17.03.2026
"Einbecker Erklärung" - Wirtschaftsausschuss Südniedersachsen
Göttingen/Einbeck. Der regionale Wirtschaftsausschuss in Südniedersachsen der IHK Hannover hat bei seiner Sitzung bei der KWS Saat SE & Co. KGaA in Einbeck die „Einbecker Erklärung“ verabschiedet. Das Positionspapier bündelt zentrale Punkte der regionalen Wirtschaft zur Weiterentwicklung des Wirtschaftsraums Göttingen und Südniedersachsen. Der Saatgutkonzern hatte den Ausschuss zuvor über aktuelle Entwicklungen und Investitionen am Standort informiert.
Im Mittelpunkt der „Einbecker Erklärung“ stehen die Themen Fachkräftesicherung, Unternehmenswachstum & Innovation sowie verlässliche kommunale Rahmenbedingungen.
Angesichts zunehmender Arbeits- und Fachkräfteengpässe mahnt die „Einbecker Erklärung“ eine deutlich stärkere Priorisierung der Standortattraktivität an. Dazu gehören aus Sicht der Unternehmen unter anderem bezahlbarer Wohnraum, moderne Bildungs- und Betreuungsangebote sowie eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur. Die regionale Wirtschaft fordert die Kommunen auf, Planungs- und Genehmigungsverfahren für Wohn- und Gewerbeflächen spürbar zu beschleunigen.
IHK-Vizepräsidentin Alexandra Gerhardy betonte: „Unsere Unternehmen brauchen verlässliche Perspektiven für Wachstum und Beschäftigung. Dazu gehört, dass Kommunen aktiv daran arbeiten, die Region für Fachkräfte attraktiver zu machen – von Wohnraum über Mobilität bis zur Kinderbetreuung.“
Ein weiterer Schwerpunkt der „Einbecker Erklärung“ ist die Stärkung des regionalen Innovations- und Startup-Ökosystems. Die Region Göttingen gehört bereits heute zu den gründungsstärksten Standorten in Niedersachsen. Damit junge Unternehmen auch in Wachstumsphasen in der Region bleiben können, fordert der Wirtschaftsausschuss die Entwicklung eines Scale-up Campus in der Region, der ausreichend Flächen, moderne digitale Infrastruktur und eine gute Anbindung an das Oberzentrum bietet.
Zudem spricht sich das Gremium für eine dauerhafte Unterstützung der regionalen Standortmarketingaktivitäten aus. Die wachsenden Initiativen – darunter die Startup Factory GOe Future – sollten stärker mit öffentlichen und privaten Akteuren verzahnt werden. Südniedersachsen habe eine enorme Innovationskraft. Nun werden für die langfristige Entwicklung Skalierungsflächen und eine weitere konsequente Verzahnung aller Akteure in der gesamten Region benötigt. Ein Scale-up Campus wäre ein wichtiges Signal für Gründerinnen und Gründer, dass sie hier langfristig gute Wachstumsbedingungen finden.
Große Sorge äußert die Wirtschaft mit Blick auf kommunale Finanzentscheidungen. Die „Einbecker Erklärung“ lehnt Steuererhöhungen – insbesondere bei Gewerbe- und Grundsteuer – sowie die Einführung neuer kommunaler Sondersteuern eindringlich ab. Angesichts der konjunkturellen Lage seien sie ein falsches Signal an Unternehmen. Auch die Kommunen müssten das Prinzip der Kostenwahrheit und Wirtschaftlichkeit konsequent anwenden.
Christian Grascha, stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Leiter der IHK-Geschäftsstelle Göttingen, unterstrich: „Die wirtschaftliche Lage ist und bleibt herausfordernd. Jede zusätzliche Belastung gefährdet Investitionen und Arbeitsplätze. Die Kommunen müssen alles daransetzen, die Rahmenbedingungen stabil zu halten und die Belastungen nicht noch weiter zu erhöhen.“
Einen zusätzlichen Impuls setzte Professor Dr. Frank Albe, Präsident der PFH Private Hochschule Göttingen, der den Ausschussmitgliedern die dualen Studienangebote und neue Kooperationsmöglichkeiten vorstellte. Eine stärkere Verzahnung von Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen sei ein wichtiger Standortvorteil für Südniedersachsen.
