20. Mai 2026
Standort Marburg braucht klare wirtschaftspolitische Perspektive
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg appelliert an alle Fraktionen der Marburger Stadtverordnetenversammlung, die laufenden Gespräche zur Bildung einer neuen Stadtregierung verantwortungsvoll und mit Blick auf die wirtschaftlichen Herausforderungen des Standorts zu führen. Entscheidend sei aus Sicht der regionalen Wirtschaft die Fähigkeit einer Koalition, verlässliche Rahmenbedingungen für Unternehmen, Beschäftigung und Investitionen zu schaffen.
Standort im Wandel – Chance und Verantwortung
Die angekündigte Schließung des BioNTech-Werks bis Ende 2027 trifft einen Pharmastandort, der bereits seit Monaten unter Druck steht. Neben BioNTech haben auch CSL Innovation, CSL Behring und Nexelis Stellenabbau angekündigt oder bereits umgesetzt. Mehr als 1.500 Industriearbeitsplätze sind betroffen – mit Folgen für Zulieferer, Dienstleister, Beschäftigte und die kommunalen Finanzen gleichermaßen.
Dabei betont Thomas Winzer, stellvertretender Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung Marburg, dass Marburg trotz der schwierigen Lage über eine starke Substanz verfüge: spezialisierte Infrastruktur, hochqualifizierte Fachkräfte und eine enge Verbindung zur Philipps-Universität. „Marburg ist nicht zufällig ein Pharmastandort. Diese Stärken lassen sich nicht wegrationalisieren – aber sie brauchen jetzt aktive Begleitung durch Politik und Verwaltung, keine weiteren Jahre des Verwaltens.“
Das Marburger Schloss.
Wirtschaft erwartet verlässliche Kommunalpolitik
Die IHK Kassel-Marburg verfolgt die aktuellen Entwicklungen in der Marburger Kommunalpolitik mit Blick auf die wirtschaftlichen Herausforderungen des Standorts aufmerksam und mit großer Sorge. Angesichts des tiefgreifenden Strukturwandels am Pharmastandort Marburg brauche die Stadt eine handlungsfähige Regierung mit klarer wirtschafts- und finanzpolitischer Orientierung. Dazu gehörten ein beschlussfähiger Haushalt, Planungs- und Genehmigungssicherheit, eine leistungsfähige Verwaltung sowie eine verantwortungsvolle Haushaltskonsolidierung ohne zusätzliche Belastungen für die Unternehmen.
Udo Diehl, Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung Marburg, bringt es auf den Punkt: „Die Unternehmen in Marburg erwarten konkrete Lösungen für die Zukunft der Stadt und des Wirtschaftsstandorts. Daran wird sich jede künftige Koalition messen lassen müssen.“
Haushaltskonsolidierung ohne zusätzliche Belastungen
Mit Blick auf die angespannte Haushaltslage der Stadt mahnt die IHK eine nachhaltige Konsolidierung der kommunalen Finanzen an. Eine strukturelle Haushaltslücke von rund 40 Millionen Euro verlange schwierige Entscheidungen und eine klare Prioritätensetzung.
Oskar Edelmann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Leiter der IHK-Geschäftsstelle Marburg, warnt davor, weitere Erhöhungen der Gewerbesteuer und damit zusätzliche Belastungen für Unternehmen als Mittel der Haushaltskonsolidierung einzusetzen: „Kommunale Haushalte lassen sich dauerhaft nur über Ausgabendisziplin und wirtschaftliches Wachstum stabilisieren – nicht über immer neue Belastungen der Betriebe. Die Unternehmen in Marburg brauchen Verlässlichkeit und Planungssicherheit.“
IHK bietet Zusammenarbeit an
Die IHK Kassel-Marburg steht allen Fraktionen und der künftigen Stadtregierung weiterhin als Gesprächspartner zur Verfügung – bei der Entwicklung von Perspektiven für die Behringwerke, bei Ansiedlungsfragen und im Dialog zwischen Unternehmen und Verwaltung. „Von zentraler Bedeutung ist es für uns, die Wettbewerbsfähigkeit der Region Marburg zu stärken und die Basis für neue Wachstumsimpulse zu legen", ergänzt der stellvertretende Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung Marburg Andreas W. Ditze.
Die vollständigen Kommunalpolitischen Positionen der IHK-Regionalversammlung Marburg finden Sie unter IHK-Regionalversammlung Marburg legt kommunalpolitische Positionen für die Region Marburg vor - IHK Kassel-Marburg.
