Unsere Wirtschaft
Nr. 7193492
3 min
Gerwers-Simone (1)

Führung ohne Schubladen

Simone Gerwers versteht sich als „Sparringspartnerin für Führung & Management im Wandel“. In sechs Impulsen plädiert sie für Female Leadership ohne starre Etiketten – und für mehr Mut, Selbstwirksamkeit und einen offenen Blick auf unterschiedliche Menschen und Generationen.
Kein Schwarz-Weiß-Denken
Wir müssen dahin kommen, dass Frauen gleich behandelt, gleich bewertet und gleich bezahlt werden. Das bedeutet auch, dass ein Mann die Stelle bekommt, wenn er geeigneter ist. Female Leadership soll Gleichheit herstellen und nicht bewirken, dass Frauen bevorteilt werden – das führt zu einer Gegenbewegung. Warum sollte ein Geschlecht per se besser führen können? Wir sind alle Menschen mit Stärken und Schwächen. Wirksame Führung gelingt am Besten im Mix.
Mut von innen, Mut von außen
Damit Mut entstehen kann, brauchen wir Frauen mehr Selbstvertrauen für unsere Selbstwirksamkeit. Wir haben eine gute Ausbildung, also sollten wir auch unsere Stärken reflektieren und sichtbar machen. Statt Vergleich und Konkurrenzdenken helfen Netzwerke und Vorbilder. Wir müssen uns an Frauen orientieren, die es geschafft haben, und zwar mit Werten und Stärken, die unseren eigenen entsprechen.
„Mutausbruch“ – trotz Unsicherheit
Wir wollen perfekt sein und am liebsten keine Fehler machen. Doch wer sich ständig einen Schutzraum baut, verwendet seine ganze Energie darauf, ohne zu wissen, ob das Befürchtete überhaupt eintritt. Was wir stattdessen benötigen ist Risikokompetenz. Wir müssen die Unsicherheit, die diese Welt beherrscht, anerkennen. Der Weg erfordert Mut, aber auch der Schritt, vermeintliches Scheitern als Entwicklungsschritt anzuerkennen und zu kommunizieren.
Weg mit Klischees!
Es ist nachgewiesen, dass Unternehmen mit Mixed Leadership besser am Markt dastehen. Dabei geht es keineswegs um Quote oder um Klischees wie „Frauen sind empathischer“, sondern darum, dass wir Frauen ein guter Wirtschaftsfaktor sind, weil wir stark in der Beschäftigung vertreten sind. Laut Statistischem Bundesamt hatten wir 2024 29,1 Prozent Frauen in Führung – diese Zahl stagniert seit 2014. Wenn Frauen gesellschaftlich gleichgestellt sein sollen, muss sich das repräsentativ zeigen. Mann, Frau, alt, jung – das sind veraltete Bilder. Diese Klischees müssen wir aufbrechen. Nicht nur, weil es demografisch notwendig, sondern weil es eine Bereicherung ist.
Voneinander lernen statt „Generationen-Bashing“
Wir brauchen eine Mischung der Generationen. Die neue Generation darf in Aufgaben hineinwachsen und benötigt Vorbilder wie Boomer und Millennials, um zu sehen: Wenn du hinfällst, kannst du wieder aufstehen, weitergehen und etwas daraus lernen. Die älteren Generationen haben nachweislich mehr Eigenstärke und Resilienz.
Es ist nicht alles möglich. Aber vieles.
Menschen sind unterschiedlich. Eben darauf müssen auch Führungskräfte in Unternehmen achten. Gleichmacherei ist kontraproduktiv, denn wir können nicht alle in demselben Tempo durch Wandel gehen. Die meisten Menschen haben grundsätzlich Angst vor Veränderung, und es braucht mehr Zuhören, um Bedürfnisse zu erfragen. Das darf bedeuten, auch einmal den Rückwärtsgang einzulegen. Wir holen das hinten wieder auf!
Alexandra Maschewski
IHK Lüneburg-Wolfsburg
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