Note „Befriedigend“ für Wirtschaftsstandort Rheinland-Pfalz

IHK-Standortumfrage Rheinland-Pfalz

Welche Standortfaktoren sind den rheinland-pfälzischen Unternehmen besonders wichtig? Und wie zufrieden ist die Wirtschaft mit den Standortbedingungen im Land? Diesen Fragen sind die vier rheinland-pfälzischen Industrie- und Handelskammern (IHKs) zu Beginn des Jahres 2026 im Vorfeld der Landtagswahl nachgegangen. Die Ergebnisse der IHK-Umfrage, an der über 1.000 Unternehmen mit rund 208.000 Beschäftigten teilgenommen haben, zeigen: Der Wirtschaftsstandort Rheinland-Pfalz verfügt über solide Grundlagen, weist jedoch in zentralen Bereichen spürbaren Handlungsbedarf auf.

Gesamtbewertung fällt schwächer aus als im Jahr 2021

Der Wirtschaftsstandort Rheinland-Pfalz wird mit einer Gesamtnote von 3,3 insgesamt als „befriedigend“ bewertet. Damit hat sich das Ergebnis gegenüber der letzten Standortumfrage aus dem Jahr 2021 (Gesamtnote: 2,9) deutlich verschlechtert. Die Zufriedenheitsnoten der einzelnen Standortfaktoren reichen von 2,9 für den Faktor „Kooperation mit Hochschulen“ bis hin zu 4,5 für die „Digitale Verwaltung“. Auffällig ist: Selbst der bestbewertete Standortfaktor erreicht lediglich die Schulnote „befriedigend“. Gute oder sehr gute Bewertungen bleiben aus.

Schwache Entwicklungsdynamik

Auch die Einschätzung der Standortentwicklung der vergangenen fünf Jahre fällt verhalten aus: Mehr als die Hälfte der Unternehmen (51 Prozent) sieht keine wesentlichen Veränderungen. 26 Prozent bewerten die zurückliegende Entwicklung sogar negativ, während 23 Prozent eine positive Entwicklung wahrnehmen.
Zum Vergleich: Im Jahr 2021 lag der Anteil negativer Bewertungen bei lediglich 11 Prozent, während noch 38 Prozent der Unternehmen von einer positiven Entwicklung sprachen.

Breitband- und Mobilfunkanbindung hat höchste Relevanz

Die größte Bedeutung messen die Unternehmen weiterhin der Breitband- und Mobilfunkanbindung bei. Insgesamt 87 Prozent bewerten sie als wichtig oder sehr wichtig (2021: 91 Prozent). Damit bleibt sie der Standortfaktor mit der höchsten Relevanz. Gleichzeitig fällt die Zufriedenheit deutlich verhaltener aus: Mit der Schulnote 3,6 wird die digitale Infrastruktur lediglich als „ausreichend“ bewertet (2021: 3,8). Trotz einer leichten Verbesserung bleibt die Differenz zwischen hoher Bedeutung und vergleichsweise schwacher Bewertung erheblich.

Qualität der Verkehrsinfrastruktur ist zweitwichtigster Standortfaktor

An zweiter Stelle der wichtigsten Standortfaktoren steht die Qualität der Verkehrsinfrastruktur, die 81 Prozent als wichtig einstufen. Die Zufriedenheit hat sich jedoch gegenüber der letzten Umfrage weiter verschlechtert. Mit einer Durchschnittsnote von 3,4 ergibt sich eine Verschlechterung um 0,4 Notenpunkte.

Handlungsbedarf bei Steuern und Abgaben sowie bei der digitalen Verwaltung

Besonders deutlich wird der Handlungsbedarf bei der digitalen Verwaltung beziehungsweise beim E-Government. Mit einer Durchschnittsnote von 4,5 bildet dieser Standortfaktor das Schlusslicht im Zufriedenheitsranking. Gleichzeitig messen 74 Prozent der Befragten ihm eine hohe Bedeutung bei. Hier zeigt sich die größte Differenz zwischen Wichtigkeit (Durchschnittsnote: 2,1) und Zufriedenheit (Durchschnittsnote: 4,5).
Eine ähnlich große Differenz besteht bei der Höhe der Steuern und Abgaben. Dieser Standortfaktor hat für die rheinland-pfälzischen Betriebe weiter an Bedeutung gewonnen, wird jedoch mit der Durchschnittsnote 4,2 lediglich als „ausreichend“ bewertet. 18 Prozent der Unternehmen vergeben sogar die Note „ungenügend“ (2021: 7 Prozent).
Die Ergebnisse zeigen deutlich: Rheinland-Pfalz steht wirtschaftspolitisch vor entscheidenden Weichenstellungen – jetzt gilt es, die identifizierten Defizite gezielt anzugehen und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts nachhaltig zu stärken.
Alle Ergebnisse der Standortumfrage finden Sie unter Weitere Informationen.