Landtagswahl 2026

Landtagswahl 2026 – die Parteien im Wirtschaftscheck Teil II

Die Kandidierenden zur Landtagswahl aus dem IHK Bezirk stellten die wirtschaftspolitischen Positionen ihrer Parteien vor. Im Fokus standen zentrale Herausforderungen für den Standort Baden-Württemberg: Wettbewerbsfähigkeit, Bürokratie, Fachkräftemangel sowie Fragen rund um Bauen und Wohnen.
Die Landtagswahl am 8. März 2026 hat aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen richtungsweisenden Charakter für Baden-Württemberg. Vor dem Hintergrund wachsender wirtschaftlicher Unsicherheit, zunehmender Bürokratie, steigender Energiepreise, Wohnungsnot, Fachkräftemangel und zunehmendem globalen Wettbewerb werden wirtschaftspolitische Fragen den Wahlkampf dominieren.
Welche Weichen wollen die Parteien stellen, um den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg zukunftsfähig zu machen? Wie kann eine neue Landesregierung die Wohnungsnot bekämpfen und ausreichend Flächen für Neuansiedlungen, Expansionen und Modernisierungen bereitstellen? Welche konkreten Maßnahmen müssen eingeleitet werden, um eine Entbürokratisierung auf Landesebne entschlossen und effektiv anzugehen?
Dies diskutierten Unternehmerinnen und Unternehmer aus dem Ehrenamt der IHK Karlsruhe mit den Kandidierenden zur Landtagswahl aus dem IHK-Bezirk im Rahmen einer Podiumsdiskussion anlässlich der Landtagswahl 2026. Mit dabei waren:
  • Dr. Ute Leidig, MdL (Bündnis 90/Die Grünen) / Direktkandidatin, Wahlkreis Karlsruhe I
  • Robin Schuster (CDU) / Direktkandidat Wahlkreis Karlsruhe I
  • Jonas Weber, MdL (SPD) / Direktkandidat Wahlkreis Rastatt
  • Dr. Christian Jung, MdL (FDP) / Direktkandidat Wahlkreis Bretten
  • Tobias Dammert (AfD) / Direktkandidat Wahlkreis Bruchsal
  • Louise Fessmann (Die Linke) / Direktkandidatin Wahlkreis Karlsruhe II
Volker Hasbargen, Präsident der IHK Karlsruhe, sowie Hauptgeschäftsführer Dr. Arne Rudolph moderierten die Veranstaltung.
Die Veranstaltung fand am 23. Februar 2026 im Haus der Wirtschaft in Karlsruhe statt.
Eine Aufzeichnung der Veranstaltung finden Sie hier.

Positionspapier

Der "Kurs Wirtschaftswende“ ist die Antwort der baden-württembergischen IHKs auf die Frage, wie das Land wieder in ein positives ökonomisches Fahrwasser gebracht werden kann. Das Positionspapier adressiert vier Handlungsschwerpunkte an die künftige Landesregierung: Regulatorik und Verwaltung, Industrie und Innovation, Bildung und Fachkräfte sowie Infrastruktur und Energie.

Klarer Kurs, starke Wirtschaft: Konkrete Impulse für unseren Standort

Ziel ist eine verlässliche, wirtschaftsorientierte Politik, die die Stärken des Standorts sichert und neue Dynamiken entfesselt. Dazu werden konkrete Vorschläge für die Landespolitik mit klar fokussierten Prioritäten und Erleichterungen für Unternehmen auf Basis planbarer Rahmenbedingungen in einer effizienten Verwaltung gebündelt.

Regulatorik und Verwaltung

Unternehmen in Baden-Württemberg stehen unter wachsendem Druck durch immer komplexere Vorgaben. Verfahren ziehen sich, Standards variieren, und der Dokumentationsaufwand trifft vor allem KMU. Rund 90 Prozent der Betriebe bewerten Bürokratie als Verschlechterung ihrer Wettbewerbsfähigkeit und fordern vor allem schnellere Planungs- und Genehmigungsprozesse sowie eine konsequent digitale Verwaltung. Initiativen wie der Normenkontrollrat BW und die Entlastungsallianz sind ein guter Anfang, doch der strukturelle Bürokratierückbau bleibt unvollendet – mit spürbaren Folgen für Tempo, Transparenz und Investitionen.
Schlüssel dafür sind klare Fristen, einfache Verfahren und eine konsequent digitale, entscheidungsfreudige Verwaltung – zusammengefasst in fünf zentralen Handlungsaufträgen:
  1. Bürokratie strukturell abbauen und weiteren Auswuchs stoppen.
  2. Kommunales Regelungsbefreiungsgesetz und Ermessensspielräume nutzen.
  3. Genehmigungen vereinfachen und beschleunigen.
  4. Verwaltung digitalisieren und Prozesse vereinheitlichen.
  5. Grenzenloses Europa ermöglichen – Außenhandel und Binnenmarkt entbürokratisieren.

