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„Vielfalt ist das, was uns ausmacht“
Greta Silver ist ein inspirierendes Beispiel dafür, dass man auch jenseits des offiziellen Rentenalters sehr erfolgreich sein kann. Seit 2014 als Bestseller- Autorin und Podcasterin unter diesem Künstlernamen aktiv, ist die heute 78-jährige Hamburgerin äußerst gefragt als Speakerin – so auch im Rahmen der Jahreskonferenz der Allianz für Fachkräfte am 2. Juni im Kurhaus Bad Bevensen. Thema: „Silver Worker – Erfahrungswissen als Superkraft“. Greta Silver will nicht nur Antworten geben. Sie fragt auch gern.
Als wann gilt man in der heutigen Arbeitswelt eigentlich als alt?
Greta Silver: In den 1970ern fing es an, dass die Unternehmen Mitarbeitenden ab 50 den goldenen Handschlag gegeben haben. Und wenn wir heute zum Beispiel einen Blick auf die Werbung werfen, dann sieht man dort nur Spots mit Älteren, die nicht mit Lebensfreude, sondern mit Mangel zu tun haben – mit Knieschmerzen oder Inkontinenz. Demonstriert wird damit: Ihr gehört nicht mehr dazu. Ihr seid altes Eisen. Da frage ich mich persönlich: In was für einem Altersbild sind wir da unterwegs? Und das, obwohl die Kaufkraft in Deutschland zu 60 Prozent bei der Generation 60+ liegt. Der deutschen Wirtschaft muss es trotz Fachkräftemangel ja wirklich sehr gut gehen, wenn sie die Leute ab 50 nicht haben will – weder im Job, noch als Zielgruppe. Dabei müsste das mit dem Alter mittlerweile jeder verstanden haben: Von 60 bis 90 ist genauso lang wie von 30 bis 60. Nie war so viel Wandel wie jetzt, und den sollte man mitgestalten.
Greta Silver zeigt, dass Erfolg kein Alter kennt. Die Bestsellerautorin, Podcasterin und gefragte Speakerin ist am 2. Juni bei der Jahreskonferenz der Allianz für Fachkräfte im Kurhaus Bad Bevensen zu Gast.
Verstehen die Verantwortlichen, dass sie etwas ändern müssen?
Silver: Es ist wie immer von einzelnen Menschen abhängig. Oft sitzen die falschen Leute an den Stellen, wo entscheiden wird, ob eine Bewerbung überhaupt durch das Nadelöhr durchkommt. Da beginnt mitunter schon das Generations-Bashing. Ich versuche regelmäßig, Führungskräfte auf Folgendes hinzuweisen: Sei dir bewusst, dass du jetzt an einem Hebel sitzt, der im Zweifel auch deine eigene berufliche Zukunft regelt. Wie möchtest du das später mal haben? Das ist oft den wenigsten bewusst. Dabei gibt es so viele Möglichkeiten, etwas zu verändern. Manchmal denke ich, ich müsste Politikbeauftragte fürs Alter für alle Ministerien werden.
Womit würden Sie denn anfangen?
Silver: Meiner Meinung nach muss von Unternehmen ein sicherer Raum geschaffen werden, d.h. eine Atmosphäre, in der man sich als Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer verletzbar machen kann. Was das heißt? Es geht um ein ermöglichendes Umfeld, in dem man sich austauschen und im Zweifel auch vermeintlich verrückte Ideen äußern kann.
Welche Vorzüge bringen ältere Kolleg*innen mit?
Silver: Ich sage gern Alte – auch wenn ich weiß, dass viele mit diesem Wort ein Problem haben. Für mich ist das wie ein Ritterschlag! Alte sind krisenerfahren, schließlich gab es auch schon in der Vergangenheit immer wieder Herausforderungen zu bewältigen. Und da will man die Menschen, die Lösungen im Rucksack haben, aussteuern? Jemanden, der die Abkürzungen kennt? Wer lernt denn schneller das Musikinstrument? Der, der schon eines beherrscht? Oder der, der die Technik in der Theorie gelernt hat? In meinen Augen erfordert es keinen Mut für jemanden, der in einer Schlüsselposition ist, das auszuprobieren. Soweit ich weiß, haben wir immer noch Kündigungsfristen, wo also ist das Risiko? Es müssen die Vorteile des ganzen Spektrums genutzt werden, also von alt bis jung. Die Vielfalt ist das, was uns ausmacht.
