Geschäftserwartungen brechen deutlich ein

Die Konjunktur im Landkreis Bad Kreuznach

Nach einem wiederholten kraftvollen Aufschwung zum Jahresbeginn 2022 verzeichnet die Konjunktur im Landkreis Bad Kreuznach im Frühsommer 2022 einen massiven Einbruch. Der IHK‑Konjunkturklimaindikator, der die Beurteilung der aktuellen und zukünftigen Geschäftslage in einem Wert darstellt, stürzt um 42 Punkte auf aktuell 81 Punkte und setzt sich wieder sichtbar unter den Wert des Konjunkturklimas im IHK-Bezirk Koblenz (IHK‑Konjunkturklimaindikator: 92 Punkte). Das Konjunkturklima fällt in etwa auf das Niveau der Corona-Krise im Frühsommer 2020 (83 Punkte).
Einen besonders herben Rückschlag verzeichnen die Geschäftserwartungen für die kommenden 12 Monate. Während lediglich 11 Prozent mit einer weiteren Belebung der Geschäftsaktivität rechnen, stellt sich mehr als jedes zweite Unternehmen auf eine schwächere Entwicklung ein. Auch die Bewertung der aktuellen Geschäftslage verschlechtert sich gegenüber der Vorumfrage zum Jahresbeginn 2022. Immerhin beurteilen 73 Prozent der heimischen Betriebe den aktuellen Geschäftsgang befriedigend bis gut.
Als Folge der schlechten Geschäftserwartungen schrauben die Betriebe auch ihre Beschäftigungs- und Investitionspläne zurück.  Bei den Beschäftigungsabsichten fällt der Saldo aus „besser“ minus „schlechter“-Antworten von -16 Prozentpunkten zum Jahresbeginn auf derzeit -26 Prozentpunkte. Immerhin planen 70 Prozent der Betriebe ihren Personalbestand konstant zu halten. Merklich verschlechtert haben sich auch die Investitionsabsichten. Fast jedes vierte Unternehmen möchte seine Investitionen künftig erhöhen. Demgegenüber rechnen 33 Prozent mit einem Abbau des betriebsinternen Investitionsbudgets.
Mit Blick auf die Geschäftsrisiken erreichen die Energie- und Rohstoffpreise mit 83 Prozent der Unternehmensstimmen einen neuen Höchstwert. Der Angriffskrieg Russlands in der Ukraine verschärft bestehende Lieferkettenprobleme und lässt die Preise für Energie, Rohstoffe und Vorprodukte in neue Höhen steigen. Folglich werden die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs als sehr bedrohlich eingestuft (71 Prozent). Noch vor der weiteren Entwicklung der Corona‑Pandemie (45 Prozent) werden die Arbeitskosten als drittgrößtes Risiko (55 Prozent) wahrgenommen. Hier könnte u.a. die Erhöhung des Mindestlohns sowie höhere Lohnforderungen infolge des Fachkräftemangels eine Rolle spielen.