4 min
Lesezeit
Die Großartigkeit muss die Seiten wechseln
Fachkräftemangel ist für Stefan Dietz vor allem eine Führungsfrage. Der Arbeitgebermarken-Experte erklärt, wie eine starke Kultur zum Wettbewerbsvorteil wird. Am 9. Juni ist er bei der IHKLW-Reihe GedankenGut zu erleben.
Herr Dietz, Sie sagen: ‚Jammert nicht, werdet großartige Arbeitgeber.‘ Was machen Unternehmen beim Thema Fachkräftemangel falsch?
An vielen Stellen herrschen noch alte Methoden und Haltungen. Es ist heute nicht mehr so, dass Menschen froh sein müssen, wenn sie den Job bekommen. Unternehmen müssen ein attraktives Angebot schaffen und brauchen eine Haltung, damit sie einladend sind. Augenhöhe ist wichtig. Recruiting funktioniert nicht mehr wie vor 20 Jahren – Stellenausschreibung, viele Bewerbungen, die man erstmal ein bisschen warten lässt, weil man als Arbeitgeber auf dem hohen Ross sitzt und die Wahl hat. Das ist vorbei.
Was müssen Mittelständler stattdessen tun? Viele glauben, im Recruiting gegen große Konzerne keine Chance zu haben.
Ich würde das Gegenteil behaupten. Gerade kleinere mittelständische Unternehmen mit einem langfristigen Management oder Inhaber geführte Unternehmen können besser eine eigene Arbeitgebermarke und Identität aufbauen und die auch glaubwürdig im Unternehmen leben, als es in einem großen Konzern möglich ist. Das ist eine Qualität, die fehlende finanzielle Mittel kompensieren kann. Die Personen an der Spitze des Unternehmens sind aus meiner Sicht ein entscheidender Erfolgsfaktor.
Inwiefern?
Richtig gute Führungskräfte geben ihren Mitarbeitenden eine Heimat. Wertschätzung strahlt ins ganze Unternehmen und darüber hinaus. Im Zweifel melden sich Talente selbst, weil sie gehört haben, das ist ein cooler Arbeitgeber, dort sind die Leute motiviert, zufrieden, engagiert. Je stärker sich die Leute die Jobs aussuchen können, desto wichtiger ist es als Arbeitgeber, bekannt und sichtbar zu sein, lange vor einer Stellenausschreibung.
Sie nennen den Fachkräftemangel einen ‚Glücksfall‘. Warum kann dieser Druck Unternehmen besser machen?
Der Druck kann etwas Gutes haben, weil er möglicherweise dazu führt, dass das Thema „Menschen“ Chefsache wird. Aus einer normalen Firma einen großartigen Arbeitgeber zu machen, ist nicht in drei Wochen möglich, das ist ein Dauerlauf. Es muss der Wille da sein, und dieser muss in der obersten Führungsetage aufgehängt sein. Wenn man Mitarbeitende fragt, warum sie da sind, wird nie der Tischkicker genannt, sondern die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen, Führungskräfte, von denen man lernen kann, die Identifikation mit dem, was die Firma tut. Also oft andere Dinge als die, die man häufig auf Karriereseiten findet. Diese Essentials herauszufinden und zu transportieren ist der Weg, um am Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein.
Was muss passieren, damit diese Mitarbeitenden dann auch gerne über ihr Unternehmen sprechen und als Multiplikatoren wirken?
Wenn es funktionieren soll, muss es tatsächlich gut sein. Wenn sich die Mitarbeitenden gut behandelt fühlen und sich mit der Firma identifizieren, machen sie Werbung aus eigenem Antrieb. Wichtig sind das Arbeitgeberprofil, eine Positionierung und Arbeitgebermarke. Dann kann man die Mitarbeitenden bitten, in sozialen Medien, im privaten Kontext, bei Veranstaltungen usw. für das Unternehmen zu sprechen. Im Idealfall entsteht ein solcher Sog, dass man Jobs aus dem eigenen Talentpool besetzen und sich teure Agenturen oder Headhunter weitgehend sparen kann.
Viele investieren aktuell vor allem in KI und Digitalisierung statt in Menschen. Was wird in Zukunft wichtiger sein: Technologie oder eine starke Unternehmenskultur?
Es wird sich viel verändern, viele Jobs werden verschwinden, andere werden neu entstehen. Wir werden ganz anders arbeiten. Wirklich erfolgreich werden die Unternehmen sein, bei denen Menschen mit einer hohen Identifikation und Kompetenz mit KI und Robotik intensiv zusammenarbeiten. Ich glaube, eine starke Unternehmenskultur und eine hohe Kompetenz des Kernteams sind der Schlüssel. Wenn Mitarbeitende Angst um ihre Jobs haben, dann ist das Unternehmen eher nicht innovativ. Wenn ich Lerngeschwindigkeit mit neuen Technologien erreichen will, muss ich interne Sicherheit für meine Leistungsträger garantieren, damit das Unternehmen vorankommt. Diese steht und fällt mit Unternehmenskultur und Qualität der Führung.
Was ist also die größte Führungsaufgabe der nächsten Jahre?
Menschen in ihrer Entwicklung zu begleiten und gleichzeitig Technologie steuern können.
GedankenGut mit Stefan Dietz
Stefan Dietz erklärt beim GedankenGut-Netzwerkabend unserer IHK Lüneburg-Wolfsburg am Dienstag, 9. Juni, im Forsthaus Rote Schleuse in Lüneburg unter dem Titel „Glücksfall Fachkräftemangel“, wie Unternehmen mit klugen Strategien, klarer Haltung und guter Führung zu attraktiven Arbeitgebern werden. Einlass ist ab 18 Uhr. Melden Sie sich jetzt kostenfrei an: GedankenGut mit Stefan Dietz
Stefan Dietz erklärt beim GedankenGut-Netzwerkabend unserer IHK Lüneburg-Wolfsburg am Dienstag, 9. Juni, im Forsthaus Rote Schleuse in Lüneburg unter dem Titel „Glücksfall Fachkräftemangel“, wie Unternehmen mit klugen Strategien, klarer Haltung und guter Führung zu attraktiven Arbeitgebern werden. Einlass ist ab 18 Uhr. Melden Sie sich jetzt kostenfrei an: GedankenGut mit Stefan Dietz
Kontakt