„Altersgemischte Teams“ sind ein Schlagwort.
Silver: Es wird ja immer gesagt, Erfahrung und neu, das wären die beiden Pole, die sich gegenüberstehen. Bei Jungen kriege ich Neues; bei Alten kriege ich Erfahrung. Das ist Vergangenheit. Jetzt haben wir eine ganz neue Zeit, und wir brauchen alles. Ich sage: Die Alten können sich ganz wunderbar mit jungen Leuten unterhalten und andersrum. Wir sollten lieber zu den ängstlichen Menschen schauen, Stichwort „Imposter-Syndrom“. Alte und Junge, die befürchten, dass die andere Seite vermeintliche Unzulänglichkeiten entdecken könnte. Meine Aufforderung an die Unternehmen ist oftmals: Wie können wir die Unsicheren stärken? Wie können wir alle in ein Boot bekommen? Und am Ende steht die Frage: Wie können wir da Freude an der Arbeit reinkriegen? Noch eine kleine „Greta-Frage“: Kann es sein, dass viele Alte so grummelig sind, weil sie überhaupt nicht als das gesehen werden, was sie sind? Teams sind stabiler und kreativer, wenn sie durchmischt sind – nicht nur was das Alter, sondern auch was Geschlecht oder Background angeht. Es ist wie im Fußball: Eine Mannschaft ist nur toll, wenn man sich gegenseitig unterstützt und nicht alle Einzelstars sein wollen.
Welche Rolle spielt das Thema „Lebenslanges Lernen“?
Silver: Laut Studie des Meinungsforschungsunternehmens „Gallup“ gehen der deutschen Wirtschaft jedes Jahr bis zu 142 Milliarden Euro verloren, weil die Mitarbeitenden innerlich gekündigt haben oder Dienst nach Vorschrift machen. Ich durfte beim Arbeitsministerium in Berlin eine Laudatio zum Thema Weiterbildung halten, und weiß, dass tatsächlich viele Menschen Weiterbildung als eine Art Strafe ansehen. Ich sage: Weiterbildung ist besser als Botox! Das hält mich jung. Und wenn man als älterer Mensch gar nicht erst ermutigt und so zum alten Eisen geschoben wird, dann verinnerlicht man das ein Stück weit. Wenn ich mich jung fühlen möchte, dann heißt das neugierig bleiben. Auf Weiterbildung – und auf das Leben.
Ist Ihr Erfolg nicht ein Indikator dafür, dass sich etwas verändert?
Silver: Das wird so sein, dabei sehe ich mich nicht als etwas Besonderes. Aber ich bin eben neugierig und habe Lust, mich in immer wieder neue Themen „hineinzuwerfen“. Das war so, als ich nach 17 Jahren als Hausfrau und Mutter mit Einrichtungsprojekten begonnen habe. Und das war so, als ich im Alter von 66 meinen YouTube-Kanal aufmachte. Als ich als Greta Silver anfing, habe ich keine übertriebene Erwartungshaltung an mich gehabt, sondern gesagt: Da ist eine Chance, die ich nutzen will. Und mich dann gefragt: Wie werde ich mich fühlen, wenn ich es ausprobiere? Das hat mich meine Zweifel überwinden lassen. Was habe ich denn zu verlieren? Ich will vermitteln, was Alter wirklich ist. Ich will die Lebendigkeit rüberbringen, die in dieser Generation steckt. Hier nicht Vorbild zu sein, wäre doch fast schon unterlassende Hilfeleistung. Interview: Alexandra Maschewski
Konferenz: Silver Worker – Erfahrungswissen als Superkraft
Wie bleibt Wissen im Unternehmen, wenn Fachkräfte fehlen und erfahrene Beschäftigte in den Ruhestand gehen? Darum geht es bei der Jahreskonferenz der Allianz für Fachkräfte Nordostniedersachsen am Dienstag, 2. Juni, 13 bis 17.30 Uhr, im Kurhaus Bad Bevensen. Die Teilnahme ist kostenfrei, Anmeldung unter www.ihklw-events.de/Jahreskonferenz2026.
