„Stufenweiser Ausstieg“
Seit 130 Jahren existiert die Kruse Spedition & Kruse Logistik in Walsrode. Anfang des Jahres hat Jens Kruse den Familienbetrieb an seinen Sohn Jannes übergeben – nach 15 Jahren Vorbereitungszeit.
Freitags arbeitet mein Vater nicht mehr, und das funktioniert eigentlich ganz gut“, sagt Jannes Kruse und muss schmunzeln – wie sein Vater auch. Zum 1. Januar hat Jens Kruse, seit 1991 Geschäftsführer des Walsroder Traditionsunternehmens Kruse Logistik, seine Position offiziell an seinen Sohn und damit an die 5. Generation übergeben. Allerdings nicht, ohne wichtige Projekte „vernünftig“ zu Ende führen und als Berater zur Seite zu stehen. „Unser Konzept ist ein stufenweiser Ausstieg, um das Know-how noch länger zu halten und weiterzugeben“, sagt der 66-Jährige, der diesen „Ausstieg“ 15 Jahre lang vorbereitet hat.
„,Phase 1‘ hat mit meinem Schulabschluss in England begonnen“, sagt Jannes Kruse, der danach eine Ausbildung zum Speditionskaufmann bei Kühne & Nagel in Hamburg absolviert und später, wie einst der Vater, in Heilbronn Verkehrsbetriebswirtschaft und Logistik studiert hat. „Es ging darum, dass ich aufgebaut und befähigt werde, eines Tages eine Führungsposition zu übernehmen.“ Die Entscheidung für die Nachfolge habe er zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn noch nicht getroffen – doch schon in der Ausbildung habe er „unglaublich viel Spaß“ an dem Tätigkeitsbereich entwickelt. Sogar Lkw sei er ein halbes Jahr lang gefahren. Ins Unternehmen sei er schließlich vor fünf Jahren als Personalleiter eingestiegen. „Natürlich sind auch meine Geschwister in die Nachfolgeregelung einbezogen worden, haben sich aber für einen anderen Weg entschieden“, sagt der 34-Jährige. Sein Vater ergänzt: „Für meine Frau und mich war es das Wichtigste, dass die Familie am Ende des Prozesses nicht zerstritten ist.“
Schon gleich zu Beginn habe man sich mit einem Unternehmensberater externe Hilfe geholt. „Ich hatte immer eine Doppelstrategie: Entweder übernimmt es jemand aus der Familie oder ich muss verkaufen“, sagt Jens Kruse. Alles auf „eine Karte zu setzen“ hätte den Druck auf die Familie zu sehr erhöht. Der 66-Jährige betont, dass er zukunftsweisende Entscheidungen, wie die, das Unternehmen auf mehrere Säulen zu stellen, immer unabhängig davon getroffen habe, ob Kruse Logistik eines Tages in der Familie bleiben oder verkauft werden würde. „Für das Unternehmen waren es die wesentlichen Schritte, um erfolgreich am Markt bestehen zu können.“ Nachdem klar gewesen sei, dass der älteste Sohn übernehmen würde, sei vor etwa drei Jahren eine große Anwaltskanzlei involviert worden. „Der sehr komplexe Vorgang erforderte Experten aus verschiedenen Fachrichtungen“, sagt Jannes Kruse, inzwischen hundertprozentiger Gesellschafter und Chef von 270 Mitarbeitenden. „Wir wollen weiterhin ein zweistelliges Wachstum erreichen. Mittelfristig kann ich mir vorstellen, einen zusätzlichen Standort aufzubauen oder zu übernehmen.“ Wenn es so weit ist, dürfte sein Vater längst bei der wohlverdienten „Null-Tage-Woche“ angekommen sein.
Alexandra Maschewski
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