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Nachhaltigkeit als Erfolgsfaktor
Unternehmen müssen ökologische Verantwortung übernehmen – nicht nur aufgrund gesetzlicher Vorgaben, sondern auch wegen der Erwartungen von Kundschaft, Investoren und Mitarbeitenden. Dabei geht es um klare Vorteile wie Ressourceneffizienz, Innovation, Kapitalzugang und Kundentreue. Laut einer Umfrage der Europäischen Kommission (2024) betrachten über 70 Prozent der europäischen Unternehmen nachhaltiges Wirtschaften als strategische Priorität für die nächsten fünf Jahre.
Eine glaubwürdige Nachhaltigkeitsstrategie beginnt oft mit Quick Wins – kleinen Maßnahmen mit sofortiger Wirkung. Neben Energieeinsparungen und digitaler Prozessoptimierung rückt vor allem die Verpackung in den Fokus. Laut einer Studie des Umweltbundesamtes (2023) achten 64 Prozent der Menschen in Deutschland beim Einkauf auf nachhaltige oder reduzierte Verpackungen, über 55 Prozent bevorzugen unverpackte oder nachfüllbare Produkte, selbst wenn sie teurer sind (Statista, 2024).
Unternehmen müssen Verpackung daher heute auch als Teil ihrer Wettbewerbsstrategie sehen: Wer Material einspart, Recycling einbezieht oder Nachfüllsysteme anbietet, schafft ökologische und ökonomische Mehrwerte.
So wie Amazon: Das Unternehmen nutzt seit 2024 in seinen europäischen Logistikzentren automatisierte Verpackungsmaschinen. Diese messen jedes Produkt individuell und fertigen passgenaue Kartons, wodurch Materialverbrauch und CO₂-Emissionen deutlich gesenkt werden. Das Familienunternehmen Werner & Mertz, bekannt für die Marke Frosch, setzt auf Kreislaufwirtschaft. Die Verpackungen bestehen vollständig aus Post-Consumer-Rezyklat aus dem Gelben Sack und sparen so über 60.000 Tonnen Primärplastik pro Jahr ein. Kimberly-Clark Professional wiederum zeigt, wie Industrieunternehmen Nachhaltigkeit strategisch umsetzen können: Bis 2029 will das Werk in Koblenz vollständig auf erneuerbare Energien umstellen und über 13.000 Tonnen CO₂ pro Jahr einsparen. Neben Energieeffizienz investiert das Unternehmen in Abfallreduktion und nachhaltige Lieferketten.
Die Beispiele zeigen: Nachhaltigkeit ist keine moralische Option, sondern ökonomische Notwendigkeit. Wer frühzeitig nachhaltige Innovationen umsetzt, sichert langfristig Marktanteile, Vertrauen und Zugang zu Kapital.
Nachhaltig bauen mit Hanf und Naturkalk
Seit 1920 stellt NICK Naturbaustoffe zementfreie Produkte her, die vor allem bei Renovierungen und Restaurierungen verwendet werden. Das neueste Produkt ist CANABLOC®, ein Baustoff aus Hanf und Naturkalk. Wir haben mit Hans-Joachim Schlauß gesprochen, der das Familienunternehmen in Weißenthurm seit mehr als 40 Jahren leitet.
„Wir wünschen uns, dass nachhaltiges Bauen zur Norm wird, da ein großer Teil des weltweiten Abfallaufkommens aus der Bauwirtschaft stammt“, so Hans-Joachim Schlauß, NICK Naturbaustoffe.
Herr Schlauß, wie kam es zu der Entwicklung von CANABLOC®?
Wir nehmen den ökologischen Fußabdruck unserer Produkte sehr ernst und verzichten, wo immer möglich, auf Zement, Gips und Kunststoffe. Durch den Austausch mit Naturbaustoff-Händlern und Restauratoren sind wir auf die „Hanfkalk“-Szene gestoßen und haben Hanf als Ressource mit hohem Potenzial erkannt. Getreu unserem Motto „Den besten Baustoff liefert die Natur“ war es ein logischer Schritt, mit Hanfschäben zu arbeiten, was zur Entwicklung von CANABLOC® führte.
Wie verlief die Entwicklung?
Zunächst hielt ich es für unrealistisch, Mauersteine aus Hanf zu produzieren. Es dauerte lange, bis wir die optimale Mischung aus Hanfschäben, Naturkalk und Wasser fanden, die formstabil ist und den technischen sowie sicherheitsrelevanten Anforderungen entspricht. Heute sind wir stolz, der erste und bislang einzige deutsche Hersteller von Hanfkalksteinen in Serienfertigung zu sein.
Wo wird das Produkt verwendet?
Vor allem in der Innendämmung, etwa bei Gebäuden, bei denen das Fachwerk außen sichtbar bleiben soll. Der Baustoff ist kapillaraktiv, robust und hat eine hohe Oberflächenfestigkeit. Und er ist zu 100 Prozent abbaubar und hat einen Lebenszyklus von rund 150 Jahren.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Wir wünschen uns, dass nachhaltiges Bauen zur Norm wird, da ein großer Teil des weltweiten Abfallaufkommens aus der Bauwirtschaft stammt. Die CO2-Bepreisung könnte dazu beitragen, dass unser Naturbaustoff stärker nachgefragt wird, da Hanfkalkprodukte eine negative CO2-Bilanz von bis zu 90 Prozent haben – ideal für zukunftsfähiges Bauen.
Ansprechpartner: Stephan Baumann, 0261 106-233, baumann@koblenz.ihk.de.
Kontakt
Andrea Romacho
Referentin Umwelt und Nachhaltigkeitsmanagement (Geschäftsbereich Unternehmensservice)