Gemeinsam viel bewegen

Business Improvement Districts können seit 2021 auch in Niedersachsen dabei helfen, Quartiere gemeinschaftlich attraktiver zu gestalten. Ein Pilotprojekt ist die „Initiative schönes Fallersleben“.
Allein für eine Sache zu kämpfen, macht wenig Sinn. Davon ist Otto Saucke überzeugt. Aus diesem Grund ist der Elektroinstallateurmeister aus Wolfsburg nicht nur Vorstand der Fördergemeinschaft Blickpunkt Fallersleben e.V., sondern auch vom dortigen Heimat- und Verkehrsverein. Und genau deshalb führt der 61-Jährige nun noch die „Initiative schönes Fallersleben“ an, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, ein sogenanntes Business Improvement District (BID) einzurichten. Langfristiges Ziel: Mehr Attraktivität für die Westerstraße in Wolfsburgs Altstadt.
„Wir wollen verschiedene Parteien an einen Tisch bringen, die gemeinsam da­rüber nachdenken, was diese Haupteinkaufsstraße auch in Zukunft ausmachen soll“, sagt Otto Saucke, dem das Thema Stadtentwicklung am Herzen liegt. Bei BIDs handelt sich um räumlich klar umrissene Bereiche, in denen Grundeigentümer und Gewerbetreibende sich für einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren verpflichten, gemeinsam in Aufwertungsmaßnahmen zu investieren. Dabei kann es sich um die Gestaltung öffentlicher Räume handeln genauso wie um Marketingstrategien oder Leerstandsmanagement.
Rechtliche Grundlage ist das Niedersächsische Quartiersgesetz (NQG): Wenn Eigentümer mit mindestens 15 Prozent der Grundstücke sich dafür aussprechen, als BID zu agieren, sind alle Immobilieneigentümer in einer Geschäftsstraße oder dem Quartier laut NQG zu einer Abgabe in eine gemeinsame Kasse verpflichtet. Eine Ausnahme gibt es: Wenn 30 Prozent der Eigentümer im Quartier widersprechen, können die Pläne nicht umgesetzt werden. Doch wird ein BID mehrheitlich beschlossen, können sich auch Geschäftsleute und Kommunen beteiligen.
„Der Zusammenhalt innerhalb einer professionell geführten Allianz ist die große Stärke von BIDs“, sagt Jan Weckenbrock, Berater Stadtentwicklung unserer IHK Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW). „Und weil alle dabei sein müssen, gibt es keine Trittbrettfahrer, die von Aktivitäten am Standort profitieren, sich aber nicht beteiligen wollen.“ Unsere IHKLW hat sich seit Jahren für das Quartiersgesetz eingesetzt, das im vergangenen Jahr vom Landtag beschlossen wurde. Die IHK Niedersachsen hatte daraufhin mit dem niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Bauen und Klimaschutz sowie der NBank den Wettbewerb „Pilot-Quartiersgemeinschaften in Niedersachsen“ initiiert. Eine der 13 mit insgesamt 370.000 Euro prämierten Projekte ist die „Initiative schönes Fallersleben“. Sie soll mit 40.000 Euro gefördert werden.
„Corona hat es uns nicht leicht gemacht, aber aktuell sind wir dabei, die Anlieger an der Westerstraße zu kontaktieren, um anschließend mit denjenigen, die sich einbringen wollen, ein Maßnahmen- und Finanzierungskonzept auszuarbeiten“, sagt Saucke. Die Zeit drängt, denn bis Anfang 2023 muss sich das Fallerslebener BID formiert haben. Otto Saucke ist zuversichtlich, dass es dann zügig gelingt, einen konkreten Fahrplan zu präsentieren. „Der Vorteil einer Quartiersinitiative ist es ja, dass man schnell entscheiden kann.“
Um welche konkreten Maßnahmen es theoretisch gehen könnte, verdeutlicht das Projekt „Belebung durch Wandel – Kampstraße“, für das die Fördergemeinschaft Blickpunkt Fallersleben schon 2010 ausgezeichnet worden ist. Damals war zum Beispiel die Straßenführung verändert worden, außerdem hatten die Akteure Park- sowie Grünflächen attraktiver gestaltet. Otto Saucke fallen auch erfolgreiche Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche oder das Festival „Rockin` Fallersleben“ ein, an deren Umsetzung er sich in der Vergangenheit beteiligt hat.
Dass es bei Quartiersinitiativen tatsächlich um deutlich mehr geht, als um „das Aufstellen von Blumenkübeln“, betont auch Jens Hofschröer, Geschäftsführer der Wolfsburg Wirtschaft und Marketing GmbH (WMG). Diese hatte vergangenes Jahr nicht nur alle bereits bestehenden Freiwilligeninitiativen über das BID-Modell informiert, sondern – wie der Ortsrat von Fallersleben auch – Otto Saucke bei seiner Wettbewerbsteilnahme unterstützt.
Als Tochtergesellschaft der Stadt ist die WMG Ansprechpartner, da es sich in der Regel nicht nur um die Gestaltung von privaten, sondern auch von öffentlichen Flächen handelt. „Es gibt in Wolfsburg bereits einige tolle Beispiele von freiwilligen Initiativen, die langfristig etwas bewegen konnten“, sagt Jens Hofschröer. Grundsätzlich seien BIDs nicht für „1a-Toplagen“ konzipiert worden, sondern vielmehr für Bereiche, in denen Frequenzen nachließen, Leerstände zunähmen oder es städtebauliche Mängel gebe.
Die Altstadt von Fallersleben soll auch zukünftig ein attraktiver Ort der inhabergeführten Geschäfte und des Zusammenlebens der Bürgerinnen und Bürger sein. „BIDs haben in anderen Bundesländern gerade während der Pandemie eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig der Zusammenhalt innerhalb einer Allianz sein kann, und welche wirkungsvollen Aktionen zur Stabilisierung von Zentren mithilfe einer solide geplanten und fair auf allen Schultern verteilten finanziellen Grundlage bewerkstelligt werden können“, sagt Jens Hofschröer.
Otto Saucke liegt viel daran, dass das Pilotprojekt nicht bloß ein „Heißluftballon“ wird. Deshalb steht für ihn fest, dass es nach Ablauf der festgelegten BID-Frist weitergeht. „Über die konkrete Form werden die unterschiedlichen Akteure gemeinsam entscheiden. Wichtig ist nur, dass die Zusammenarbeit auch wirklich nachhaltig ist.“
Alexandra Maschewski

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