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Aufstieg mit Profil
Dr. Marie-Luise Braun promovierte über Umweltjournalismus. Sie ist Journalistin, Autorin und Dozentin. Ihr Buch „Spitzenkräfte. Porträts von Frauen in Führungspositionen“ ist im Oekom-Verlag erschienen.
Was hat Sie veranlasst, Ihr Buch zu schreiben?
Natürlich registriert man als Frau in der freien Wirtschaft, dass man zum Teil anders behandelt wird als die männlichen Kollegen. Aber es gibt ja Frauen, die in Führung sind – auf sie lege ich in meinem Buch den Fokus. Ich frage: Wie haben sie es geschafft? Wie sind sie mit Stolperfallen umgegangen? Was und wer hat sie gestützt? Denn es gibt in unserer Gesellschaft zu wenig weibliche Vorbilder in Führung. Es ist etwas anderes, sich an Frauen zu orientieren als an Männern. Dabei geht es nicht nur um Aspekte wie Care-Arbeit, sondern auch um die Frage: Welche Person bin ich in der Führung? Ich möchte den eigenen Führungsstil finden. Dabei hilft es eben zu schauen, wie es andere Frauen machen.
Gibt es eine Gemeinsamkeit im Handeln der porträtierten Frauen?
Es gibt nicht die eine Eigenschaft, die sagt, okay, du bist eine tolle Führungskraft. Aber alle Frauen in meinem Buch haben einen starken Fokus gesetzt, d. h. sie haben eine Entscheidung getroffen und diese dann konsequent verfolgt. Mich hat auch beeindruckt, dass sich einige in ihrer Führungsrolle den Raum geben, auch durch Fehler dazuzulernen.
Was ist die größte Herausforderung für Frauen in einer Führungsrolle?
Man kann nicht pauschal einen Grund nennen – Kinderbetreuung oder Pflege spielen beispielsweise nicht bei allen Frauen eine Rolle. Von meinen Protagonistinnen haben mir allerdings mehrere gesagt, dass sie nicht von sich aus darauf gekommen sind, in eine Führungsposition zu gehen. Da war es dann zum Beispiel eine Vorgesetzte, die gesagt hat: Ich halte dich dafür geeignet! Als existiere eine Art „innere Bremse“, die dafür sorgt, dass Frauen einen eigenen Anspruch gar nicht erst formulieren.
Trauen sich Frauen generell zu wenig zu?
Bei manchen ist das bestimmt der Fall. Dieses „Sich-Zurücknehmen“ und denken, dass andere besser qualifiziert sind, hilft niemandem – weil auch die Expertise dieser Frau nicht öffentlich wird. Ich pauschalisiere jetzt, aber es sind zumeist Männer, die sich in TV-Talkshows gleich für mehrere Themen als Spezialisten ausgeben. Ich möchte niemanden anregen, das auch zu tun. Aber die eigene Expertise und sich selbst zu zeigen, ist wichtig. Eine Randbemerkung: Mir haben Personalverantwortliche erzählt, dass sich Frauen häufig erst bewerben, wenn alle Faktoren einer Stellenausschreibung passen. Männer tun es hingegen, wenn schon wenige Faktoren stimmen.
Was haben Sie persönlich aus den Gesprächen mitgenommen?
Man muss nicht jeden Kampf kämpfen. Ich kann auch einfach durch eine Tür gehen, die offen ist. Das bedeutet eben auch eine Position oder ein Unternehmen zu verlassen, wenn es nicht passt. Ich muss mich nicht an unguten Strukturen abarbeiten, sondern die finden, die gut für mich sind. Zudem geht es im Buch nicht darum, dass alle Frauen Führungspositionen einnehmen müssen. Sondern darum, dass sie herausfinden, ob sie das möchten und wie es für sie gehen kann.
Alexandra Maschweski
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