Los geht es mit einem gemeinsamen Mittagessen ab 13 Uhr. Im Anschluss geben Professor Dr. Jürgen Deller, Arbeits- und Organisationspsychologe an der Leuphana Universität Lüneburg, und Bestseller-Autorin Greta Silver Impulse für den Umgang mit der Generation 55+. Am Nachmittag stehen drei Workshops auf dem Programm, die mit der Anmeldung ausgewählt werden können: „KI macht Erfahrungswissen im Unternehmen für alle verfügbar“, „Neue Perspektiven auf Erfahrung und Lernen im Unternehmen“ und „Potentiale älterer Beschäftigter gestalten“. Zum Abschluss diskutieren Referent*innen und Wirtschaftsvertreter*innen über Chancen für zukunftsfähige Arbeitswelten. Ab 17.30 Uhr klingt die Jahreskonferenz im Kurpark aus.
Organisiert wird die Veranstaltung federführend von unserer IHK Lüneburg-Wolfsburg, der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade, der Agentur für Arbeit Lüneburger Heide, dem Arbeitgeberverband Lüneburg-Nordostniedersachsen und der Leuphana Universität Lüneburg. Zur Allianz für Fachkräfte Nordostniedersachsen zählen darüber hinaus der DGB-Region Niedersachsen Mitte, die Ostfalia Hochschule, die Agentur für Arbeit Celle sowie die Landkreise Lüneburg, Harburg, Uelzen, Lüchow-Dannenberg, Heidekreis und Celle, die auf der Konferenz auch vertreten sein werden. red
Wie bleibt Wissen im Unternehmen, wenn Fachkräfte fehlen und erfahrene Beschäftigte in den Ruhestand gehen? Darum geht es bei der Jahreskonferenz der Allianz für Fachkräfte Nordostniedersachsen am Dienstag, 2. Juni, 13 bis 17.30 Uhr, im Kurhaus Bad Bevensen. Die Teilnahme ist kostenfrei, Anmeldung unter www.ihklw-events.de/Jahreskonferenz2026.
Los geht es mit einem gemeinsamen Mittagessen ab 13 Uhr. Im Anschluss geben Professor Dr. Jürgen Deller, Arbeits- und Organisationspsychologe an der Leuphana Universität Lüneburg, und Bestseller-Autorin Greta Silver Impulse für den Umgang mit der Generation 55+. Am Nachmittag stehen drei Workshops auf dem Programm, die mit der Anmeldung ausgewählt werden können: „KI macht Erfahrungswissen im Unternehmen für alle verfügbar“, „Neue Perspektiven auf Erfahrung und Lernen im Unternehmen“ und „Potentiale älterer Beschäftigter gestalten“. Zum Abschluss diskutieren Referent*innen und Wirtschaftsvertreter*innen über Chancen für zukunftsfähige Arbeitswelten. Ab 17.30 Uhr klingt die Jahreskonferenz im Kurpark aus.
Organisiert wird die Veranstaltung federführend von unserer IHK Lüneburg-Wolfsburg, der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade, der Agentur für Arbeit Lüneburger Heide, dem Arbeitgeberverband Lüneburg-Nordostniedersachsen und der Leuphana Universität Lüneburg. Zur Allianz für Fachkräfte Nordostniedersachsen zählen darüber hinaus der DGB-Region Niedersachsen Mitte, die Ostfalia Hochschule, die Agentur für Arbeit Celle sowie die Landkreise Lüneburg, Harburg, Uelzen, Lüchow-Dannenberg, Heidekreis und Celle, die auf der Konferenz auch vertreten sein werden. red
Kontakt
Sandra Mischke
