Zeit für Wein und mehr

„Es dauert lange, ein richtiger Weinkenner zu sein. Aber es ist eine schöne Zeit.“ Mit einem Spruch zum Schmunzeln begrüßt Astrid Brinkmann Besucher auf ihrer Webseite. Das Motto gilt auch für ihr Weingeschäft in der Lüneburger Altstadt, denn das heißt schließlich nicht umsonst „Weinzeit“. Kein Zweifel: Die Inhaberin ist eine Kennerin, die sich über die Jahre profundes Wein-Wissen erworben hat. Sie ist vertraut mit Anbaugebieten, Rebsorten und Trends. Und sie kennt sich aus in der unendlich vielfältigen Welt der Aromen. Aber das Wichtigste beim Wein, sagt die Fachfrau, sei gar nicht das Wissen: „Wein bedeutet, sich Zeit zu nehmen zum Genießen.“ Ob der gute Tropfen auch gut schmecke, das sei individuell sehr verschieden: „Ob eher lieblich oder trocken, unkompliziert oder komplex, das muss man gar nicht interpretieren. Nur die Qualität, die muss stimmen.“
Zeit mit und für Wein hatte Astrid Brinkmann eigentlich schon immer, da ist sie erblich vorbelastet. Der Großvater war erstens Bäcker und zweitens ein großer Weinliebhaber, der in seiner Bremer Bäckerei neben Brot auch Wein verkaufte. Vater Friedrich Brinkmann formte daraus einen Weinhandel, der mittlerweile in dritter Generation von Ulrike Brinkmann geführt wird. Als jüngere Schwester jobbte Astrid Brinkmann schon als Jugendliche im elterlichen Geschäft, bevor sie nach Lüneburg zog, um in Hamburg Lehramt zu studieren. Die Begeisterung für die Pädagogik sank, die für den Wein blieb. „Irgendwie entstand dann die Idee, in Lüneburg ein Weingeschäft zu eröffnen“, sagt Astrid Brinkmann. Die Schwestern brachten das Wesentliche, nämlich Erfahrung mit dem Sortiment und gewachsene Kontakte zu Winzern, schon mit. Als Astrid Brinkmann in der historischen Altstadt dazu den passenden Raum fand, hakte sie die Lehrerinnenlaufbahn ab und legte mit dem eigenen Geschäft los. „Jetzt bin ich so eine Art Wein-Pädagogin“, sagt sie und lacht.
Das trifft es ziemlich gut, denn „Weinzeit“ ist zwar ein Fachgeschäft mit erstklassiger Beratung, aber dazu noch viel mehr: Einmal pro Woche nehmen Weinliebhaber und solche, die es werden wollen, am großen Tisch hinter den Weinregalen Platz, um bei einem Seminar mit allen Sinnen dem Geheimnis des Weins auf die Spur zu kommen. Da geht es dann um Wein und Käse, um Wein und Schokolade oder um die hohe Kunst der Blindverkostung. Ganz klassisch an der Volkshochschule hatte die Expertin mit ihren Seminaren angefangen, aber schnell gemerkt, dass das nicht der ideale Ort ist. Mittlerweile sind viele Teilnehmer zu Stammkunden geworden. Andere kommen über ihre Wein-Krimis dazu: Bei einer Tour durch die Altstadt wird ein Verbrechen aus der Weinwelt aufgeklärt – und zwischendurch natürlich Wein verkostet. „Das ist nichts zum Lernen, das macht einfach Spaß.“ Ebenso erfolgreich ist die Idee der Wein-Abos: „Ich stelle nach den Vorlieben der Kunden in regelmäßigem Abstand Überraschungs-Weinkisten zusammen und liefere sie aus. Das kommt sehr gut an.“
Weinkauf ist also nicht nur eine Frage von Genuss, sondern auch eine Sache des Vertrauens und der Einstellung. Da ist Astrid Brinkmann sehr klar: „Qualität, Umweltbewusstsein und Tradition – das ist mir wichtig. Bei uns gibt es nur handwerklich produzierte Weine, die oft aus biologischem oder naturnahem Anbau stammen.“ Aber auch wenn „Weinzeit“ längst etabliert ist: Auf dem Erreichten könne man sich nicht ausruhen, sagt die Inhaberin: „Da geht es mir wie allen Einzelhändlern. Es ist viel Arbeit. Man muss immer dranbleiben, sich etwas einfallen lassen, sonst funktioniert es nicht.“ Glück für die Händlerin: Ihr Thema ist unerschöpflich. „Wein wird nie langweilig, weil man mit so vielen Fachgebieten in Berührung kommt. Chemie, Physik, Geologie, Meteorologie oder auch Literatur – das finde ich total spannend. Man lernt nie aus.“ Und: „Es macht mir immer noch sehr viel Spaß, die Kunden bei der Auswahl zu beraten.“ Im Rückblick sind 25 Jahre „Weinzeit“ daher auch für Astrid Brinkmann persönlich eine schöne Zeit. Sie hat kein Problem damit, sich selbst reinen Wein einzuschenken: „Die Entscheidung damals war vielleicht nicht unbedingt vernünftig“, sagt sie mit fröhlicher Stimme. „Aber für mich war es genau der richtige Weg.
Ute Klingberg

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