Internationale Fachkräfte gewinnen und binden
Wer internationale Fachkräfte oder Auszubildende aus dem Ausland gewinnen möchte, legt den Grundstein für eine erfolgreiche Zusammenarbeit bereits im Rekrutierungsprozess. Faire Bedingungen schaffen Vertrauen, stärken die Arbeitgeberattraktivität und unterstützen eine langfristige Bindung der Beschäftigten an das Unternehmen.
Grundsätze fairer Rekrutierung
Die IHK Lüneburg-Wolfsburg unterstützt Betriebe dabei, internationale Fachkräfte verantwortungsvoll zu gewinnen und nachhaltig zu integrieren. Die folgenden Grundsätze bieten Orientierung für eine faire und erfolgreiche Rekrutierung.
1. Transparenz von Anfang an
Eine faire Rekrutierung beginnt mit klaren und nachvollziehbaren Informationen.
Unternehmen sollten Bewerberinnen und Bewerber frühzeitig über den Ablauf des Verfahrens, die Arbeitsbedingungen und die Erwartungen im Betrieb informieren. Arbeitsverträge und wichtige Unterlagen sollten möglichst in einer Sprache zur Verfügung stehen, die die Fachkraft versteht.
2. Gleichbehandlung sicherstellen
Internationale Fachkräfte und deutsche Beschäftigte sollten unter denselben Bedingungen arbeiten.
Dazu gehören insbesondere:
- gleiche Arbeitsbedingungen
- eine branchen- und ortsübliche Vergütung
- Chancengleichheit im Betrieb
- ein diskriminierungsfreies Arbeitsumfeld
Faire Arbeitsbedingungen fördern die Motivation und stärken die langfristige Bindung ans Unternehmen.
3. Rekrutierungskosten übernehmen
Im Rahmen einer fairen Anwerbung sollten Kosten für Vermittlung, Visum oder Anreise nicht auf die Fachkräfte übertragen werden.
Das sogenannte „Employer-Pays-Prinzip“ trägt dazu bei, Abhängigkeiten zu vermeiden und faire Ausgangsbedingungen für beide Seiten zu schaffen.
4. Sprachförderung gezielt unterstützen
Sprachkenntnisse sind ein wichtiger Erfolgsfaktor für die berufliche und soziale Integration.
Bereits vor der Einreise sind grundlegende Deutschkenntnisse hilfreich. Nach der Ankunft sollten Unternehmen die weitere sprachliche Entwicklung unterstützen und Fördermöglichkeiten prüfen.
5. Integration frühzeitig beginnen
Integration startet nicht erst am ersten Arbeitstag.
Hilfreich sind beispielsweise:
- digitale Kennenlerntermine vor der Einreise
- Informationen zum Leben und Arbeiten in Deutschland
- frühzeitiger Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen
- Vorbereitung der Belegschaft auf die Zusammenarbeit im internationalen Team
6. Das Ankommen aktiv begleiten
Die ersten Wochen entscheiden häufig über den langfristigen Erfolg.
Viele internationale Fachkräfte benötigen Unterstützung bei Themen wie:
- Wohnungssuche
- Behördengängen
- Bankkontoeröffnung
- Orientierung am Wohn- und Arbeitsort
Mentorenprogramme, Welcome Center oder regionale Beratungsangebote können dabei wertvolle Unterstützung leisten.
7. Soziale Integration fördern
Ein gutes Ankommen im Team ist ebenso wichtig wie die fachliche Einarbeitung.
Bewährt haben sich:
- Patenschaften oder Mentoringprogramme
- gemeinsame Teamaktivitäten
- regelmäßige Feedbackgespräche
- feste Ansprechpartner im Betrieb
Frühzeitige Unterstützung hilft, Herausforderungen zu erkennen und Lösungen gemeinsam zu entwickeln.
Faire Vermittlungsagenturen erkennen
Bei der Zusammenarbeit mit Vermittlungsagenturen sollten Unternehmen auf transparente und faire Standards achten.
Wichtige Kriterien:
✔ Keine Kosten für Bewerberinnen und Bewerber (Employer-Pays-Prinzip)
✔ Transparente Informationen zu Leistungen, Zuständigkeiten und Kosten
✔ Schriftliche Verträge in verständlicher Sprache
✔ Gute Erreichbarkeit und klare Ansprechpartner
✔ Einhaltung ethischer Standards und Verhaltenskodizes
✔ In der Pflege: Orientierung am Gütezeichen „Faire Anwerbung Pflege Deutschland“
Faire Integration: Neue Pflicht für Arbeitgeber
Seit dem 1. Januar 2026 müssen Arbeitgeber bei der Anwerbung von Drittstaatsangehörigen aus dem Ausland auf kostenlose Beratungsangebote zu arbeits- und sozialrechtlichen Fragen hinweisen. Diese Information muss spätestens am ersten Arbeitstag in Textform erfolgen. Grundlage ist § 45c Aufenthaltsgesetz.
Für die betriebliche Praxis empfiehlt sich:
- Hinweis im Onboarding-Prozess integrieren
- Kontaktdaten der zuständigen Beratungsstelle bereitstellen
- Nachweis der Information dokumentieren
- Mehrsprachige Informationsangebote nutzen
Die fünf Grundprinzipien fairer Rekrutierung
-
Transparenz
Offene und verständliche Kommunikation -
Gleiche Bedingungen
Faire Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigten -
Arbeitgeber trägt Kosten (Employer-Pays-Prinzip)
Keine finanzielle Belastung der angeworbenen Fachkräfte -
Sprache und Integration fördern
Erfolgreiche Teilhabe von Anfang an unterstützen -
Begleitung vor und nach der Einreise
Nachhaltige Integration aktiv gestalten
Unterstützung durch die IHK Lüneburg-Wolfsburg
Sie möchten internationale Fachkräfte oder Auszubildende gewinnen und suchen Orientierung bei Rekrutierung, Anerkennung, Integration oder Fördermöglichkeiten?
Die IHK Lüneburg-Wolfsburg unterstützt Unternehmen mit Informationen, Beratung und regionalen Netzwerken rund um die Fachkräftesicherung aus dem Ausland.
Hinweis: Die Inhalte dieser Seite dienen der Orientierung und ersetzen keine rechtliche Beratung.
