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Ein Hafen als Herzensprojekt
Von seinem Büro aus kann er ihn sehen: den Sportboothafen Hitzacker, malerisch gelegen an der Jeetzel, die hier in einer perfekten Schlaufe die historische Stadtinsel umschließt, um ein Stückchen weiter in die Elbe zu münden. Ganz in der Nähe des Ortes, an dem einst die Weinbergsburg stand, schon lange bevor Hitzacker (Elbe) im Jahr 1258 die Stadtrechte erhielt. Nur 25 Jahre ist es her, dass der Unternehmer Peter Schneeberg sich entschieden hat, den Hafen zu kaufen – weniger eine auf Profit ausgerichtete Entscheidung als ein klares Bekenntnis zu seiner Heimatstadt auf Höhe Elbkilometer 522,3.
„Ich bin hier geboren und aufgewachsen, da hängt man an dieser Kleinstadt und geht mit einem anderen Blick an Probleme ran“, sagt der 84-Jährige, der selbst schon stellvertretender Bürgermeister von Hitzacker war. Als die Verantwortlichen also 2001 auf ihn zukamen, weil für eine Erneuerung des Hafens schlicht das Geld fehlte, da habe er die Entscheidung „allein und ziemlich schnell gefällt“.
Ich bin hier geboren und aufgewachsen, da hängt man an dieser Kleinstadt.
Und das, obwohl der Hafen bei der Gründung der „Hafen Hitzacker (Elbe) GmbH“ einem „zerfallenen Haus“ geglichen habe: „Völlig marode, die Fähre schrott und die hölzernen Dalben im Hafen komplett abgängig und versandet“, erinnert sich Peter Schneeberg. Heute sei der Sportboothafen Hitzacker eine der modernsten und umweltfreundlichsten Anlagen zwischen Hamburg und Berlin. Mit einer Alu-Steganlage mit 107 Liegeplätzen, modernster Technik, neuem Hafen-Pavillon sowie dem „Hotel Hafen Hitzacker (Elbe)“ in nächster Nähe.
Auch das 4-Sterne-Hotel gehört zu dem, was der erfolgreiche Immobilienkaufmann im Laufe seiner langen Karriere aufgebaut hat. „Ich habe mich mit Anfang 20 selbstständig gemacht und hatte zwei Dinge: kein Geld und keine Angst“, sagt Peter Schneeberg. 1964 habe er in Dannenberg ein Grundstück gekauft, „von 5.000 Mark, die ich auf See verdient und gespart hatte“. Mit Hilfe staatlicher Förderung habe er dann den ersten Wohnblock errichten lassen. Und weil das Prinzip gut funktionierte, habe er anschließend „den Faden weitergesponnen“ und über die Jahrzehnte „in erheblichem Umfang“ gebaut. Irgendwann habe er zudem begonnen, fertige Immobilien – etwa in Hamburg und Umgegend – dazuzukaufen.
Den „erheblichen Umfang“ versteht man ein wenig besser, wenn man weiß, dass mittlerweile rund 300 Menschen damit beschäftigt sind, Wohnungen, Seniorenwohnungen und Gewerbeflächen in insgesamt sechs Bundesländern zu vermieten, instand zu halten und neue Projekte in die Tat umzusetzen, sowie in zwei Seniorenheimen und insgesamt vier Hotels für das Unternehmen zu arbeiten. „Ein ziemliches Obligo“, wie Peter Schneeberg, der mittlerweile von Sohn und Tochter sowie zwei erwachsenen Enkelkindern unterstützt wird, feststellt. In demselben lakonischen Tonfall bemerkt er: „Meine Arbeit beginnt jeden Tag um 3.45 Uhr.“
Der Sportboothafen Hitzacker, der nun seit einem Vierteljahrhundert zum Schneeberg-Kosmos gehört, sei für ihn keine auf schnellen Profit ausgerichtete Investition gewesen. „Mir war von Anfang an klar, dass man das langfristig angehen muss.“ Und weil es vor allem die regionale Verbundenheit ist, die ihn antreibt, sieht Peter Schneeberg das Projekt ganzheitlich und eben auch als Unterstützung des Tourismus‘ in einer Stadt, die am beliebten Elbradwanderweg liegt. Dazu passt, dass er selbst mehr als ein Dutzend Häuser in der pittoresken Altstadt hat sanieren lassen.
Die letzte bedeutende Maßnahme im Interesse der Infrastruktur des Hafens und damit der gesamten Stadt war die Erneuerung der etwa 20 Meter langen und rund 35 Tonnen schweren Drehbrücke, die nun seit 2018 dreimal pro Tag geöffnet ist und die Stadtinsel mit dem Elbvorland namens „Schweineweide“ verbindet. Das Bauwerk ist schwenkbar, damit die Sportboote problemlos in den Hafen ein- und auslaufen können. Auch den Bau dieser Brücke ist Peter Schneeberg äußerst pragmatisch angegangen: „Wenn man so etwas 50 Jahre und länger macht, dann weiß man, was man tut. Außerdem kann man als Privatinvestor schneller bauen als die öffentliche Hand es oft kann.“ Die Brücke, das Hotel und die sanierte Hafenanlage zusammengerechnet hat Peter Schneeberg laut eigener Auskunft mittlerweile mehr als 27 Millionen Euro in den Standort Hitzacker investiert.
Danach gefragt, ob sich dieser Einsatz auszuzahlen beginne, antwortet Peter Schneeberg: „Den Erfolg kann ich etwa daran erkennen, dass ich nicht wenige Wohnungen in der Umgebung an Hamburger*innen und Berliner*innen vermiete, die hierhergezogen sind, weil nicht nur der Quadratmeterpreis, sondern auch die Lebensqualität stimmt.“ Ob es ihn mit Stolz erfülle, wenn er aus dem Bürofenster über Sportboothafen und Altstadt schaue? Peter Schneeberg scheint nicht der Typ zu sein, der mit dieser Art von Gefühlen hausieren gehen würde. Aber er erzählt gern, dass in seinem Hotel mit Blick auf die Stadtinsel bereits die Umweltminister*innen der Bundesländer logiert haben. Und neben weiteren bekannten Persönlichkeiten war sogar der jetzige niederländische König Willem-Alexander zu Gast, dessen Vater einst in der Nähe auf Gut Dötzingen geboren wurde. Es dauert nicht mehr lang bis die Wassersportsaison so richtig beginnt. Auch für Peter Schneeberg, denn wie viele andere Menschen aus Hitzacker auch, hat er ein Motorboot in „seinem Hafen“ liegen. Alexandra Maschewski
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