Mehr Verkehr auf die Schiene bringen

Zum Jahresbeginn hat die Schieneninfrastruktur Ost-Niedersachsen GmbH ( SInON) das Schienennetz der Osthannoversche Eisenbahnen AG (OHE) übernommen. Seit dem 1. Juli neu zum Team gehört Matthias Herten als Geschäftsführer. Ein Interview über die Ziele der SInON und Perspektiven für Unternehmen.
Matthias Herten ist Geschäftsführer der Schieneninfrastruktur Ost-Niedersachsen GmbH (SInON). © privat
Was sind die zentralen Ziele der neuen SInON?
Die SinON garantiert Erhalt und Ausbau der kompletten Eisenbahninfrastruktur im ehemaligen OHE-Netz. Wir geben damit den Unternehmen und den an der Strecke anliegenden Regionen die Sicherheit, auch in Zukunft an das nationale und internationale Schienengüterverkehrsnetz angeschlossen zu sein – und damit die Sicherheit für Investitionen in eigene Gleisanschlüsse. Neu für ein Infrastrukturunternehmen ist es, das wir aktiv auf die Industrie- und Gewerbebetriebe in unserem Bereich zugehen werden. Wir werden sie unabhängig beraten und sie dabei unterstützen, Transporte von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Neben der Hilfestellung für die Unternehmen bei der Organisation von Eisenbahnverkehren, Fördermitteln und technischen Dienstleistungen, möchten wir so Erkenntnisse gewinnen, um unsere Infrastruktur nach den Kundenwünschen ausrichten zu können.
In der Landtagsentscheidung zum Kauf der OHE-Infrastruktur wurde auch die Prüfung  von Schienenpersonennahverkehr auf Strecken der SInON zum Ziel gemacht.
Beides sind aus Sicht der SInON zentrale Bestandteile einer Verkehrswende um Güter- und Personenverkehre auf die Schiene zu verlagern und damit die ambitionierten Klimaziele der Bundesrepublik zu erreichen.
Wir sind ein Start-up mit über 100-jähriger Geschichte.
Wie wollen Sie diese Ziele erreichen und womit fangen Sie an?
Wir sind ein Start-Up mit über 100-jähriger Geschichte. Das Team der SInOn hat ja nicht auf mich gewartet um loszulegen, sondern ist schon mit viel Enthusiasmus und Know-How dabei. Mit starker Unterstützung des Landes Niedersachsen und der Bundesrepublik Deutschland wird seit knapp zehn Jahren wieder erheblich in den Erhalt der Eisenbahninfrastruktur investiert, besonders stark in den letzten zwei Jahren.
Diesen Investitionskurs mit zehn bis 15 Millionen Euro pro Jahr wird die SInON nahtlos fortsetzen. Ich werde auf unsere Gleisanschließer und potenzielle Kunden zugehen und prüfen, wo wir die Infrastruktur gezielt für mehr Güterverkehr entwickeln können. Im Lüneburger Raum wird der Schienenpersonennahverkehr durch die kürzlich veröffentlichte Machbarkeitsstudie akut, da sind viele Gespräche zu führen um das Projekt zum Laufen zu bringen.
Unternehmen profitieren von der Sicherheit, an ein öffentliches Schienennetz angebunden zu sein.
Wie können die Unternehmen in der Region von Ihren Angeboten profitieren?
Die Unternehmen profitieren von der Sicherheit, an ein öffentliches Schienennetz angebunden zu sein. Die Lkw-Verkehre werden durch Fahrermangel und hohe Energiekosten immer unattraktiver, da ist der Umstieg auf die Schiene aktive Wirtschaftsförderung für die Region. Der Tourismus in der Heide wird von einer guten Schienenanbindung profitieren, da immer mehr Gäste aus den Ballungsräumen nicht mehr mit dem Auto anreisen wollen.

Unterstützen Sie Unternehmen auch beim Anschluss an Ihr Schienennetz?
Selbstverständlich, das ist ein weiteres zentrales Anliegen der SInON. Die Kollegen der SInON haben einen großen Erfahrungsschatz regionale Eisenbahninfrastruktur günstig und zuverlässig zu betreiben. Wir unterstützen aber nicht nur Unternehmen sondern auch gerne Wirtschaftsförderungen oder auch Entwicklungsgesellschaften mit unserer Expertise bei Bau, Betrieb und Unterhalt von Eisenbahninfrastrukturen und deren Fördermöglichkeiten. Aber auch unsere öffentlichen Ladestraßen erleben derzeit einen Nachfrageboom und der Bund hat mit Förderprogrammen Möglichkeiten geschaffen, um diese mit der Region zusammen zu entwickeln. Wenn die Ladestraßen der Nachfrage entsprechend aufgewertet werden, senkt das die Einstiegshürden im Schienenverkehr. Soll heißen: Man braucht nicht zwangsläufig einen eigenen Gleisanschluss, um Güter auf die Schiene zu bringen.
Bei uns sind alle Strecken 24/7 nutzbar.
Wann dürfen wir einen spürbar besseren Schienenverkehr in der Region erwarten?
Die Frage impliziert ja, dass der Schienenverkehr heute schlecht ist. Bezogen auf die Nachfrage ist das Netz der SInON heute aber schon leistungsfähig. Bei uns sind alle Strecken 24/7 nutzbar und für die Erschließungsfunktion ist Geschwindigkeit nicht wichtig, sondern Zuverlässigkeit und Flexibilität. Wir stellen schon heute eine moderne und leistungsfähige Eisenbahninfrastruktur zur Verfügung, sind aber nur ein Baustein für einen spürbar besseren Schienenverkehr in den Regionen. Wir hoffen, dass für die kapazitiven Probleme der überregionalen Infrastruktur in Norddeutschland auch bald eine Lösung gefunden wird.
Der zweite zentrale Baustein ist das auf unseren Strecken verkehrende Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU). Über 20 verschiedene EVU nutzen unsere Infrastruktur bereits regelmäßig. Diese EVU sorgen auch heute schon für attraktive Angebote für alle Güterverkehrskunden. Hier sehen wir aber noch Potenzial und wir sind uns sicher, dass die EVU in den nächsten Jahren mit ihrer Kreativität neue Verkehre für die Schiene gewinnen werden. Den Personenverkehr zu entwickeln, wird noch eine Weile dauern, hier sind erst einmal noch viele grundsätzliche Fragestellungen vertieft zu klären. Aber wir legen für den Raum Lüneburg jetzt mit der konkreten Planung los, um eine valide Datengrundlage zu schaffen, die das Land in die Lage versetzt, eine positive Entscheidung für die Reaktivierung der Strecken zu treffen. Tobias Siewert