3 min
Lesezeit
Weltweit für trockene Bauwerke
Xypex, Xanex, Xanosil – die Namen klingen ein wenig nach Medikament. Tatsächlich verbergen sich dahinter hochentwickelte Systemlösungen, die Bauwerke im Bestand und im Neubau abdichten: gegen Feuchtigkeit, eindringendes Wasser und dauerhafte Belastung. Die Bawax GmbH aus Celle ist auf genau diese Spezialdisziplin fokussiert und liefert Schutz für Infrastruktur- und Industriebauwerke ebenso wie für öffentliche und private Gebäude.
Der Mann, der diese trockenen Prozesse wunderbar erklären kann, ist Georg Schäfer. Seit immerhin 22 Jahren ist der 49-Jährige Teil des Unternehmens, das in diesem Februar seinen 25-jährigen Geburtstag feiert.
„Ich bin 2004 als Produktmanager zur Bawax gekommen. Im Jahr 2009 wurde ich dann Geschäftsführer für den technischen Bereich und ein paar Jahre später Gesellschafter“, sagt der studierte Architekt. Basis der Unternehmensgründung war für seine beiden Vorgänger der exklusive Deutschland-Vertrieb des kanadischen Produktes Xypex, das überall dort zum Einsatz kommt, wo Gebäude im drückenden Wasser stehen: vom privaten Keller über Tiefgaragen, Wasserkraftwerke, Talsperren und Tunnel bis hin zum Panama-Kanal oder der Oper von Sydney.
In den vergangenen Jahren hat Bawax das Geschäft konsequent erweitert. „Wir haben über mehrere Jahre eigene Produkte entwickelt – darunter Xanosil als hydrophobierenden Feuchtigkeitsschutz und Xanex, ein inzwischen patentiertes Abdichtungssystem aus Textilbeton“, sagt Schäfer. Dazu kommt ein Lizenzmodell: Unter dem Namen Xero – die griechische Vorsilbe bedeutet „trocken“ – schult eine Tochterfirma Lizenznehmer von Flensburg bis München, die Kellerabdichtungen anbieten und das patentierte System in den Markt tragen. Für Bawax schafft das Freiraum für große Vorhaben – Referenzen reichen vom Hamburger Planetarium bis zum neuen Google Campus Deutschland in München.
Einen Innovationsschub löste ausgerechnet ein Ort aus, den viele übersehen: die Unterseite einer alten Ziegelgewölbebrücke in Magdeburg. Schäfer sah die vielen Risse und Fugen in der Decke – und dachte: „Da müssten wir zur Abdichtung unseren Textilbeton flächig einsetzen, sonst dauert das Jahre.“ Ob das System über Kopf funktioniert, Schwingungen aushält und Frost standhält, war offen. Bawax holte die Expertise der Universität Aachen ins Boot und warb eine Förderung des Bundeswirtschaftsministeriums ein. Ergebnis: ein weiterentwickelter Mörtel, leichter, flexibler, praxisnäher. Erste Anwendungen an Brücken laufen bereits, auch wenn nicht jeder sofort überzeugt war.
Schäfer argumentiert betriebswirtschaftlich und verkehrsstrategisch: „Es ist ein Riesenunterschied, ob ich eine Strecke sperre, um von oben abzudichten, oder ob ich von unten saniere, für ein paar Wochen eine Straße halbseitig sperre und der Bahnverkehr weiterlaufen kann.“ Mit dem Budget einer Sanierung von oben ließen sich nach seiner Einschätzung nach mindestens 20 Brücken von unten abdichten.
Trotzdem ziehen sich Entscheidungen aufgrund von Bürokratie. Seit mehr als zwei Jahren beschäftigt sich das Bawax-Team mit Zulassungen, Normen, Verantwortlichkeiten. Parallel läuft ein weiteres Forschungsprojekt mit den Technischen Hochschulen in Aachen und Dresden zur oberseitigen Brückenabdichtung mit Textilbeton. Schäfer bleibt gelassen, aber nicht blind für die Realität: „Viele setzen nur um, was im Regelwerk verankert ist – selbst wenn Zeit und Kosten dagegensprechen.“
Am Standort Celle arbeiten acht weitere Mitarbeitende, darunter Anwendungstechniker, die direkt beim Kunden unterstützen. Doch qualifizierte Fachkräfte zu finden, bleibt schwierig. Allrounder seien kaum zu finden, so Schäfer, auch die Bereitschaft, deutschlandweit zu arbeiten, sinke. Er selbst ist häufig unterwegs: Baustellen prüfen, Ausführungen begleiten, Projekte erklären. Dazu kommen Fachartikel und Vorträge – Aufklärungsarbeit nennt er das.
„Unsere Nische birgt viel Potenzial“, blickt Schäfer positiv in die Zukunft. Aktuell plant das kanadische Partnerunternehmen Xypex eine Produktion in Deutschland. Celle war im Gespräch, entschieden wurde sich am Ende für Parchim wegen besserer Förderbedingungen. So wird das Produkt demnächst von dort aus ans Bawax-Lager geliefert werden.
Alexandra Maschewski
Kontakt
