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Von Hambühren bis ins All
Die KORA Industrie-Elektronik GmbH entwickelt kundenspezifische Systemlösungen für Steuerungs-, Mess- und Regelungstechnik, darunter auch Weltraumprojekte.
Ganz am Anfang stehen – 1988 frisch von der Uni – ein Maschinenbauer und ein Elektrotechnik-Ingenieur sowie die feste Überzeugung, mit „frischen Ideen alles machen und umsetzen zu können“. Und wenn man bedenkt, dass seit dem 13. Februar mit dem „T-Mini“ tatsächlich ein Produkt von KORA aus Hambühren im All unterwegs ist, dann möchte man meinen, dass Träume durchaus wahr werden können.
Geschäftsführer Claus Wittmann, damals der junge Mann mit der Elektronik-Expertise, hat den Start der Mission SpaceX Crew-12 vom Cape Canaveral in Florida zusammen mit dem gesamten Team vom Büro aus verfolgt. „Und dann haben wir darauf angestoßen“, sagt der 66-Jährige, der mit Patrick Sobiella schon seit drei Jahren Verstärkung an seiner Seite weiß. Beide sind dafür verantwortlich, dass das auch medial viel beachtete Stirnband „T-Mini“, welches in der Schwerelosigkeit die Körperkerntemperatur der Astronauten misst und an Mediziner von der Charité Berlin übermittelt, nicht zum „Showstopper“ im internationalen Projekt wird. „Die Arbeit am Stirnbanddesign, bei dem vor allem der Miniaturisierungsgedanke eine Rolle spielte, hat schon 2020 angefangen“, sagt Patrick Sobiella, der 2024 selbst an einem Parabelflug des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) teilnehmen durfte. In Zusammenarbeit mit dem DLR habe das Produkt sukzessiv Gestalt angenommen – bevor zwölf Exemplare von einer Schneiderin aus einem feuerfesten Material genäht, mit Platinen bestückt, zum x-ten Mal getestet und schließlich nach Italien zum Versanddienstleister der NASA geschickt wurden.
Flexible Lösungen für diverseste Branchen
„Die Weltraumprojekte sind nicht unser Kerngeschäft, sondern lediglich eine Produktsparte“, relativiert Claus Wittmann. Das Team aus mittlerweile 18 Mitarbeitenden, darunter Entwicklungsingenieure genauso wie Fachkräfte in Produktion und Verwaltung, sieht sich als Dienstleister für kundenspezifische Systemlösungen auf dem Gebiet der elektronischen Steuerungs-, Mess- und Regelungstechnik. „Zu uns kann man mit seiner Idee kommen, die man als Prototyp oder als fertiges Produkt entwickelt haben möchte.“ Patrick Sobiella nennt Beispiele: „Ein Hersteller für Windanlagen aus Celle nutzt Steuerungstechnik von uns.“ Baumaschinenhersteller, Zulieferer für die Ölindustrie, ein Start-up mit Ideen zu Energiemessung im Haushalt – die Bandbreite der Auftraggebenden ist so groß wie die Vielfalt neuer Impulse. Natürlich versorge man die Kund*innen auch nachhaltig mit Ersatzteilen. „Wir sind ganz flexibel“, sagt Patrick Sobiella.
Der heute 31-Jährige hat schon sein Schülerpraktikum beim Elektronikdienstleister absolviert. „Danach hatte ich das Angebot, nach dem Abitur wieder anzuklopfen.“ Was Patrick Sobiella im Rahmen eines Dualen Studiums an der Hochschule Hannover tatsächlich tat, um nach seinem „Master of Engineering“ als Entwicklungsleitung einzusteigen und 2023 zweiter Geschäftsführer zu werden. Mit der Nachfolgethematik hat sich Claus Wittmann schon vergleichsweise früh auseinandergesetzt. „Auch auf Anraten der IHK habe ich vor ein paar Jahren einen Fünfjahresplan erstellt. Und da sind wir jetzt mittendrin.“
Streng genommen sei man sogar ein bisschen „überfällig“, aber die Projekte, die KORA plant, haben Priorität. Ohne eine große Portion Erfindergeist und Durchhaltevermögen geht es oftmals nicht. Das zeigte sich schon beim ersten Weltraumprojekt Mitte der 90er-Jahre auf Anfrage russischer Forscher: „Wir haben damals gesagt: Wir können das, wir machen das. Ohne zu rechnen und ohne zu überlegen“, sagt Claus Wittmann. Er hat früh gelernt, sich optimal zu vernetzen und gegebenenfalls Expertise von außerhalb dazuzuholen. Eine Kooperation mit der Freien Universität Berlin habe zum heutigen HealthLab/MobPhysioLab®-System geführt, das in der Forschung zur Erhebung physiologischer Daten eingesetzt wird. Natürlich sei längst das Thema Künstliche Intelligenz virulent: „Wir haben selbst keinen Programmierer, aber wir greifen zum Beispiel auf das Netzwerk des Transferzentrums Elbe-Weser (TZEW) zurück, eine Organisation, die bemüht ist, Verbindungen in regionalen Gebieten herzustellen, wenn man nach Expert*innen sucht.“
Keine starren Strukturen
Nicht für jede Sparte könne man als kleines Unternehmen eigene Spezialist*innen einstellen. Dass KORA freie Positionen zuletzt problemlos habe besetzen können, sei erfreulich. „Man muss die richtigen Anreize schaffen, damit auch jemand aus dem Großraum Hannover hier arbeiten möchte“, sagt Patrick Sobiella. Ein Mehrwert sei das fast familiäre Arbeitsklima. „Wir haben keine Konzernstrukturen, in denen man ewig verharrt. Hier ist wirklich jeder gefordert, und an spannenden Projekten mangelt es uns nicht.“ Das Geschäftsführer-Duo blickt positiv in die Zukunft – wohlwissend, dass es künftig gilt, die eigenen Vorzüge noch mehr herauszustellen. „Günstigeren Preise müssen wir unsere Qualität gegenüberstellen, das ist unser Alleinstellungsmerkmal“, sagt Claus Wittmann. In politisch unruhigen Zeiten, seien „Made in Germany“ und Europa wieder mehr von Bedeutung. Und auch wenn die konjunkturelle Lage bei manchen Unternehmen die Investitionsbereitschaft in Entwicklungsprojekte drosseln mag, gehe es bei anderen Akteuren zunehmend um Automatisierung. Interessant für die Zukunft sei gerade das Thema „Umweltschutz“.
„Meine tägliche Motivation ist, dass es spannend bleibt“, sagt Claus Wittmann. Patrick Sobiella teilt die Begeisterungsfähigkeit des Firmengründers: „Früher war Technik mein Hobby, heute ist sie Beruf und Berufung.“ Manchmal, meist im Urlaub abseits des Tagesgeschäfts, blickt der 31-Jährige in den Nachthimmel und sieht dort einen Satelliten. „Und dann denke ich: Da oben fliegt gerade Hardware von uns herum. Ein kleines Teil, das in Hambühren gebaut wurde und nun einen so immensen Radius hat.“
Alexandra Maschewski
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