstätte, sondern auch Ort des Ausschanks. Besucherinnen und Besucher können das Bier dort mitten im ehemaligen Chorraum, mit Blick auf Kirchenfenster und Läuterbottich, sowie im Biergarten trinken. Restaurant und Biergarten hat das Unternehmen verpachtet. Außerdem sind das naturtrübe Helle, der „Wilde Ginger“, die „Wilde Biene“ sowie weitere Biere und Mischgetränke der Brauerei im eigenen Webshop und im regionalen Einzelhandel erhältlich.
Eine besondere Rolle spielt das Thema Erlebnis. Zum einen zieht die Kapellenbrauerei zahlreiche Touristinnen und Touristen an, zum anderen hat sich DENKMALz mit dem sogenannten „Eventbrauen“ einen Namen gemacht. Vereine und Unternehmen können – etwa als Veranstaltung für Mitarbeitende – ein eigenes Bier entwickeln, die Rezeptur gemeinsam festlegen und den Brauvorgang vor Ort begleiten. „Der Musikverein Lauschied“, erzählt Vertriebsleiter Harald Erbeldinger, „macht das schon seit Jahren und verkauft sein ‚Lauschieder Musikantenbräu‘ dann auf der jährlichen Kirmes.“
Von Streuobstwiesen und ausgebuchten Proben
„Erlebnis“ ist die Kategorie, die auch für die Brennerei Weyand in Unnau eine immer wichtigere Rolle spielt. „Wenn wir die Besichtigungs- und Probentermine fürs nächste Halbjahr auf unserer Website freischalten, sind sie innerhalb von fünf Stunden ausgebucht“, erzählt Jochen Weyand. Die Rede ist von fast 50 Terminen.
Das Westerwälder Unternehmen weist ebenfalls ein paar Besonderheiten auf. Es feiert dieses Jahr sein 220-jähriges Bestehen. Zudem ist es eines von nicht allzu vielen Unternehmen, das stets konsequent vom Vater zum Sohn übergeben wurde. Jochen Weyand ist Ururururenkel des Gründers Johann Ludwig Weyand. Sein Sohn Marc Hendrick, der wie sein Vater den Beruf des Brenners und Destillateurs erlernt hat, repräsentiert die achte Generation im Unternehmen. Zudem setzt es auf aufwändige handwerkliche Produktion, hauptsächlich mit regionalen Zutaten. Die gesamte Verkaufsmenge liegt bei lediglich etwa 30.000 Flaschen pro Jahr. Zwei beliebte Produkte sind der „Original Westerwälder Kümmel“ und die „BIO-Streuobstwiese“-Spirituose. Deren Herstellung ist auch deshalb so aufwändig, weil Äpfel, Birnen und Johannisbeeren erst einmal bei vielen Wiesenbesitzern eingesammelt und dann zunächst drei Destillate erzeugt werden müssen, bevor das Endprodukt entstehen kann.
„Es wird immer ein wenig anders schmecken“, erzählt Jochen Weyand, „aber in jedem Fall sehr viel Geschmack und Aroma enthalten.“
Weitere Besonderheit: Lediglich in einem Dutzend Kaufhäuser, die bewusst auf regionale Produkte setzen, gibt es die Spirituosen der Brennerei Weyand zu kaufen, zudem im eigenen Webshop. Größter Vertriebskanal ist jedoch der Direktverkauf. Stichwort: Erlebnis. „Hier zeigen wir Schritt für Schritt, wie ein Brand oder Geist entsteht, wir erklären alles und bieten Kostproben“, sagt Weyand. Das kommt an, wie das Buchungsverhalten zeigt. „Wir stellen immer wieder fest: Die Menschen wollen wissen, was sie trinken und wie es genau gemacht ist, dann zahlen sie auch gerne ein paar Euro mehr als für eine Standard-Spirituose aus dem Supermarktregal.“
Hochwertige Schokolade mitten aus Koblenz
Das ist bei Cahua in Koblenz nicht anders. Der Süßwarenmeister Lucien Krempel und die Konditormeisterin Franka Rössel haben sich auf die Herstellung hochwertiger Schokolade spezialisiert. Prinzip: „From Bean to Bar“, also von der Bohne zur Tafel.
