IHK-Journal KOMPAKT
Nr. 6927684
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Bewachsene Bahnschienen durch den Wald
Interessenvertretung - Ausgabe 01-02/2026

Von Großbaustellen bis Reaktivierungen

Was bei der Schiene im IHK-Bezirk Koblenz in den nächsten Jahren ansteht.
"Es wird erst mal nicht besser, so ehrlich müssen wir sein“, brachte es Bahnchefin Evelyn Palla im November 2025 in der Süddeutschen Zeitung auf den Punkt. Wer im Norden von Rheinland-Pfalz Bahn fährt oder Güter transportiert, muss also auch in den kommenden Jahren Geduld mitbringen. Zahlreiche Baumaßnahmen werden den Verkehr zunächst belasten. Parallel prüft die Landesregierung die Reaktivierung stillgelegter Strecken, konkrete Entscheidungen stehen jedoch noch aus.
Dabei spielt Schienenverkehr für den Wirtschaftsstandort im nördlichen Rheinland-Pfalz eine zentrale Rolle. Entlang der stark frequentierten Rheinkorridore verläuft eine der wichtigsten Nord-Süd-Achsen Europas – ein wesentlicher Bestandteil des Rhein-Alpen-Korridors und von zentraler Bedeutung für den Gütertransport zwischen den Industrie- und Hafenregionen. Zugleich sichern Bahnverbindungen die Erreichbarkeit der Region für Pendler, Touristen und Unternehmen.

Verkehrsaufkommen steigt weiter

Und auch mit Blick in die Zukunft zeigt sich, wie wichtig eine leistungsfähige Schiene bleibt: Laut Verkehrsprognose des Bundesverkehrsministeriums wird der Verkehr in Deutschland bis 2040 deutlich zunehmen. Um den steigenden Bedarf zu decken, sind massive Investitionen in die lange vernachlässigte Schieneninfrastruktur nötig; das Sondervermögen sieht bis 2029 rund 107 Milliarden Euro dafür vor. Ein großer Anteil davon wird in die Generalsanierung von über 40 besonders belasteten Strecken fließen. Insgesamt sollen so rund 4.000 km Schienennetz in Deutschland bis 2036 modernisiert werden. „Besonders sichtbar wird diese Sanierungsoffensive im Zuge der geplanten Korridorsanierungen am Rhein“, sagt Fabian Göttlich, Geschäftsführer Interessenvertretung der IHK Koblenz. „Sie betreffen sowohl die rechte als auch die linke Rheinstrecke – zwei der meistbefahrenen Bahnverbindungen Deutschlands.“ (Stand bei Redaktionsschluss 19.12.2025)

Konkrete Projekte im Kammergebiet

Zunächst werden im Rahmen des bundesweiten Sanierungsprogramms auf über 80 Kilometern Strecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden (rechte Rheinstrecke) Gleise, Weichen, Brücken, Oberleitungen sowie Signal- und Stellwerkstechnik erneuert. Die Bauarbeiten beginnen im Juli 2026, dauern rund fünf Monate und erfordern in dieser Zeit eine vollständige Sperrung des Abschnitts. Zudem ist ab 2028 auch die Sanierung der linken Rheinstrecke zwischen Köln, Bonn und Koblenz vorgesehen.
Ziel ist es, die Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit des Netzes deutlich zu erhöhen. Künftig sollen weniger Störungen, kürzere Fahrzeiten und eine bessere Abstimmung zwischen Personen- und Güterverkehr möglich sein. Zum Maßnahmenpaket gehören außerdem Lärmschutzmaßnahmen, die Modernisierung von Bahnübergängen sowie die Sanierung mehrerer Bahnhöfe – insbesondere mit Blick auf die Bundesgartenschau 2029.
Grafik Entwicklung von Güter- und Personenverkehr bis 2040
Gleichzeitig schafft die Modernisierung die Voraussetzungen, künftig mehr Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Das stärkt nicht nur die Nachhaltigkeit, sondern entlastet auch die ohnehin stark frequentierten Straßen entlang des Rheins. Neben den großen überregionalen Korridorsanierungen der Deutschen Bahn plant die Landesregierung die Reaktivierung von zwölf stillgelegten Bahnstrecken im Land, darunter sechs im IHK-Bezirk Koblenz.
Grafik von möglichen Bahnstrecken in Rheinland-Pfalz
Laut Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität (MKUEM) liegt jedoch ein endgültiges Ranking zur Reaktivierung der Bahnstrecken noch nicht vor. Neue Erkenntnisse zur Hunsrückbahn, ausstehende Ergebnisse zur Aartalbahn sowie eine vertiefte Prüfung der Datengrundlagen verzögern die Veröffentlichung. Alle förderfähigen Strecken sollen daher zunächst detailliert geplant werden, bevor eine belastbare Rangfolge erstellt wird. „Ob das Landes-Sondervermögen mit 339 Mio. Euro für klimafreundliche Mobilität den Prozess beschleunigt, ist daher derzeit noch offen“, sagt Göttlich abschließend.
Fabian Henn

Referent Regionalentwicklung, Verkehrsinfrastruktur, Planung (Interessenvertretung)