Unsere Wirtschaft
Nr. 7120738
2 min Lesezeit
Prof. Dr. Markus Henke am Rednerpult, im Vordergrund sind unscharf Zuschauende zu erkennen.

Wandel braucht Zusammenarbeit

Wie kann die Region Wolfsburg den Wandel der Automobilindustrie für neue Geschäftsmodelle nutzen? Prof. Dr. Markus Henke von der Technischen Universität Braunschweig anlässlich seines Impulsvortrags vor der Vollversammlung unserer IHK Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW) über den WeCampusWOB, die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft und den Mut, institutionelle Grenzen zu überwinden.

Herr Professor Henke, welche Entwicklung am Standort Wolfsburg ist für die Unternehmen der Region derzeit besonders relevant?
Markus Henke: Die Entwicklungen in der Automobilbranche und dabei insbesondere die Notwendigkeit, Automobilproduktion ganzheitlich und eher zirkulär zu betrachten, verbunden mit der steigenden Wettbewerbssituation im Bereich der E-Mobilität, sind meiner Meinung nach die wichtigsten Herausforderungen für die Region. In jeder Krise steckt dabei jedoch auch immer die Chance, sich zu verbessern, seine Prozesse anzupassen und neue Wege zu gehen. Wir sind daher überzeugt, dass wir z.B. am WeCampusWOB zusammen mit unseren Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft den richtigen Impuls für die Region setzen. Wir denken dort automobile Kreislaufwirtschaft gemeinsam mit unseren Partnern ganzheitlich und legen großen Wert darauf, von den Stärken des jeweils anderen zu profitieren.
Wie können Unternehmen vom WeCampusWOB profitieren?
Henke: Der gemeinsame, institutionsübergreifende Rahmen für Forschung, Lehre und Transfer am WeCampusWOB hilft, anwendungsbezogene Bedarfe besser und ganzheitlicher zu adressieren sowie zukunftsfähige Strukturen für die automobile Kreislaufwirtschaft zu schaffen. Dabei ist es wichtig, dass wir ein Umfeld für Gründerinnen und Start-ups schaffen, das attraktiv ist, um die Innovationskraft weiter zu erhöhen. Der WeCampusWOB ist eine Drehscheibe für Industrie, Forschung und Lehre in der Region, um optimale Systemlösungen zu entwickeln, die vom Markt akzeptiert werden. Alle Unternehmerinnen sind eingeladen, ihre Expertise einzubringen, damit uns das noch besser gelingt. Anknüpfungspunkte sehen wir zum Beispiel in Bereichen wie HR, Weiterbildungen oder Technologien, sind aber auch offen für weitere Ideen.
Was muss sich verbessern, damit Forschung schneller im Markt ankommt?
Henke: Ich denke, hier es noch mehr nötig, "sich zu kennen". Wir leben den Gedanken der Zusammenarbeit über organisationsbezogene Hürden hinweg durch das Modell der öffentlich-privaten Partnerschaft. Es braucht aber immer Vertrauen und Mut, um bürokratische und verwaltungstechnische Hürden zu nehmen. Das gelingt uns nur, wenn wir uns miteinander vernetzen und in den Austausch kommen – so, wie bei der heutigen Veranstaltung. Dieses Mindset sollte sich dann auch politisch in adäquaten Förderprogrammen widerspiegeln, um insgesamt effizient und dynamisch zusammenarbeiten zu können. Insgesamt bietet unsere Region großartige Chancen – heute für künftige Generationen.
Interview: Sandra Bengsch