„Uns geht es darum, den gesamten Prozess selbst zu kontrollieren“, erklärt Krempel, „vom direkten Einkauf der Kakaobohnen über Röstung und Mahlung bis zur fertigen Schokoladentafel.“
Die beiden beziehen keine fertige Schokoladenmasse, sondern kaufen weltweit bei nachhaltig wirtschaftenden Kooperativen Kakaobohnen ein. Dort finden Anbau, Ernte, Trocknung und die Fermentation von Bohnen und Fruchtfleisch statt. Cahua zahlt dafür nach eigenen Angaben den zweieinhalb- bis dreifachen Weltmarktpreis. Ohne Zwischenhandel kommt die Rohware dann per Schiff und Lkw nach Koblenz. Dort – übrigens mitten in der Innenstadt – kontrollieren Krempel und Rössel die Qualität, rösten die Bohnen, trennen die Schale ab und fertigen aus den sogenannten Kakao-Nibs eine hochwertige Schokoladenmasse, aus der dann unter anderem die Hauptprodukte der 2020 gegründeten Manufaktur entstehen: die 60-Gramm-Tafeln und die Trinkschokolade. Weiterer großer Umsatzträger: Adventskalender.
Insgesamt stellt Cahua rund vier Tonnen Schokolade pro Jahr her und verkauft die Produkte zu je einem Umsatzdrittel über den eigenen Onlineshop, über Wiederverkäufer – zum Beispiel Kaffeeröstereien oder Feinkostläden – und im eigenen Laden. Die 60-Gramm-Tafel kostet rund acht Euro. Der Preis sei angesichts des aufwändigen und hochwertigen Produktionsprozesses notwendig. Aber er ist auch erklärungsbedürftig. „Wir nutzen vor allem Instagram und natürlich unseren Laden und leisten viel Überzeugungsarbeit“, sagt Krempel. Seine Erfahrung:
„Die Leute sind sehr offen und neugierig und zögern nicht, nachdem sie die Zusammenhänge verstanden haben.“ Die Rechnung geht auf: „Wir waren bisher stets zum Jahresende ausverkauft.“
Wein und Weinbergspfirsisch an historischem Ort
Auch das Weingut Borchert passt gut in diese Reihe. 1997 gründeten Gabriele Borchert und ihr Mann Michael das Weingut. Korrekterweise muss man hinzufügen: Sie gründeten es neu – an historischem Ort. Das ursprünglich vom Kloster Springiersbach gegründete Weingut in Ediger-Eller wird nämlich erstmals 1299 in Urkunden erwähnt. 1803 gelangte der Springiersbacher Hof in den Besitz der Vorfahren von Gabriele Borchert. Ihr Onkel hatte zuletzt das Weingut weitergeführt, bis sie und ihr Mann übernahmen. Heute besteht das Unternehmen aus dem Weingut und einer Brennerei mit drei Hektar Anbaufläche in Steillagen, einem Restaurant sowie einem Übernachtungsbetrieb mit zehn Ferienwohnungen in historischem Gemäuer. Hauptumsatzträger sind die Ferienwohnungen und das Restaurant. „Trotzdem ist der Wein das Wichtigste“, betont Gabriele Borchert, „alles baut darauf auf.“
In den vergangenen Jahren hat sich ein weiteres Produkt in den Vordergrund geschoben und dem Weingut zu einiger Bekanntheit, auch überregional, verholfen: der rote Weinbergpfirsich. „Ein schwieriges, eigenwilliges Früchtchen“, gibt Borchert zu. Die Erntemenge sei vorher nicht einzuschätzen, in schlechten Jahren sind es wenige Hundert Kilo, in guten – wie zuletzt 2025 – über eine Tonne. In der Erntezeit im September hat Borchert alle Hände voll zu tun: Sie stellt aus den eigenen sowie zugekauften Weinbergpfirsichen Chutney und Marmelade her, und in der hauseigenen Edelobstbrennerei entstehen Weinbergpfirsich-Brand und -Likör. Zudem spielt der Weinbergpfirsich auf der Speisekarte des eigenen Restaurants eine Rolle. Und sie backt Weinbergpfirsich-Torte. „Damit haben wir uns, auch dank Social Media, einen Namen gemacht“, sagt die Winzerin.
Sie freut sich schon darauf, wenn Mitte März in den Steillagen die pinkfarbenen Blüten leuchten. Und hofft, wie auch die Kundinnen und Kunden, auf eine gute Ernte 2026.
Kontakt
Meike Bauermann (Cochem)
Regionalberaterin (Büro Cochem-Zell)
Jörg Lenger
Geschäftsführer Regionalgeschäftsstelle Bad Kreuznach
Fabian Göttlich
Geschäftsführer Interessenvertretung und Regionalgeschäftsstelle Stadt Koblenz
Richard Hover
Geschäftsführer Regionalgeschäftsstelle Westerwald und Rhein-Lahn