Energiewendebarometer 2026
Die Energiekosten entwickeln sich für viele Unternehmen zunehmend zu einem Standortnachteil. Das zeigt das aktuelle Energiewende-Barometer 2026 der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), an dem sich rund 3.100 Unternehmen beteiligt haben. Die Ergebnisse verdeutlichen: Hohe Strom- und Wärmekosten schränken Investitionen ein, verschlechtern die Wettbewerbsfähigkeit und verstärken Verlagerungstendenzen ins Ausland.
Stimmungslage verschlechtert sich erneut
Nach einer zwischenzeitlichen Erholung ist das Energiewende-Barometer 2026 wieder deutlich ins Negative gerutscht. Auf einer Skala von minus 100 bis plus 100 erreicht der Indikator einen Wert von minus 11,5 Punkten. Vier von zehn Unternehmen bewerten die Auswirkungen der Energiewende auf ihre Wettbewerbsfähigkeit negativ, nur knapp ein Viertel positiv.
Gleichzeitig berichten viele Betriebe von weiter steigenden Energiekosten. Während bei 49 Prozent der Unternehmen die Stromkosten innerhalb der vergangenen zwölf Monate gestiegen sind, gilt dies für 67 Prozent auch bei Wärmeenergie wie Gas, Fernwärme oder Heizöl.
Norddeutschland bildet eine positive Ausnahme
Interessant ist die regionale Entwicklung: Unternehmen in Norddeutschland bewerten die Auswirkungen der Energiewende erstmals seit vielen Jahren mehrheitlich positiv. Als Gründe werden insbesondere die wirtschaftlichen Chancen durch erneuerbare Energien und neue Geschäftsfelder genannt. Allerdings weisen auch norddeutsche Unternehmen auf erhebliche Herausforderungen hin. Hohe Strompreise, fehlende Netzanschlüsse und Verzögerungen beim Ausbau der Infrastruktur beeinträchtigen weiterhin die Wettbewerbsfähigkeit, insbesondere energieintensiver Industriebetriebe. Für die IHKLW-Region ist dies ein wichtiges Signal: Der Ausbau erneuerbarer Energien schafft wirtschaftliche Perspektiven, gleichzeitig müssen Netzausbau, Versorgungssicherheit und wettbewerbsfähige Energiepreise konsequent vorangebracht werden.
Hohe Energiekosten bremsen Investitionen
Die Umfrage zeigt deutlich, dass steigende Energiepreise die Investitionsfähigkeit der Unternehmen einschränken. Rund ein Drittel der Betriebe verschiebt Investitionen in ihre Kernprozesse, weil finanzielle Mittel durch hohe Energiekosten gebunden werden. Jeder vierte Betrieb stellt Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen zurück, 16 Prozent verschieben Investitionen in Forschung und Innovation. Besonders betroffen ist die Industrie. Dort geben 35 Prozent der Unternehmen an, Investitionen in ihre Kernprozesse aufzuschieben. Gleichzeitig sehen rund zwei Drittel der Industrieunternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit durch hohe Energiekosten beeinträchtigt.
Verlagerungen ins Ausland nehmen zu
Besorgniserregend ist aus Sicht der Wirtschaft die Entwicklung bei Investitions- und Produktionsverlagerungen. Knapp 20 Prozent aller Unternehmen beschäftigen sich mit einer Verlagerung von Investitionen oder Produktionskapazitäten ins Ausland, setzen entsprechende Maßnahmen bereits um oder haben sie abgeschlossen. In der Industrie liegt dieser Anteil bei nahezu 40 Prozent, bei großen Industrieunternehmen sogar bei über 58 Prozent. Nach Einschätzung der DIHK sind viele Unternehmen inzwischen nicht mehr in einer Prüfungsphase, sondern haben bereits konkrete Verlagerungsschritte eingeleitet. Die Ergebnisse unterstreichen damit die anhaltenden Herausforderungen für den Industriestandort Deutschland.
Was die Unternehmen von der Politik erwarten
Die Umfrage zeigt auch klar, welche politischen Maßnahmen aus Sicht der Unternehmen Priorität haben sollten. Besonders hohe Zustimmung erhalten:
- die weitere Senkung von Steuern und Abgaben auf den Strompreis,
- ein beschleunigter und verlässlicher Ausbau der Energieinfrastruktur,
- technologieoffene und wirtschaftlich tragfähige Energieeffizienzmaßnahmen,
- ein stärkeres staatliches Engagement beim Aufbau zukunftsorientierter Infrastruktur.
Deutlich kritischer werden dagegen Maßnahmen bewertet, die zusätzliche Kosten verursachen. So stößt eine weitere Ausweitung des Emissionshandels bei gleichzeitig steigenden CO₂-Preisen auf erhebliche Vorbehalte.