Industrie und Innovation

Baden-Württemberg ist Industrieland: Das Produzierende Gewerbe prägt die Wirtschaftsleistung, treibt Forschung und Entwicklung an und ist zentral für Ausbildung, Beschäftigung und Wohlstand. Gleichzeitig erschweren geopolitische Unsicherheiten, Fachkräftemangel, hohe Energiepreise, Transformationsdruck und zunehmende Regulierung vielen Betrieben die konsequente Umsetzung von Innovationen. Innovationszyklen verkürzen sich weltweit und Baden-Württemberg läuft Gefahr, den Anschluss zu verlieren, da der Weg von der Idee zum marktfähigen Produkt oft zu lange dauert.
In einer IHK-Umfrage betreibt knapp ein Viertel der Unternehmen keine Forschung und Entwicklung (FuE) – häufigster Grund: Bürokratie im Innovationsprozess. Zugleich ist die Basis in Baden-Württemberg stark: eine FuE-Intensität (Anteil FuE am BIP) von 5,7 Prozent, exzellente Hochschulen und Forschungseinrichtungen und ein dichtes Netzwerk von Wirtschaft und Wissenschaft – Potenziale, die ausgebaut werden müssen.
Daraus leiten sich für uns fünf prioritäre Handlungsfelder ab:
  1. Zukunftstechnologien in den Blick nehmen.
  2. Innovationsförderung verstetigen und vereinfachen.
  3. Innovationspotenziale aktivieren.
  4. Industrie und Verteidigung stärker verknüpfen.
  5. Automobilstandort erhalten und datenbasierte Innovation ermöglichen.

Bildung und Fachkräfte

Baden-Württemberg spürt den demografischen Druck: Das Arbeitskräftepotenzial sinkt, und selbst Produktivitätsgewinne durch Digitalisierung oder KI können die Lücke nur teilweise schließen. Deshalb wird Bildung zur strategischen Ressource. Parallel verschärft sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt: 2024 konnte etwa die Hälfte der IHK-Betriebe ihre Plätze nicht besetzen – obwohl die duale Ausbildung das Rückgrat betrieblicher Qualifizierung bleibt. Zugleich nimmt die Zahl internationaler Studierender, besonders im MINT-Bereich, ab. Hochschulen bleiben jedoch zentral für Qualifizierung und Transfer, während qualifizierte Zuwanderung an Bedeutung gewinnt.
Aus dieser Bestandsaufnahme folgen für uns fünf klare Schwerpunkte:
  1. Ausbildungsreife sichern und berufliche Bildung stärken.
  2. Berufsschulen stärken.
  3. Allgemeine Studiengebühren für internationale Studierende abschaffen.
  4. Weiterbildung stärken und inländische Erwerbspotenziale gezielter aktivieren.
  5. Arbeitsmarktorientierte Zuwanderung erleichtern.

Infrastruktur und Energie

Eine moderne, belastbare Infrastruktur ist das Rückgrat des Standorts – doch vielerorts zeigen sich Engpässe: Straßen, Brücken und Bahnknoten sind sanierungsbedürftig, Kapazitäten stoßen an Grenzen, grenzüberschreitende Schienenverbindungen bleiben lückenhaft; zentrale Projekte kommen nur schleppend voran. Zugleich fehlt es an verfügbaren Gewerbe- und Industrieflächen, Planungsprozesse dauern lange und Zielkonflikte bremsen Entwicklung – mit spürbaren Folgen für Lieferketten und Investitionen. Auch die Energieversorgung steht unter Druck: Laut BWIHK-Energiewendebarometer sehen Unternehmen aktuell mehr Risiken als Chancen für ihre Wettbewerbsfähigkeit. Gründe sind vor allem hohe Energiepreise, mangelnde Planbarkeit, langwierige Genehmigungen und zu viel Bürokratie. Gefragt sind jetzt verlässliche Entscheidungen für Versorgungssicherheit, Tempo und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen.
Daraus leiten wir fünf prioritäre Handlungsfelder ab:
  1. Flächen sichern und langfristig bereitstellen.
  2. Verkehrsinfrastruktur erhalten und ausbauen.
  3. Energieinfrastruktur gezielt ausbauen und Versorgungssicherheit stärken.
  4. International wettbewerbsfähige Energiepreise sicherstellen und Forschung vorantreiben.
  5. Wasserstoffhochlauf sektorübergreifend, technologieoffen und wirtschaftsnah koordinieren.
Der Baden‑Württembergische Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) hat zur Landtagswahl 2026 das umfassende Positionspapier "Kurs Wirtschaftswende“ erstellt.