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„Innovationskraft des Mittelstands“
Trotz internationaler Niederlassungen ist die LAP GmbH fest verwurzelt in Lüneburg und der Region. Das Technologieunternehmen setzt auf hochpräzise Laserprojektion und -messung – und ist damit Marktführer nicht nur im Medizinbereich.
Die Verbundenheit von Jens Gauthier zum Lüneburger Unternehmen LAP GmbH Laser Applikationen kommt nicht von ungefähr: Vor rund 20 Jahren im Rahmen seiner Diplomarbeit eingestiegen, verantwortet der 47-Jährige als einer von drei Geschäftsführer*innen heute den Medizinbereich. „Damals war LAP noch ein vergleichsweise kleines Unternehmen mit rund 50 Mitarbeitenden. Mittlerweile beschäftigen wir weltweit mehr als 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Langfristig habe er in einem Unternehmen arbeiten wollen, „das eigene Produkte entwickelt und herstellt und bei dem unternehmerischer Erfolg direkt mit der Leistung und dem Engagement der Menschen im Unternehmen zusammenhängt“.
Sein Plan scheint aufgegangen: Als Marktführer in diversen Branchen verbindet das Technologieunternehmen hochpräzise laserbasierte Mess- und Positioniertechnik mit moderner Software und entwickelt anwenderfreundliche Lösungen für den Medizinbereich und die Industrie. „Weltweit wird in nahezu jedem Krankenhaus mit Strahlentherapie ein Produkt von uns eingesetzt“, sagt Jens Gauthier. „Auch wird fast jedes Rotorblatt für eine Windkraftanlage mit Projektionstechnik von LAP gefertigt, selbst wenn es aus Indien kommt.“ Genau diese Vielseitigkeit mache den unternehmerischen Erfolg, aber auch den Reiz seiner Tätigkeit aus. Und obwohl LAP längst über insgesamt sieben Niederlassungen etwa in Frankreich, den USA, Singapur und China verfüge, sei das Industriegebiet Hafen in Lüneburg noch immer der zentrale Ort, an dem geforscht, produziert, montiert und Qualitätssicherung betrieben werde.
Sinnstiftender Aspekt technischer Innovationen
Gegründet wurde LAP 1984 in einer Garage als Vertriebsunternehmen von Laserkomponenten. Die Entwicklung und Produktion eigener Lasersysteme startete dann Anfang der 90er-Jahre – im Rahmen der voranschreitenden Diversifizierung fasste LAP zusehends Fuß in der Strahlentherapie. Eines der jüngeren Produkte, von dem bereits das 100. System verkauft wurde, ist „LUNA 3D“ für die sogenannte oberflächengeführte Strahlentherapie. Wird zum Beispiel ein Krebspatient im Thoraxbereich bestrahlt und atmet, erkennt das System, wenn der Tumor nicht mehr im Bestrahlungsfeld liegt. Auf diese Weise wird nicht nur präziser bestrahlt, sondern auch gesundes Gewebe geschont. „Wenn Technologie dazu beiträgt, Behandlungen sicherer und schonender zu machen, ist das für mich ein sehr sinnstiftender Aspekt unserer Arbeit“, sagt Jens Gauthier. Natürlich habe in einem Segment, in dem es um Menschenleben geht, die Qualitätssicherung einen extrem hohen Stellenwert. Eine Herausforderung seien regelmäßig auch die langen Projekt- und Beschaffungszyklen – bis ein Strahlentherapiezentrum aufgebaut wird, können Jahre vergehen.
Der Umgang mit diesen Langzyklen spiele auch in der Industrie eine Rolle, umso wichtiger sei die Qualität der Zulieferer. Eine nennenswerte Hightech-Entwicklung im industriellen Bereich ist laut Gauthier ein neues Messtechniksystem, das bis zu 1.000 Grad heißen Stahl in Hochgeschwindigkeit vermessen könne. „Wir analysieren beispielsweise die Form eines Rohres und untersuchen mithilfe moderner Kameratechnik die Oberfläche des heißen Materials auf Fehler. Die Ergebnisse werden mit KI ausgewertet und fließen direkt in die Regelung der Walzen ein, die das Rohr formen.“ Für den Geschäftsführer nur ein Beispiel, das die Innovationskraft des Mittelstands belege.
Jährlich liefert LAP 15.000 Einheiten aus, der Umsatz lag 2024 bei 66,8 Millionen Euro. In jüngster Vergangenheit habe man bewusst stark in neue Produkte investiert. Aktuell stehe man an dem Punkt, diese Innovationen erfolgreich an den Markt zu bringen. „Unsere Hauptverantwortung sehe ich in der Weiterentwicklung des Unternehmens hier vor Ort“, sagt Jens Gauthier auch im Namen der beiden anderen Verantwortlichen, Thomas Simmerer und Marlit Süling. Um „ein stabiler, verlässlicher Arbeitgeber“ in Lüneburg zu bleiben, benötige man allerdings nicht nur Innovationskraft und neue Produkte, sondern auch gute Standortbedingungen. „Die Rahmenbedingungen für Industrieunternehmen in Deutschland sind anspruchsvoller geworden. Neben einer hohen bürokratischen Belastung erleben wir im Exportgeschäft immer wieder Verzögerungen durch Genehmigungsverfahren.“ In Einzelfällen habe man Projekte an internationale Wettbewerber verloren – bloß, weil notwendige Exportfreigaben nicht rechtzeitig erteilt wurden. Die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Politik sei essenziell.
Mitarbeitende als größtes Kapital
Jens Gauthier ist es wichtig zu betonen, dass der Anteil der Mitarbeitenden am Erfolg nicht hoch genug zu bewerten sei. Nicht wenige davon seien schon viele Jahre Teil des Teams. Und weil die meisten ihren Lebensmittelpunkt in der Region hätten, sei das Unternehmen bemüht, etwas zurückzugeben. Auf übergeordneter Ebene etwa durch die eigene Nachhaltigkeitsstrategie und den Fokus des niedersächsischen Standorts auf erneuerbare Energien. Außerdem sei man stolz auf das „FaMI-Siegel“, das LAP als familienfreundlichen Betrieb auszeichnet. Und im Regionalsport sei das LAP-Logo an vielen Stellen sichtbares Zeichen des Engagements. Darüber hinaus fördere man unter anderem den Frauenfußball des TSV Gellersen sowie junge Talente. Wenn man Jens Gauthier von diesen Projekten erzählen hört, die nichts zu tun haben mit Effizienz- und Qualitätssteigerung, mit Strahlentherapie oder Luft- und Raumfahrt, dann versteht man noch ein wenig besser, was der 47-Jährige meint, wenn er die Firmenzentrale in der Nähe des Elbe-Seitenkanals „das Herz des Unternehmens“ nennt.
Alexandra Maschewski
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