Unsere Wirtschaft
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Azubis gezielt ansprechen

„Celle Azubi“ zeigt, wie Unternehmen mit passgenauer regionaler Ansprache Ausbildungsplätze besetzen können. Zugleich wächst die Reichweite mit kostenfreien Angeboten wie meine-ausbildung-in-niedersachsen.de über den eigenen Landkreis hinaus.
Für sieben Ausbildungsberufe suchten sie 15 junge Menschen, inzwischen sind alle Lehrstellen besetzt: Drewsen Spezialpapiere in Lachendorf hat für Papiertechnologie, Maschinen- und Anlagenführung und Fachinformatik Nachwuchs gefunden. Das Unternehmen setzte dafür auf Banner am Firmengelände, Social Media, Zeitungsanzeigen und auf „Celle Azubi“, das junge Ausbildungsportal aus der Region.
„Durch ,Celle Azubi’ sind wir im Landkreis Celle deutlich sichtbarer geworden“, sagt Marika Meldau, Personalverantwortliche bei Drewsen Spezialpapiere. „Besonders junge Menschen wissen jetzt besser, wie vielfältig unsere Ausbildungsberufe sind und welche Möglichkeiten wir anbieten.“ Genau an diesem Punkt setzt ,Celle Jobs’ an. Niclas Günther arbeitet seit Oktober 2025 als angestellter Geschäftsführer des Unternehmens, das 2023 von den Celler Unternehmern Steffen Müller und Hannes Meine als Talendio GmbH gegründet wurde. Der Auslöser war die eigene Suche nach Fachkräften.
„Die immense Streuverlust-Reichweite großer Anbieter wie Indeed oder Stepstone hilft den Unternehmen bei uns in der Region nur bedingt weiter“, sagt Niclas Günther. „Häufig scheitert die Stellenbesetzung schlicht am mangelnden Mobilitätsradius der Bewerbenden.“ Deshalb ist das Einzugsgebiet bewusst eng gefasst. Auf den Portalen werben ausschließlich Unternehmen aus Stadt und Landkreis Celle sowie rund um Müden/Aller, Burgdorf und Burgwedel. Celle Jobs richtet sich vor allem an kleinere Strukturen. „Wir richten uns vor allem an Gemeinden und Familienunternehmen“, sagt der frühere Personaldisponent. „Diese haben in der Regel nicht die personellen Kapazitäten für eine kreative Anzeigenentwicklung. Ihnen rate ich zu authentischen Einblicken hinter die Kulissen und in die Teams, um die Hemmschwelle für Bewerber zu senken.“
Für den Nachwuchs hat Talendio Ende 2025 zusätzlich das Portal CelleAzubi geschaffen. Dort präsentieren sich derzeit rund 25 Unternehmen. „Mit der Azubi-Plattform gehen wir direkt in die Schulen und nutzen die digitale Reichweite lokaler Influencer“, sagt der ausgebildete Bankkaufmann. „Es ist entscheidend, jungen Menschen ein greifbares Bild ihres künftigen Berufsalltags zu vermitteln.“ Sein Tipp: „Starre Bewerbungs­struk­turen aufbrechen und Nah­barkeit schaffen.“ So schreibt er im Social-Media-Kanal: „Deine Eltern fragen schon wieder nach einem Plan? Wir hätten da was.“ Der Ansatz: regional sichtbar werden und Hemmschwellen abbauen.
Für viele Betriebe endet die Suche nach geeigneten Auszubildenden aber nicht an der Kreisgrenze. Genau dort setzt die IHK-Ausbildungskampagne mit dem kostenfreien Angebot an. Als Teil der bundesweiten Kampagne „Ausbildung macht mehr aus uns – Jetzt #könnenlernen!“ unterstützt unsere IHKLW Unternehmen dabei, freie Ausbildungsplätze bekannt zu machen. Die Website bündelt mehr als 20.000 Ausbildungsangebote aus ganz Niedersachsen. Eine intelligente Suchtechnologie erfasst automatisch Stellenanzeigen auf Unternehmensseiten und macht sie auf der Plattform regional auffindbar. Für Unternehmen, die für eine berufliche Ausbildung werben möchten, stehen dort außerdem Layoutvorlagen zum Download bereit, damit sie sich der IHK-Kampagne anschließen können und eigene Werbeflächen nutzen können, um junge Menschen für eine Ausbildung zu begeistern.
Auch in sozialen Netzwerken baut die IHK-Ausbildungskampagne Reichweite auf. Über den Instagram-Kanal @die.azubis_niedersachsen gewinnen regionale Ausbildungsangebote zusätzliche Sichtbarkeit.
Celle Jobs bewirbt seine Stellen ebenfalls auf den eigenen Portalen, in sozialen Netzwerken und auf regionalen Werbeflächen. Bei Redaktionsschluss waren dort rund 180 Angebote gelistet. Der Instagram-Kanal erreicht nach eigenen Angaben 250.000 bis 300.000 Nutzerkonten pro Monat, eine einzelne Stelle sehen 5.000 bis 8.000 Personen. Außerdem organisiert Günther Formate für lokale Netzwerke wie den „Business Brunch“.
Trotzdem bleiben Engpässe. „Schwierig sind vor allem die Bereiche Elektrotechnik und Anlagenmechanik“, sagt Günther. Sehr erfolgreich sei dagegen der kaufmännische Bereich. Und noch in diesem Frühjahr geht „Gifhorn Jobs“ an den Start.
Carolin George
IHK Lüneburg-Wolfsburg
Am Sande 1 | 21335 Lüneburg
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