Unsere Wirtschaft
Nr. 7005502
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Virtueller Hintergrund

KI für schnellere Verfahren

Der Landkreis Heidekreis will eine eigene KI-Strategie umsetzen und bekommt dafür gut 40.000 Euro europäische Fördermittel. Das entstehende Wissen soll auch den Landkreisen Uelzen und Celle zugutekommen, denn die Kreise gehören als Zukunftsregion „HeiDefinition“ zusammen.
Die Pläne dürften auf viele offene Ohren stoßen, denn bei der Standortumfrage unserer IHKLW hatten zahlreiche Unternehmen schleppende Verfahren kritisiert. Auch wenn Digitalisierung nicht an allen Punkten solcher Prozesse für schnelleres Tempo sorgen kann: Hoffnung für mehr Zufriedenheit unter Unternehmen besteht dennoch. Denn wenn KI-Anwendungen einfache Arbeiten erledigen, haben die Mitarbeitenden mehr Zeit für komplexe Aufgaben.
So plant die Verwaltung im Landkreis Heidekreis zum Beispiel den Einsatz von KI bei der Beantwortung telefonischer Anfragen. Die Anwendung soll gezielte Fragen stellen und entsprechende Informationen bereitstellen. „Das spart viel Zeit, und der Antragsteller oder die Antragstellerin erhält schnell Auskunft“, sagt Landrat Jens Grote (parteilos). „Auch die Verwaltung leidet unter Fachkräftemangel und die Mitarbeitenden können dadurch die Anliegen der Kunden oft nicht zeitnah erledigen.“
KI-Anwendungen führten nicht zu einer Reduzierung des Personals, betont Grote. Vielmehr würden die Menschen „in die Lage versetzt, sich um die wirklich schwierigen Anliegen zu kümmern“ und könnten damit „schneller und kundenfreundlicher agieren“. Als Beispiel nennt er das Erstellen von Protokollen, das viele Ressourcen binde und von einer KI erledigt werden könne.
Bei der Standortumfrage unserer IHKLW 2025 hatte der Heidekreis schlechter abgeschnitten als 2020 – gleichzeitig hatten die Befragten die Geschwindigkeit der digitalen Genehmigungsverfahren für Unternehmen gelobt. Ob die geplante KI-Strategie also für mehr Zufriedenheit bei den Unternehmen sorgen könne? Erster Kreisrat Oliver Schulze antwortet, dass die Standortqualität häufig unter Aspekten leide, die kommunal kaum zu beeinflussen seien: etwa Bundes- und EU-Bürokratie, Lohn- und Energiekosten.
Gleichzeitig sieht Oliver Schulze Chancen: „Die Standortattraktivität leidet eben auch unter langwierigen und komplizierten Genehmigungsverfahren. Eine KI-Strategie kann dazu führen, dass einmal eingereichte Daten schnell wieder zur Verfügung stehen, dass Genehmigungsverfahren schneller abgewickelt werden können und mehrere notwendige Genehmigungsverfahren gebündelt werden.“
Wichtig sei auch eine ausreichende Transparenz: „Unternehmen müssen wissen, warum bestimmte Verfahren durchgeführt werden müssen, um die richtigen Unterlagen liefern zu können. Auch das kann Verfahren beschleunigen.“ Nach Bekanntgabe der IHKLW-Umfrageergebnisse voriges Jahr gab es ein Treffen zwischen Unternehmen, Verwaltung und Politik. „Eine konkrete Konsequenz aus der Diskussion war das Angebot eines Schulungsprogramms für Mitarbeitende aus Unternehmen, um gemeinsam einen Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen“, berichtet Schulze. „Die Unternehmen werden ganz pragmatisch und praktisch bis zu ihrem ersten Bericht begleitet. Das hilft den Unternehmen ganz konkret und stärkt den Standort.“
Exakt 40.500 Euro überweist die Niedersächsische Landesregierung aus dem Programm „Zukunftsregionen in Niedersachsen“ nach Bad Fallingbostel, die Summe deckt die Kosten für einen externen Dienstleister sowie eine Viertelstelle innerhalb der Verwaltung. Im Landkreis Celle blickt man mit Interesse auf das Projekt der Nachbarn. Seit 2023 überprüft die Verwaltung nach eigenen Angaben systematisch ihre Prozesse. Aktuell nennt das Landratsbüro erste Optimierungen wie die Automatisierung digitaler Antragsdaten sowie die Analyse von Genehmigungsabläufen. Seit November 2025 ist der ChatBot „Leo“ im Einsatz, der seither 11.000 Gespräche führte – bei einer negativen Rückmeldequote von nur 0,5 Prozent. Darüber hinaus testen rund 200 Beschäftigte eine KI-Plattform mit verschiedenen Sprachmodellen, außerdem wird eine spezialisierte Rechts-KI erprobt.
Aktuell stehen im Landkreis Celle rund 125 Dienstleistungen online zur Verfügung und werden laut Landratsbüro laufend erweitert. Unternehmen können einen digitalen Postkorb nutzen, geplant ist für das zweite Quartal die Anbindung des Portals an die eAkte inklusive eines Antwortkanals zum Postkorb. Landrat Axel Flader (CDU): „Wir arbeiten sehr konsequent daran, unsere Dienstleistungen zu digitalisieren.“ Er begrüße „die Initiative des Landes Niedersachsen, das sich wieder verstärkt bei der Digitalisierung einbringen will, nachdem es dort längere Zeit eine passivere Rolle eingenommen hatte“.
Auch im Landkreis Uelzen sei man „gespannt, welche Erkenntnisse der Heidekreis mit seinem Projekt machen wird“, so Landrat Dr. Heiko Blume (CDU). Im Uelzener Kreishaus werde eine KI perspektivisch wiederkehrende Aufgaben erleichtern und Verwaltungsprozesse beschleunigen. „Das wird auch zur Zufriedenheit der regionalen Unternehmen beitragen.“ Blume schränkt jedoch ein: Die Vorgaben aus dem AI Act seien für die öffentliche Hand komplex und juristisch anspruchsvoll, der Einsatz daher mit größeren Hürden verbunden als für die Privatwirtschaft.
Im Anschluss an die IHKLW-Standortumfrage sprach Blume mit Betrieben und der Wirtschaftsförderung. „Aus diesen Gesprächen geht hervor, wie zufrieden die Unternehmen eigentlich mit dem Wirtschaftsstandort Landkreis Uelzen sind.“ Verschlechterungen seien auch Ausdruck deutschlandweiter Hürden.
Carolin George
IHK Lüneburg-Wolfsburg
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