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„Champions League in der Qualität“
Stolze 125 Jahre existiert die Bäckerei Soetebier. Mit einem Fokus auf Regionalität hat Frank Soetebier früh auf nachhaltige Backwaren gesetzt. Mit der 5. Generation schmiedet er bereits neue Pläne.
Immer wieder erhält Familie Soetebier alte Fotos von Stammkund*innen, auf denen eine ihrer Filialen zu sehen ist – oft Jahrzehnte alt, manchmal mit Frank Soetebier als Kind oder jungem Mann darauf. „Ich mache das hier ja schon ein paar Tage“, sagt der 60-Jährige. Gemeint sind vor allem seine 32 Jahre als Geschäftsführer eines Familienbetriebs, der im April 125-jähriges Bestehen feiert.
1901 begann die Geschichte in Scharmbeck, damals noch als Verbindung von Landwirtschaft und Bäckerei. Der Großvater eröffnete in den 1950er-Jahren einen kleinen Edeka-Laden, die eigene Bäckerei belieferte schon damals andere Märkte. In den 1990er-Jahren eröffneten Vater und Sohn die erste eigene Filiale in Winsen – mit so großem Erfolg, dass der Dorfladen geschlossen wurde.
Für die Kinder Marie und Claudius war dieser Laden der „coolste Kaufmannsladen der Welt“. Heute sitzen die 28-jährige Ökotrophologin und der 27-jährige Betriebswirt bei wichtigen Entscheidungen mit am Tisch. Anders als bei ihrem Vater sei ihr Berufsweg nie vorgegeben worden. „Wir sind mit all dem groß geworden, schließlich haben wir über dem Laden gewohnt“, sagt Claudius Böttcher. Nach dem Abitur sei er dennoch froh gewesen, frei entscheiden zu können. Marie Soetebier hat vor wenigen Monaten den Meister gemacht: „Ich habe meinen Meister gemacht, da dieser Titel nötig ist, um den Handwerksbetrieb weiterführen und ausbilden zu können.“
Konsequent regional
Dass auch die fünfte Generation die gesamte Geschichte eines Produkts mitgestalten kann, ist Frank Soetebiers Verdienst. Unter dem Namen „Regio Pur“ setzt das Unternehmen seit 15 Jahren auf regionale Zulieferer. Mehl wird nicht zum Börsenpreis eingekauft, sondern im Netzwerk bei Partnern aus der Region. „Wir haben konsequent den Nachhaltigkeitsweg eingeschlagen, um uns von den Wettbewerbern abzusetzen.“ Der Erfolg gebe ihm recht: „Regionalität ist das Einzige, was ein Großer nicht kann.“ Als er den Betrieb übernommen habe, habe es im Landkreis Harburg noch mehr als 70 Bäckereien gegeben – heute seien es fünf.
Die „komplett nachhaltigen Backwaren“ in allen 14 Filialen seien deshalb ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Zwar seien die Rohstoffe teils mehr als doppelt so teuer, die Produkte kosteten aber nur wenige Cent mehr. In Führungen durch die Gläserne Backstube erklärt Frank Soetebier gern Fermentation, die Veredelung von Kürbiskernen oder die Vielfalt von Weizensorten. Warum bei dieser Art von Handwerk Unverträglichkeiten oft kein Thema seien, kann Marie Soetebier als Ernährungsexpertin besonders gut erläutern.
Investition in die Zukunft
Dieses Wissen will die Familie bald auch in neuen Schulungsräumen an Mitarbeitende weitergeben. Gegen Personalmangel setzt Soetebier auf Pragmatismus: Quereinsteiger*innen sind willkommen, Öffnungszeiten wurden angepasst, für die Backstube entstehen neue Arbeitszeitmodelle. „Weil es im normalen Leben einen großen Unterschied macht, ob der Tag eine Stunde früher oder später beginnt“, sagt Marie Soetebier.
Von Debatten über Generationenunterschiede hält Claudius Böttcher wenig: „Das sind Diskussionen von vorgestern“, sagt Claudius Böttcher. „Die jetzige Generation ist eben anders. Und daraus müssen wir lernen.“ Frank Soetebier fasst es so zusammen: „Wie geht es den Mitarbeitenden und den Kund*innen? Das ist die zentrale Frage.“
Im kommenden Jahr sollen zwei neue Filialen in Lüneburg hinzukommen, außerdem wird die Backstube auf 6.000 Quadratmeter erweitert – dann als „die erste CO2-neutrale Backstube in Deutschland“. Während Frank Soetebier sich auf die Bautätigkeiten konzentrieren will, soll das Tagesgeschäft zunehmend an die nächste Generation übergehen. „Natürlich ist man stolz, wenn man den Betrieb so weitergeben kann, dass die Kinder eine reelle Chance haben.“ Druck wolle er dabei nicht aufbauen. Seine Überzeugung: „Nichts zu machen, kostet noch mehr Mut.“
Alexandra Maschewski
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