03.06.2026

Standpunkt Fachkräfte

Immer mehr junge Erwachsene in Deutschland und Niedersachsen verfügen über keinen Berufsabschluss – gleichzeitig suchen Unternehmen dringend qualifizierte Fachkräfte. In ihrem aktuellen Standpunkte-Papier „Fachkräftesicherung – Kompetenzen stärken, Abschlüsse ermöglichen“ zeigt die IHK Hannover den wachsenden Handlungsdruck auf und formuliert konkrete Maßnahmen.
„Wir können es uns nicht leisten, dass jeder fünfte junge Erwachsene keinen Berufsabschluss hat und viele junge Menschen nach der Schule erst einmal ungelernt arbeiten, statt eine Ausbildung zu beginnen“, sagt Maike Bielfeldt, Hauptgeschäftsführerin der IHK Hannover. „Ein Berufsabschluss ist der Schlüssel zu stabiler Beschäftigung – für die Menschen und ebenso für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen, die dringend auf gut qualifiziertes Personal angewiesen sind.“
Nach aktuellen Zahlen haben 20,5 Prozent der 20- bis 34-Jährigen in Niedersachsen keinen Berufsabschluss. Gleichzeitig ist das Arbeitslosigkeitsrisiko für Ungelernte deutlich höher als für Fachkräfte.
Die IHK sieht die Ursachen unter anderem in Defiziten bei der Ausbildungsreife, unzureichender beruflicher Orientierung sowie Schwierigkeiten beim Übergang von der Schule in den Beruf. Auch die Integration Zugewanderter in das Ausbildungssystem spielt eine zentrale Rolle.
Vor diesem Hintergrund fordert die IHK Hannover ein entschiedenes Gegensteuern, insbesondere durch eine stärkere und praxisnähere Berufsorientierung an allen Schulformen, die frühzeitig Perspektiven zeigt und den Wert beruflicher Abschlüsse verdeutlicht. Gleichzeitig braucht es klare Bildungsstandards und mehr Unterstützung für Schulen, um Schulabbrüche zu verhindern und die Ausbildungsreife zu sichern.
Darüber hinaus müssen vorhandene Unterstützungsinstrumente stärker genutzt werden, um jungen Menschen mit Förderbedarf den Einstieg und Verbleib in der Ausbildung zu erleichtern. Außerdem wirbt die IHK in ihrem Standpunkte-Papier für gezielte Sprachförderung bei Zugewanderten sowie bessere Zugänge in Ausbildung und Qualifizierung, etwa zur Anerkennung von Berufsabschlüssen.
Besonders wichtig ist zudem, bislang wenig genutzte Wege der Nachqualifizierung stärker in den Fokus zu rücken: Teilqualifikationen und Validierungsverfahren bieten Chancen, Schritt für Schritt zum Berufsabschluss zu führen und Kompetenzen sichtbar zu machen.
„Wir brauchen einen integrierten Ansatz – von der Schule bis zur Weiterbildung im Erwachsenenalter“, betont Bielfeldt. „Nur wenn mehr Menschen einen Berufsabschluss erreichen und vorhandene Kompetenzen sichtbar werden, können wir den Fachkräftebedarf langfristig decken.“
Die IHK Hannover unterstützt Unternehmen bereits mit vielfältigen Angeboten – unter anderem in der Berufsorientierung, bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen sowie bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse.
Das vollständige Standpunkte-Papier ist abrufbar unter: www.hannover.ihk.de/ihk_standpunkte
Wie Nachqualifizierung konkret gelingen kann und welche Chancen insbesondere Teilqualifikationen (TQ) für Unternehmen und Beschäftigte bieten, zeigt die IHK Hannover beim TQ‑Aktionstag am 16. Juni. Dort erhalten Interessierte praxisnahe Einblicke, können sich austauschen und konkrete Qualifizierungswege kennenlernen. Weitere Informationen zu diesem Aktionstag finden sich auf der Internetseite der IHK Hannover.