09.09.2026

Fachkräfteeinwanderung: IHK fordert schnellere Verfahren

Die IHK Hannover spricht sich für eine grundlegende Modernisierung der Einwanderungsverfahren von qualifizierten Fachkräften aus. In ihrem von der Vollversammlung am 7. September beschlossenen Standpunkt „Fachkräfteeinwanderung wirksam gestalten“ fordert die IHK konkrete Reformen von Politik und Verwaltung. Dazu gehören eine konsequente Digitalisierung, klar geregelte Zuständigkeiten und ein durchgängiger „One-Stop-Prozess“, bei dem Unternehmen und Fachkräfte alle notwendigen Verfahren über einen zentralen Zugang abwickeln können.
„Deutschland steht im internationalen Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte. Um den Personalbedarf unserer Mitgliedsunternehmen auch in Zukunft zu sichern, brauchen wir eindeutige Wege und schnellere Verfahren“, sagt Maike Bielfeldt, Hauptgeschäftsführerin der IHK Hannover. „Was bislang in Modellprojekten gelingt, muss jetzt für alle ausgebaut werden.“
Ohne Fachkräfte aus dem Ausland wird sich der Arbeitskräftebedarf der niedersächsischen Wirtschaft künftig nicht decken lassen. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft fehlten in Niedersachsen im Jahresdurchschnitt 2025 mehr als 42.000 qualifizierte Arbeitskräfte. Gleichzeitig wird die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter in Niedersachsen in den kommenden Jahren deutlich zurückgehen. Aktuell ist rund jeder vierte Beschäftigte älter als 55 Jahre. Auch wenn derzeit manche Branchen gut versorgt scheinen: in vielen Bereichen wachsen ohne zusätzliche Zuwanderung in den kommenden Jahren die Engpässe. Es wird nicht möglich sein, diese Lücken allein aus dem heimischen Arbeitskräftepotenzial zu schließen.
Auch bei der Ausbildungszuwanderung sieht die IHK Handlungsbedarf. Für viele Unternehmen sind Auszubildende aus dem Ausland inzwischen unverzichtbar, um offene Ausbildungsplätze zu besetzen. Der Anteil Auszubildender mit ausländischem Pass hat sich im Bereich der IHK Hannover in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdreifacht und lag 2025 bei rund 12 Prozent aller Auszubildenden. Angesichts des demografischen Wandels wird es immer wichtiger, junge Menschen aus dem Ausland für eine Ausbildung zu gewinnen und langfristig als Fachkräfte zu halten.
„Fachkräfteeinwanderung endet nicht mit der Einreise. Entscheidend ist, dass Menschen dauerhaft bei uns bleiben wollen“, betont Maike Bielfeldt. „Dafür sind gute Sprachförderung, Wohnraum, verlässliche Unterstützungsangebote sowie das Gefühl, in den Regionen willkommen zu sein, entscheidend. Integration ist ein zentraler Erfolgsfaktor.“
Mit ihrem Positionspapier legt die IHK Hannover 19 konkrete Vorschläge zur Weiterentwicklung der Fachkräfteeinwanderung vor: zum Beispiel den Abbau von Doppelprüfungen, schnellere Verfahren für Unternehmen, bessere Sprachförderung, den Ausbau von Anpassungsqualifizierungen sowie eine stärkere Unterstützung internationaler Auszubildender.

Der vollständige Standpunkt ist abrufbar unter: www.hannover.ihk.de/ihk_standpunkte